01. Januar 2021
01.01.2021
Mallorca Zeitung

Der kulinarische Mallorca-Jahresrückblick 2020

Mutige Neueröffnungen, Erweiterungen der Lokale auf die Parkplätze sowie spannende Lieferservice-Konzepte - kulinarisch hatte Mallorca auch im Corona-Jahr 2020 einiges zu bieten. Wir blicken zurück

01.01.2021 | 01:00
Maca de Castro in ihrem neuen Andana in Palma sowie Gerichte des Café Carmela.

Es war wahrlich kein einfaches Jahr für die Gastronomie auf Mallorca und so wird das auch – zumindest eine Zeit lang – so weitergehen. Trotzdem gab es auch viel Spannendes zu entdecken: mutige Neueröffnungen, die Erweiterungen der Lokale auf die Parkplätze sowie interessante, neue, günstigere Konzepte, mit denen man bei den Einheimischen punkten will. Vor allem aber der Lieferservice und die damit verbundenen kochtechnischen Herausforderungen sind sozusagen der „Trend" dieses Jahres – weltweit.

Schräger Zufall

Es mag fast als seltsame Bestimmung anmuten, dass ausgerechnet ein Arzt, obwohl Neurologe und kein Internist, hinter der wohl besten Neueröffnung des Jahres steckt: L'Esguard, von und mit Miguel Sánchez Romera als Chefkoch und beheimatet, aber unabhängig, in Räumlichkeiten des Fünf-Sterne-Hotels Iberostar Playa de Muro. Corona-bedingt eröffneten Sánchez und seine Frau das Restaurant erst Ende Juli und schlossen im Herbst. Doch auch 2021 wollen sie wieder mit gesunder, bewusster Küche von exzellentem Geschmack und ganz besonderer Ästhetik am Start sein (www.lesguard-restaurant.com).

Ethisch und kulinarisch einwandfrei

Der kreative Koch hinter dem Restaurant Brut in Llubí, Edu Martínez, war in diesem Jahr als Berater in Sóller tätig, wo er dem Bioladen und Tagesrestaurant Re Organic mit dem Abendrestaurant Étic im September ein weiteres Konzept hinzufügte: Gekocht wird hier nur mit saisonalen Bioprodukten, reich an Proteinen und gesunden Fetten, arm an Kohlenhydraten sowie glutenfrei. Herausgekommen ist ein kontrastreiches, innovatives, köstliches Menü (www.reorganic.es).

Sterneköche auf Abwegen

Maca de Castro entschied sich dafür, ihre Restaurants in Port d'Alcúdia in diesem Jahr wegen fehlender Urlauber – ihre Hauptklientel – nach der Winterpause gar nicht erst zu eröffnen. Sie startete mit den im eigenen Garten angebauten zahlreichen Produkten stattdessen einen kostenlosen Lieferservice für über 40 Familien, und sie bekochte privat nicht nur ihre Familie, sondern auch noch zahlreiche Freunde und Nachbarn. Doch im Sommer gelüstete es sie wieder nach einem Restaurant, das sie in Palma am Bahnhof an der Plaça d'Espanya eröffnete: das schöne und große Andana wurde schon bald zum neuen Hotspot – natürlich kulinarisch gesehen. Ehrliche, bodenständige Küche mit saisonalen Produkten und dem speziellen Maca-de-Castro-Touch. Dazu ein paar Klassiker aus dem Bistro de Jardín wie Spanferkel oder Tatar. Kein teurer Sternenhype, sondern bezahlbare, wunderbare Küche (www.andanapalma.es).

