25. Januar 2021
25.01.2021
Mallorca Zeitung

Günstig und gut: So steht es um das Olivenöl von Mallorca

Joan Mayol, Präsident der D.O. Oli Mallorca, spricht im Interview über den Stand der Dinge beim Öl von der Insel

25.01.2021 | 01:00
Hatte wie auch seine Kollegen 2020 mit Schädlingen und Unwettern zu kämpfen: Joan Mayol, Chef der D.O. Oli Mallorca.

Auf seiner Olivenbaum-Finca nahe des Krankenhauses Son Llàtzer bei Palma de Mallorca treffen wir Joan Mayol (66), seines Zeichens Olivenöl-Produzent der Marken Verderol und Algebicí, eigentlich aber Biologe von Beruf. Mayol hat viele Jahre lang als Artenschutzexperte im Landwirtschaftsministerium gearbeitet. Seit Dezember 2019 ist er Präsident der Olivenöl-Kontrollbehörde D.O. Oli Mallorca.

Dieser Tage kommen die neuen Olivenöle der vergangenen Ernte in den Verkauf. Gab es Unterschiede zu anderen Jahren?
Vor allem haben wir ein wirklich gutes Olivenöl – und das ist das Wichtigste. Insgesamt wurden in den Betrieben der Herkunftsbezeichnung 4.150 Tonnen Oliven zu 617.000 Liter Olivenöl verarbeitet. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 680.000 Liter, also nur ein paar Liter mehr. Die Gründe: Eigentlich war es ein gutes Jahr und wir versprachen uns eine größere und bessere Ernte, aber wir hatten dann verstärkt mit einem Schädling zu kämpfen, der Olivenmotte, die sich von den Blättern und den Olivensamen ernährt. Speziell bei den Olivenbäumen der Serra de Tramuntana, aber auch in der Ebene, gab es große Verluste. Viele Oliven haben kaum sichtbare kleine Fraßlöcher. Und auch die starken Unwetter im August haben ihre Spuren hinterlassen. So hat beispielsweise Son Mesquidassa bei Felanitx, die wohl größte Olivenplantage der Insel, fast die Hälfte ihrer Ernte verloren. Entweder wurden die jungen Oliven ganz zerstört, oder es gab ebenfalls kleine Schäden, durch die dann später Wasser eindringen konnte. Das macht die Olive schwerer. Beim Pressvorgang und dem Zentrifugieren können wir zwar das Wasser von dem Olivenöl trennen, aber wenn wir fremde Pressen nutzen, zahlen wir nicht fürs gewonnene Öl, sondern für die Gesamtmenge an gelieferten Oliven, somit auch für das eingelagerte Wasser. Und das schmälert den Gewinn.

Zum Jahresanfang 2020 hatte die deutsche Stiftung Warentest Mängel bei einem bekannten mallorquinischen Qualitätsöl festgestellt. Sind daraus Konsequenzen gezogen worden?
In einer Partie Olivenöl aus der Ernte 2018, gekauft im Sommer 2019 mit Testveröffentlichung im Januar 2020, hat man Schadstoffe gefunden, wobei deren Menge so gering war, dass sie weder gegen spanische noch europäische Vorschriften verstieß. Das kann, sollte aber nicht passieren. Daher haben wir im Frühjahr 2020 gemeinsam mit der Regierung und der Universität neue Verfahren beschlossen und entwickelt, um Rückstände besser aufzuspüren und zu verhindern.

Ihre Hauptkunden sind Restaurants und Hotels, die aktuell ja kaum geöffnet hatten. Konnte man den Verlust auffangen?
Wir haben mehr Privatkunden hinzugewonnen, teils auf der Insel, teils durch den Export. Nicht direkt durch unsere Betriebe, sondern beispielsweise durch den Online-Verkauf der Firma Fet a Sóller, der im vergangenen Jahr zugenommen hat – wie ja aufgrund der Corona-Situation generell viel mehr online verkauft wurde. Ich kenne nicht die konkreten Zahlen, aber ein Großteil des Olivenöls ging auch nach Deutschland. Vielleicht, weil viele treue
Mallorca-Besucher in diesem Jahr nicht auf die Insel kommen konnten und sich so ein Stück Mallorca nach Hause geholt haben. Sozusagen die Sonne Mallorcas in Flaschen.

