02. Dezember 2020
02.12.2020
Mallorca Zeitung

Mallorca-Auswanderin bietet in der Krise Wellness für die Seele

Kosmetikerin Bettina Dross aus Peguera ruft den „Pay-what-you-can-Tag" aus und versucht so, sich und ihren Kundinnen etwas Gutes zu tun

02.12.2020 | 10:38
Bettina Dross in ihrem Kosmetikstudio in Peguera.

Die Idee war Bettina Dross im Schlaf gekommen – uns zwar beim Schlaf einer ihrer ­Kundinnen: Bei einer Behandlung in ihrem kleinen Kosmetikstudio im Centro Comercial in ­Peguera sei eine Kundin nach kürzester Zeit einfach eingenickt. „Sie hatte die ganze Sache so genossen und konnte abschalten – und für einen Moment den Stress der aktuellen Krise vergessen", erzählt die Kosmetikerin. In ­diesem Moment habe sie beschlossen, ihr ­Angebot auch jenen anzubieten, die sich Beauty- und Wellness-Behandlungen aktuell nicht leisten können, sie aber eigentlich dringend brauchen könnten.

Die 57-Jährige rief den „Pay-what-you-can-Tag" ins Leben. Jeden Donnerstag können ­Interessierte in ihren Laden kommen, um ­Anwendungen wie Permanent-Make-up, Fruchtsäure-Peelings, Ultraschallmasken, Hyaluron-Behandlungen oder Waxing zu nutzen und dafür zu bezahlen, was ihnen die Behandlung wert ist – oder was sie gerade bezahlen können. „Ich bin ein sehr mitfühlender Mensch", sagt Dross, die vor fünf Jahren allein nach Mallorca ausgewandert ist. Bei ihrer Arbeit sehe sie jeden Tag, dass die Menschen momentan besonders erschöpft sind und es genießen würden, zumindest für eine Stunde den Alltag zu vergessen. Gleichzeitig müssten viele in der ­Corona-Krise den Gürtel enger schnallen. „Ich biete da sozusagen Wellness für die Seele."

Dass jemand die Situation ausnutzen würde, habe sie bisher nicht festgestellt. Die Leute seien fair und würden freiwillig durchaus angemessene Beträge zahlen. „Es ist eben ein Geben und Nehmen in dieser schwierigen Zeit", so Dross. Viele würden beispielsweise ­sagen, welches Budget sie zur Verfügung haben und fragen, was sie dafür bekommen könnten. „Und es gibt sogar Kundinnen, die extra nicht am Donnerstag kommen, um den vollen Preis zu zahlen." Und davon profitiert natürlich auch Dross.

In der Krise muss schließlich auch sie ­genau rechnen. Da vor allem deutsche Resi­dentinnen und Zweithausbesitzer zu ihrem Kundenstamm gehören, seien viele Aufträge weggefallen. „Ich hatte ein gut gefülltes Auftragsbuch, als der Lockdown kam", so Dross. Momentan komme sie gerade einmal auf ein bis zwei Kundinnen pro Tag. Mit speziellen ­Angeboten wie ihrem Spar-Donnerstag versuche sie nun, die wenigen Kundinnen, die noch auf der Insel sind, zu halten und vielleicht auch neue zu gewinnen.

„Wir haben es hier in Spanien ja noch gut, Kosmetiker in Deutschland dürfen momentan gar nicht arbeiten", so die gebürtige Berlinerin, die vor ihrer Auswanderung zuletzt in Hamburg gelebt hatte. Angst vor einer Corona-Infektion habe sie nicht, obwohl sie bei ihren Behandlungen den Kundinnen sehr nah kommt. „Ich schütze mich mit Masken und Handschuhen – allerdings habe ich das vor der Pandemie auch schon getan", erklärt Dross. „Sauberer als bei uns geht es eigentlich nirgends zu, denn in meinem Job wird schon immer penibel auf Hygiene und Sauberkeit geachtet." Mitunter nutze sie neben der normalen Mund-Nasen-Maske auch noch ­einen ­transparenten Schutzschirm. Und ihre Kundinnen und Kunden? „Bisher ist noch keiner nicht gekommen, weil er Angst hatte, sich anzustecken", sagt Dross.

Geändert habe sich dagegen die Art der nachgefragten Leistungen. „Da wir ja alle ­momentan mit Masken rumlaufen müssen, ­legen viele Menschen vermehrt Wert auf die Augenpartien", erklärt Dross. So würden immer häufiger Augenbrauen-Korrekturen sowie Lidstrich- und Wimpern-Behandlungen nachgefragt. „Denn wenn schon unser Lächeln ­abgedeckt ist, wollen wir ja zumindest mit schönen Augen strahlen."

Ein Lächeln geht Dross selbst immer dann über die Lippen beziehungsweise die Augen, wenn sich mal wieder jemand ins Centro ­Comercial verirrt, wo sie seit März 2019 ihr ­Kosmetikstudio betreibt. Denn es ist besonders leer geworden in Peguera. „Mittlerweile besuchen wir Ladenbesitzer die benachbarten Gastronomen und umgekehrt, damit uns nicht langweilig wird", scherzt Dross. Um sich gegenseitig zu unterstützen, würden mittlerweile auch Dienstleistungen gegen Restaurantbesuche getauscht. „So ist das eben in der Krise – aber es kommen auch wieder bessere Zeiten."

Mehr Infos: www.bettinadross.com

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