Auch Andreu Genestra hielt sein gleichnamiges Sternelokal nur kurze Zeit geöffnet, dann verlegte er seine Aktivitäten auf sein Aromata in Palma – aktuell serviert er im zauberhaften Garten des Kulturzentrums seine Gerichte – und die kulinarische Beratung im Hotel Es Príncep. Doch auch ihn zuckte es in den Fingern, als es darum ging, der Krise mit einem andersartigen Lokal zu trotzen. So startete er im Juni, gemeinsam mit seinem Maître David Serrano als Geschäftspartner, am Strand von S'Illot das legere Rapeat mit gehobenem Fast Food à la Burger und Hotdog mit Patties beziehungsweise Würstchen vom schwarzen Schwein sowie Tacos mit Bio-Hühnerfleisch (Facebook: Rapeatmallorca).

Deutsche Betreiber im Südwesten

Kurz vor dem Lockdown unterschrieben sie ihre Mietverträge, beide wollten ab Ostern ihre Gäste bewirten, doch dann kam alles anders: Jens Bräuning (bekannt als früherer Chefkoch des Lila Portals) konnte sein Adelfas by Jens erst Mitte Juli eröffnen und Nicole Stange (bekannt vom La Vida in Peguera) startete mit ihrem Nira d'Or eine Woche später. Doch beide hatten zum einen verständnisvolle Vermieter und zum anderen ließen sie sich ihre Energie und ihren positiven Elan nicht nehmen. Während Bräuning seinen Gästen mediterrane Küche mit Ausflügen nach Asien und Deutschland serviert, geht es bei Stange etwas bodenständiger zu, durchaus auch mit handfesten Klassikern deutscher Traditionsküche gemischt, begleitet von montäglichen Thementagen (Facebook: Adelfas by Jens Restaurant, www.nirador.com).

Weltküche

Gerichte aus fernen Ländern erfreuen vor allem, wenn das Reisen erschwert oder gar unmöglich ist. Einige neu eröffnete Lokale bieten diesen „Reiseservice". So kann man in Palma libanesische Küche im Café Carmela bekommen (FB: Café Carmela), orientalische Küche aus Marokko, dem Libanon, Palästina und der Türkei isst man im Muaré der Aba-Art-Galeristinnen Maribel und Alejandra Bordoy (FB: Muaré), mexikanische Tacos bietet das angesagte Manataco (www.manataco.com), und eine abgebrochene Weltreise von Raúl García und seiner Frau Mariana samt Kindern aufgrund der Corona-Pandemie beflügelte ihn, stattdessen Weltküche in seinem Palillos y Cuchillos anzubieten, gemischt mit einigen spanischen Gerichten (Facebook: Palillos y cuchillos). Hinzu kommt in Santanyí Pizza und Pasta mit dem „Segen" von Schauspieler und Regisseur Til Schweiger im Henry likes Pizza (www.henrylikespizzasantanyi.com).

Ungewöhnliche Locations

Es schmeckt auch dort, wo man es nicht direkt vermutet. Am „normalsten" ist wohl der Palacio Can Marqués mit seinem Lokal The Merchants, wo man inmitten des Llonja-Viertels in dessen Garten oasengleich ruhig sitzt und schmaust (www.merchantspalma.com).

Doch auch die Kantine des Flughafens Son Bonet in Pont d'Inca ist zu einem lecker günstigen Restaurant geworden, mit Carlos Hubert Pérez am Herd und freitäglichen Konzerten bis noch vor wenigen Wochen (FB: Welcome Son Bonet). Einen bunten Indivisible Gastrotruck mit Niveau und etwas anderen Gerichten bieten zwei Jungs, die in Top-Lokalen gearbeitet hatten, José Vich Marcé und Cristhian Fernando Bejarano Delgado, im Gewerbegebiet Llevant gegenüber von Brico Depot (FB: Indivisible Gastrotruck). Und Altmeister Tomeu Torrens hat nach der Schließung des Traditionslokals Celler Can Amer in Inca einfach die Räumlichkeiten seiner Catering-Küche um den „neuen" Celler Can Amer erweitert – mit günstigem Mittagsmenü und großem Erfolg (Facebook: Celler Can Amer).

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