In den Geschäften auf der Insel, scheinen die D.O.-Öle sogar günstiger geworden sein. Stimmt das?
Ja, denn dass die Insulaner auch vermehrt zu unserem Öl gegriffen haben, hat auch mit dem Preis zu tun. Generell sind unsere Öle ja teurer als die meisten Festlandöle, was auch damit zusammenhängt, dass wir etwa die Flaschen importieren müssen. Vergangenes Jahr hat uns aber Mallorcas Inselrat unterstützt und jeden Liter mit drei Euro subventioniert. So konnten wir die Öle auch dem Endverbraucher günstiger anbieten. Wir wollen in einer Aufklärungskampagne nun auch verstärkt Kinder und deren Eltern über unser Olivenöl informieren. Daher gibt es Lehrbroschüren für den Schulunterricht, in denen die Bedeutung von gutem Olivenöl für die Ernährung herausgestellt, aber auch der Bezug von Olivenöl zu Natur, Kultur und der Inselgeschichte erläutert wird.

Das erinnert mich an Alfons Schuhbeck, den deutschen Starkoch, der immer das Beispiel bringt: Bei Motorölen fürs Auto wird zum besten und teuersten Öl gegriffen. Beim Öl für den Körper, also fürs Kochen und Essen nimmt man das billigste.
Da hat er völlig recht. Es fehlt an Wertschätzung, was aber auch mit der fehlenden Kenntnis über Öle und ihre Wirkung im Körper zu tun hat. Hinzu kommt, dass viele Nordeuropäer denken, dass man mit Olivenöl nicht braten oder gar frittieren könne, was nicht der Wahrheit entspricht. Ganz Südeuropa kocht perfekt mit Olivenöl – und das seit Jahrhunderten.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, das diesjährige Öl sozusagen zu verwerten, denn es wird durch Lagerung ja nicht besser?
Noch ist die Hauptmenge des Öls nicht in Flaschen abgefüllt, viele unserer Mitglieder werden somit ihr Öl nicht als D.O.-Öl in den Handel bringen, sondern quasi als „normales" Öl. In der Flasche steckt dann zwar das gleiche Qualitätsöl, aber auf dem Etikett fehlt das D.O.-Siegel – und somit sinkt der Preis. Das Öl wird dadurch attraktiver für die Kunden. Wir verlieren zwar Geld, aber wir verlieren nicht alles. Eine andere Möglichkeit, falls der Betrieb verschiedene Olivensorten angebaut hat, ist der Verschnitt, denn beispielsweise Öl aus Arbequina-Oliven ist nicht so lange haltbar wie Öl aus Picual-Oliven. Damit kann man die Haltbarkeit und somit auch den Verkauf ein wenig verlängern. Aber wir haben mit einem kleinen Teil unseres Olivenöls auch etwas Gutes getan, indem wir in Zusammenarbeit mit Red Eléc-trica Illes Balears 5.000 Liter an das Rote Kreuz und die Lebensmittelbank gespendet haben.

Noch sind die Corona-Gefahr und deren Folgen nicht überstanden. Was macht man sich in der Kontrollbehörde für Gedanken über die Zukunft?
Generell muss man sagen, eine Kontrollbehörde ist kein Verein. Wir kümmern uns um die Einhaltung der Regeln, machen die Qualitätskontrolle und vergeben die D.O.-Siegel, aber jede Firma entscheidet für sich ganz individuell. Dennoch sind gewisse Zukunftspläne wichtig. Es gibt bald ein Treffen verschiedener Institutionen, eine mesa de trabajo, wo wir über gemeinsame Strategien beraten wollen. Vor allem gilt es gemeinsam zu handeln, Egoismus und individualistisches Handeln hilft jetzt nicht wirklich weiter.

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