25. Mai 2020
25.05.2020
Mallorca Zeitung

Die Pinien sind auf Mallorca ein Zeichen von Wohlstand

Deshalb stehen sie vor allem auf den Grundstücken von weiträumigen Landhäusern. Ihre Kerne gelten heute als Delikatesse

25.05.2020 | 01:00
Eine Gruppe von Pinien in den Jardins d'Alfàbia bei Bunyola. Die Bäume säen sich durch auf den Boden fallende Zapfen selbst aus.

Von weit her sieht man die hohen Bäume: Nicht nur von den Gipfeln der umliegenden Berge fallen die schirmförmigen Kronen der Pinien auf. Auch auf der Fahrt von Bunyola in Richtung Sóller-Tunnel nimmt der Autofahrer die Baumgruppe wahr, die in den Jardins d'Alfàbia in die Höhe ragt. Dass man sie von so weit her sieht, ist kein Wunder. Die Pinie kann bis zu 22 Meter hoch und uralt werden.

„Wahrscheinlich sind die pinos vor dem ­Besuch von Königin Isabell II. im Jahr 1860 gepflanzt worden", sagt Júlia Roman. Die Kunsthistorikerin lehrt an der Universität der Balearen in Palma und kennt sich mit den Gärten Mallorcas aus. So war das Thema ihrer Doktorarbeit die Bürgergärten der Insel mit Schwerpunkt im 18. und 19. Jahrhundert.

Die Pinien, auch Schirmkiefer, Mittelmeerkiefer oder Italienische Steinkiefer ­(Pinus pinea bot., pino piñonero span., pi ver kat.) genannt, wurden gemeinsam mit einer Kollektion von nicht einheimischen Baumriesen in den Gärten von Alfàbia gepflanzt, auch wenn sie üblicherweise im Mittelmeerraum wild vorkommen. So findet man die ­Pinus ­pinea entlang der Mittelmeerküste auf der ­Iberischen Halbinsel, in Frankreich und Italien, Kroatien, Albanien, Griechenland und auf Kreta, in der Türkei und dem ­Libanon.

Die immergrünen Pinien waren stets ein Symbol der Unsterblichkeit und sollten mit anderen Baumriesen den Wohlstand der Besitzer nach außen sichtbar machen. Dies erklärt auch, dass man heute häufig Pinien in der Nähe von den Gebäuden großer Land­güter in den Bergen Mallorcas begegnet. Doch im Gegensatz zu dem Zürgelbaum, der im Winter Laub verliert und im Sommer Schatten spendet, hat man den Immergrünen nicht direkt beim Haus, sondern mit etwas Abstand gesetzt.

„Die Pinien wurden als Zierbäume ihrer Schönheit wegen gepflanzt", sagt Pere ­Llofriu, Autor des Buches „Monuments de vida". Doch auch ihr Holz hätte man geschätzt, ihre extrem ­hohen Stämme wären in ihrer Überlänge als haltbare ­Balken in den tafonas, den Olivenpressen der Possessions, häufig zum Einsatz gekommen. Denn der Baum ist vor allem in seiner Jugend wachstumsfreudig. Im Alter bildet er, gute Standorte ­vorausgesetzt, ovale Kronen, und er ­erreicht ohne Weiteres ein Lebensalter von mehr als 200 Jahren. Die Farbe der Rinde wechselt im Alter von Grau zu einem rötlichen Braun. Die hellgrünen Nadeln sitzen immer zu zweit an den Ästen und können zwischen zehn und siebzehn Zentimeter lang werden.

Vom Samen zur Blüte

Erst wenn die aus einem Samenkern gewachsene Pinie fünfzehn Jahre alt ist, beginnt ihr Vermehrungszyklus, der seinen Höhepunkt, je nach Standort, im Alter zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren erreicht. „Dann bildet die Pinie zwischen Mai und Juni weibliche und männliche Blüten an ein und demselben Baum", berichtet Joshua Borras, Botaniker an der Balearen-Universität. Von anderen Kiefernarten unterscheidet sich die Zykluslänge: Von der Bestäubung bis zur Reife des Samens vergehen drei Jahre.

Erst dann hat der Zapfen eine Länge zwischen zehn und fünfzehn Zentimetern und eine Breite von acht bis zehn Zentimetern erreicht und damit die Maße der Früchte aller anderen Kiefern­arten übertroffen. Im Sommer des dritten Jahres trocknen die piñas und geben die Samen in einer harten Schale frei. Diese verbreitet, im Gegensatz zu denen anderer Kiefernarten, nicht der Wind. Sie bleiben entweder am Boden liegen und keimen. Oder aber sie verbreiten sich in den Mägen von Vögeln und auch durch Nager unter den Säugetieren, die sie als Vorrat vergraben.

Die Delikatesse

Die Samen vieler Kiefernarten sind essbar, nur sind sie meist so winzig, dass sich ihre Ernte nicht lohnt, berichtet Borras. Die der Pinien dagegen sind knapp zwei Zentimeter lang, oval und hellgelb. Sie schmecken aromatisch, süß und sind weicher im Biss als die Mandeln.

Je nach Standort kann ein Baum alle drei Jahre zehn bis 60 Kilogramm liefern. Weil man auf Mallorca die Pinie eher einzeln pflanzte, hat man sich nicht die Mühe gemacht, die Kerne von den Kronen in schwindelnder Höhe zu ernten. Borras vermutet, dass Inselrezepte mit Pinienkernen neueren Datums sind.

Pinienwälder wachsen dagegen bei Madrid und im andalusischen Valle del Guadalquivir. Die Bäume gedeihen bis in tausend Meter Höhe, wo es sandige Böden gibt. Sowohl die Zapfen der Wildpinien werden geerntet, als auch die der kultivierten Bäume auf den Plantagen. Diese befinden sich in Andalusien, Valladolid, in der Provinz Castilla y Leon sowie in Katalonien. Die an der Sonne getrockneten Zapfen werden gemahlen, die Samen von ihrer harten Schale und von einem dünnen Häutchen befreit. Zerkleinerte Zapfen und Schalen kommen als Brennmaterial in den Handel. Spanien zählt mit Frankreich, Italien und der Türkei zu den weltweit größten Produzenten von Pinienkernen.

Eine Konkurrenz für die spanischen Kerne sind die preiswerteren aus der Volksrepublik China. Im Unterschied zu den langen, ovalen Kernen sind die Samen der Korea-Kiefer (Pinus koraiensis) kürzer, an einem Ende auch dunkler. Sie gelten als weniger aromatisch und schmecken teilweise bitter. Für alle Pinien­kerne gilt: Durch den hohen Anteil an Fett und Eiweiß ist die Haltbarkeit begrenzt, gekühlt halten sie sich dagegen länger.

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