24. Juni 2010
24.06.2010

WM 2010: Schwere Zeiten für die Afrikaner auf Mallorca

Wenig Grund zur Freude: Die Straßenverkäufer haben bei allen Vorrundenspielen afrikanischer Mannschaften mitgelitten

16.07.2010 | 14:37
Fußballverrückt und fern der Heimat (v.li.): Abdul, George und Billy.

Straßenverkäufer George kommt aus Ghana, ist Fußballfan und leidet. Lange hat der 33-Jährige der Weltmeisterschaft auf seinem Heimatkontinent entgegengefiebert. Anfangs waren Euphorie und Hoffnung groß. Aber jetzt – kurz vor dem ersten Achtelfinale – überwiegt die Enttäuschung. Kamerun, Nigeria, die Elfenbeinküste und Südafrika: Fünf von sechs afrikanischen Teams waren Mittwochnachmittag bereits ausgeschieden.

Deprimierende Zeiten also für George und die anderen Straßenverkäufer. Für sie war jedes WM-Spiel einer afrikanischen Mannschaft ein geselliger Höhepunkt. Sie trafen sich Zuhause oder in einem der zahlreichen Lokale mit Großbildschirmen entlang der Playa de Palma. Auch im ­Megapark – wo George Mittwochabend auch das Spiel gegen Deutschland gucken wollte. Die meisten von ihnen kommen aus dem Senegal, aber die Herkunft spielt keine so große Rolle. „Wir sind für jede afrikanische Mannschaft" sagt George.

Ist das Fußballgucken nichts schlecht fürs Geschäft? „Nein, denn wenn an der Playa ein wichtiges WM-Spiel läuft, verkaufen wir eh nichts", sagt der 24-jährige Ibu aus dem Senegal. Die potentiellen Kunden wollten dann eh ihre Ruhe haben. Der 25-jährige Asan fühlt sich mit den jungen afrikanischen Fußballspielern auch persönlich verbunden: „Sie sind fleißig, ehrgeizig und haben sich von unten hochgearbeitet, genau wie wir das auch tun müssen." Das Leben der Straßenverkäufer an der Playa ist nicht leicht: Viele von ihnen sind illegal im Land, müssen täglich um ihr Überleben kämpfen und sind zudem häufig noch Anfeindugen genervter Urlauber und Gastronomen ausgesetzt. Erst kürzlich tauchten in der Bierstraße rassistische Schilder auf, um die Schwarzafrikaner der Lokale zu verweisen.

Für den Fall, dass alle afrikanischen Mannschaften – also auch Ghana – ausscheiden sollten, wissen die fußballverrückten Straßenverkäufer schon, wem sie für den Rest des Turnieres die Daumen drücken: Deutschland. Die einhellige Meinung: „Die haben eine sehr gute Mannschaft und können weit kommen."

Ehrliche Verbundenheit, kaufmännisches Geschick oder gar Vorsichtsmaßnahme an der so deutsch geprägten Playa de Palma? George jedenfalls trägt demonstrativ seit Tagen ein rotes Fußballshirt, auf dem unübersehbar die Deutschlandflagge weht.
Auch sein Kumpel Mademba trägt Schwarz-Rot-Gold, allerdings die etwas unauffälligere weiße Version des T-Shirts. Der 35-jährige Senegalese ist außerdem ein großer Fan von FC Bayern München und der Bundesliga– übrigens eines der ersten deutschen Wörter, das er auf Mallorca gelernt hat.

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