15. Juli 2020
15.07.2020
Mallorca Zeitung

Warum der Johannisbrotbaum auf Mallorca hoch im Kurs steht

Der Anbau von Johannisbrotbäumen lebt wieder auf. Weil das aus ihren Früchten gewonnene Mehl begehrt ist, weil die „algarrobos" Schatten spenden und weil sie kein Gießwasser brauchen. Pere Sureda ist auf ihre Veredelung spezialisiert

15.07.2020 | 01:00
Pere Sureda mit einem veredelten, zwei Jahre alten Baum.

Der Johannisbrotbaum steht auf Mallorca hoch im Kurs. Zum einen, weil seine Schoten gute Marktpreise erzielen. Zum anderen braucht man ihn auf den Inselplantagen, die in der traditionellen Weise cultiu en sec, das heißt ohne Gießwasser kultiviert werden. Im Winter ­bieten die Felder Weideflächen für Schaf- und Ziegenherden, im Sommer finden Nutztiere unter seinen riesigen Kronen Schatten, Wildtiere ganzjährig Habitate. Deshalb ist es kein Wunder, dass der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua bot., algarrobo span., garrover kat.) zunehmend anstelle schwächelnder oder sterbender Mandelbäume gepflanzt wird.

Dies fördert jetzt die Associació de Productors d'Agricola de Mallorca (Apaema), die Vereinigung ökologischer Landwirte mit Sitz in Porreres. Die Mittel dazu kommen von der Mallorca Preservation Foundation (Mapf). Und auch Juana Verger aus Llucmajor, vom Unternehmen Es Garover de Mallorca, ist mit von der Partie. Insgesamt 2.000 einheimische albarrobos sollen bis 2022 mit besonders ­widerstandsfähigen, produktiven und ökonomisch erfolgreichen Sorten veredelt werden.

Den Auftrag dazu bekam Pere Sureda. Der MZ ist er kein Unbekannter, sie berichtete ­darüber, als er vor acht Jahren die ersten ­Gemüsesamen für die Vereinigung Varietats Locals in einer Garage in Sant Joan eintütete. Mittlerweile hat er Fortbildungen als Baumschneider absolviert und bei den Altmeistern Bernat Cañellas und Bernat Ramis gelernt, wie man Johannisbrotbäume veredelt.

Die Veredelung

Im vergangenen Frühjahr begann Sureda auf den Öko-Feldern von Apaema-Mitgliedern mit der Suche nach Mutterbäumen. Diese müssen zehn Jahre alt sein, damit sie Äste, man nennt sie Edelreiser, für die Veredelung liefern können. Diese verbindet man mit einem etwa zwei Jahre jungen Johannisbrotbaum, der bereits gut Wurzeln gefasst hat. Im Spanischen wird diese Technik injerto genannt.

Für die Veredelung besonders geeignete Baumsorten wurden ausgewählt, katalogisiert „und so beschnitten, dass die Mutter­bäume im kommenden Jahr für das Veredeln zahlreiche Triebe bilden, die sich als Edelreis eignen", sagt der 36-Jährige. Der richtige Zeitpunkt für ein injerto ist, wenn die Bäume richtig gut im Saft stehen. Generell geeignet für das Prozedere gilt die Zeit zwischen April und Anfang Juli. Nach der vegetativen Sommerpause im Sommer kann im September und Oktober ein zweites Mal veredelt werden. „Manchmal verschieben sich die Zeiten, dann ist es im April noch zu kalt und Anfang Juli schon zu heiß", sagt Sureda.

Die Transplantation


Doch in diesem Jahr stimmt das Wetter noch, um der MZ die Technik des Veredelns auf einer Öko-Plantage bei Son Macià vorzuführen. ­Sureda hat in einem Behälter etwa 40 Zentimeter lange Äste dabei, die bereits von den Mutterbäumen abgetrennt worden sind. Von dem Edelreis schneidet er mit einem Spezialmesser ein Stück Rinde ab. In einem der Jungbäume ritzt er einen senkrechten Schlitz ein. In diesen schiebt er das Stück Edelreis mit der spitzen Seite voran ein. Danach wickelt er eine durchsichtige Folie fest um das Rindenstück.

Die Sorten


Bei dieser, wie auch bei allen anderen Veredelungen, geht es darum, mithilfe eines Jungbaumes die Sorte so zu verbessern, dass gute Ernten garantiert werden. Beim Johannisbrot geht es um das begehrte Garrofin, auch Carubin oder Carobmehl genannt. Dieses kommt wegen seines großen Quellvermögens als unbedenklich eingestufter Bio-Lebensmittelzusatz (E-410) zum Einsatz. Beste Marktpreise erzielen bei der Lebensmittel- und Arznei­mittelindustrie Schoten, deren Samen 14 bis 15 Prozent oder mehr Garrofin enthalten. Deshalb bevorzugte man bei der Auswahl der Edelreiser solche Sorten, die einen hohen Garrofin-Anteil garantieren.

So beispielsweise die Sorte duralló, die von einem Baum stammt, der sich in der Mancomunitat des Raiguer bewährt hat und üppige Ernten garantiert. Die Sorte d'en Pau kommt häufig in der Gegend um Santa Maria del Camí vor, sie liefert zwar nur etwa vierzehn Prozent Garrofin. „Doch der Baum ist berühmt für gute Ernten, auch in Tarragona hat man gute Erfahrungen mit dieser Sorte gemacht", berichtet der Mallorquiner. In der ­Gegend von Llucmajor wachse die bugadera, ebenfalls ein sehr widerstandsfähiger, produktiver Baum mit hohem Garrofin-Anteil.


Zehn Prozent machos


Bei allen bis hierhin vorgestellten Sorten ­handelt es sich um Johannisbrotbäume, die weibliche Blüten entwickeln. Damit es zur Fruchtbildung kommt, ist eine Befruchtung durch männliche Blüten nötig. Diese sexuelle Befruchtung findet im Herbst statt. „Früher machte man sich dazu nicht allzu viel Ge­danken, wenn man selbst kein männliches Exemplar besaß, hatte der Nachbar eines", berichtet Sureda. Doch weil damals die Schoten an Tieren verfüttert wurden, achtete man nicht so sehr auf Qualität und Menge. „Wenn zehn Prozent der Bäume machos sind, fährt man einfach bessere Ernten ein", sagt Sureda.

Zu männlichen Exemplaren, bordes genannt, kommt es dann, wenn man den Baum durch Samen vermehrt. Dann entstehen Bäume, die männliche Blüten bilden und keine Früchte tragen. Die genetische Anlage in ­einem Samen ist jedoch nicht auf die Entwicklung männlicher Exemplare festgelegt. Sie ist so variabel, dass sich auch Hermaphroditen, also Zwitter, entwickeln können. „Wir veredeln die Jungbäume mit Zwittern. Mit den männlichen Blüten befruchten diese die der weiblichen Bäume und zudem tragen sie auch noch Früchte", erklärt Sureda.

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