06. August 2009
06.08.2009

MZ-Test: Rotweine aus Navarra unter 10 Euro

21.05.2009 | 16:13
Gar nicht so übel: Patrick Paulen (li.) und Manuel Vogel vom Restaurant Malvasia in Palma bei der Arbeit.

Auch wenn Weine aus Navarra etwas aus der Mode gekommen sind, heißt das nicht, dass in Spaniens gleichnamiger Provinz keine guten Tropfen mehr produziert werden. Die Sommeliers Manuel Vogel und Patrick Paulen vom Restaurant Malvasia in Palma testeten für die Leser der MZ sechs Rote – alle unter zehn Euro und aus dem Supermarkt. Zunächst konnten sie ihre Skepsis kaum verbergen. Kann ja sein, dass die alteingesessenen Bodegas in Navarra gute Weine machen, aber bestimmt nicht für fünf Euro und für den Verkauf im Corte Inglés. Doch schon der erste Tropfen sorgte für zwei überraschte Gesichter und wohlwollende Worte der strengen Prüfer. „Den kann man ja trinken", war Patrick Paulens spontaner Kommentar. Und nicht nur das, wie sich herausstellte, gehörte der Las Campanas 2008 am Ende der Degustation mit zu den besten Weinen.

Las Campanas, 2008
Der Rotwein aus 100 Prozent Tempranillo-Trauben ist nicht nur der jüngste unter den sechs Tropfen, sondern auch der einzige, der nicht im Eichenfass ausgebaut worden ist. Alkoholgehalt: 13 Prozent. Im Glas zeigt der junge Wein die typisch kirschrote Farbe, die am Glasrand leicht violett schimmert. In der Nase ist er sauber, wenngleich nicht sehr intensiv, am Gaumen rund und fruchtig. „Der Abgang ist etwas kurz, die Fülle aber angenehm", so Manuel Vogel. Der junge Wein – übrigens aus der ältesten Bodega der D.O. Navarra – wird leicht gekühlt getrunken und eignet sich gut als Begleitung für Tapas. Urteil: ein gelungener Einstieg für den preiswertesten Tropfen der Runde.
Note 12.

Sotavento, 2005
Der Tropfen aus der Bodega Palacio de Otazu im Anbaugebiet Valdizarbe enthält Tempranillo-, Merlot- und Cabernet-Sauvignon-Trauben. Alkoholgehalt: 13,5 Prozent. Im Glas granatrot, doch im Geruch unangenehm und ohne klare Frucht. „Wahrscheinlich hatte der Wein kein tolles Fass oder das Traubengut war zu alt", vermutet Patrick Paulen. Im Mund zieht einem die Säure die Wangen zusammen, im Abgang ist er bitter und mit einem Geschmack künstlicher Vanille-Aromen. Diesem Wein fehlt die Reife, so die Meinung der Experten.
Note 7.

Gran Feudo, Reserva 2004

Dieser Reserva-Wein von Julian Chivite stammt aus einer der großen und alteingesessenen Bodegas Navarras, bekannt für ihre viñas viejas (Rebstöcke, die älter als 25 Jahre sind). Um die Rebsorten Tempranillo und Garnacha auf der Rückseite der Flasche zu entziffern, benützt man besser eine Lupe, so klein ist die Schrift. Alkoholgehalt: 13 Prozent. Qualitativ enttäuscht der Wein die Sommeliers. Von rubinroter Farbe hat er kaum Nase, riecht aufdringlich nach reifen schwarzen Früchten. Im Gaumen sauer, wird das schwache Aroma komplett erdrückt. Der Abgang ist kurz und scharf. Das Urteil: nicht empfehlenswert und mit 9,93 Euro teuer.
Note 7.

Norte, 2006
Dieser Tropfen aus der Bodega Inurrieta ist eine Cuvée aus Cabernet-Sauvignon- und Merlot-Trauben. Alkoholgehalt: 14,5 Prozent. Die Farbe ist von tiefem Granat, auch der Geruch ist intensiver als beim ersten Wein – man nimmt das Fass im Hintergrund wahr. „Das liegt am Merlot, der dem Wein mehr Intensität verleiht", erklären die Sommeliers. Ein Problem könne allerdings im Gaumen entstehen, da die Cabernet-Sauvignon-Traube mehr Säure enthält. Die Säure ist in diesem Fall aber gut integriert, „sie säubert sozusagen den Mund und man hat Lust, wieder etwas zu essen", so Patrick Paulen. Im Abgang ist der Norte länger als sein Vorgänger, daher die
Note 13.

Pago de Cirsus, 2005
Die relativ junge Bodega aus dem Jahr 2000 hat für ihre Vendimia Seleccionada Tempranillo-, Merlot- und Cabernet-Sauvignon-Trauben miteinander kombiniert. Alkoholgehalt: 14,5 Prozent. Auffällig ist das aufwendig gestaltete Etikett und die kleinere, edlere Flaschenhöhe. Die Farbe ist breiter, das heißt bei geneigtem Glas gleichbleibend tiefrot bis zum Rand. Auch die Nase hebt sich ab, sie ist komplexer, lässt sich nicht leicht einer bestimmten Frucht zuordnen. Der Wein hat eine feine Holznote, riecht floral und würzig und schmeckt nach schwarzen Früchten. „Das ist ein richtig guter Wein mit Struktur", sagt Manuel Vogel, „der ist höchstwahrscheinlich teurer." Stimmt, aber mit 7,85 Euro nicht zu teuer.
Bestnote 15.

Príncipe de Viana, Reserva 2003

Die Bodega Príncipe de Viana mit 400 Hektar Rebstöcken verkauft ihre Weine in 25 Länder. Der 2003er Reserva-Verschnitt aus Tempranillo-, Merlot- und Cabernet-Sauvignon-Trauben enttäuscht allerdings auf ganzer Linie. In der Farbe von tiefem Granat mit rubinrotem Rand, ist die Nase reduziert, das Fass dominiert. Dem Wein fehlt das Grundaroma, die Zunge fühlt sich pelzig an. Der Gaumen zieht sich unangenehm zusammen, im Abgang ist der Reserva überzogen holzig. Das Urteil: lieblos produziert, billiges Etikett.
Note 5.

(Preis-Leistungs-Verhältnis):

1 - 4 Punkte: fehlerhafter Wein
5 - 9 Punkte: nicht zu empfehlen
10 - 15 Punkte: empfehlenswert
16 - 20 Punkte: sehr zu empfehlen

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