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So nächtigt es sich im neuen Jugendstil-Hotel in Palma de Mallorca

Das Stadtviertel El Terreno in Palma hat jetzt auch ein Boutique-Hotel. Der Bau von Anfang des 20. Jahrhunderts war bis vor kurzem Wohnhaus der Familie, die jetzt die Unterkunft betreibt

Eines der Schlafzimmer im neuen Hotel Can Quetglas. Lluís Bort i Cerezo

Borja Besalduch Martín sieht sich noch im Alter von acht Jahren im stattlichen Haus Can Quetglas durch die Flure sausen, gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester. „Wir hatten wirklich genug Platz zum Spielen, gefühlt war immer die ganze Schule bei uns daheim. Auch später, als wir dann Partys geschmissen haben“, erzählt der 37-jährige Geschäftsführer des neuesten Boutique-Hotels in Palma de Mallorca.

Die Besalduch Martín sind eine begüterte Familie, die eine gewisse Vorliebe für Architektur und besondere Immobilien hegt. Das sei auch der Grund gewesen, warum seine Eltern Anfang der 1990er-Jahre das Gebäude im Carrer Santa Rita in Palmas Viertel El Terreno gekauft hätten, das damals in bemitleidenswertem Zustand gewesen sei. „Sie haben sich in die Jugendstil-Architektur verliebt und sahen schnell das Potenzial, das das Haus hatte“, berichtet Borja Besalduch der MZ. Den studierten Wirtschaftsingenieur packt jedes Mal, wenn er jetzt durch das frisch renovierte Haus streift, ein wenig die Nostalgie.

Antoni und Borja Besalduch. Guillem Bosch

Architekt war Gaudí-Anhänger

Immerhin rund 30 Jahre lebte Borja Besalduch Martín gemeinsam mit seiner Familie in dem prächtigen Anwesen, das im Jahr 1908 von Francesc Roca i Simó, einem begeisterten Gaudí-Jünger, entworfen wurde. Dann trafen Borjas Eltern Antoni Besalduch und Inmaculada Martín vor inzwischen mehr als vier Jahren die Entscheidung, aus dem Gebäude ein Hotel zu machen.

Als die beiden Kinder ausgezogen waren, wurde das Haus für das ältere Ehepaar zu groß. „Es gab nur zwei Optionen, wie wir das Haus behalten konnten: es in Wohnungen zu verwandeln oder in ein Hotel“, erzählt Antoni Besalduch. Er habe nicht verkaufen wollen, sondern das architektonische Erbe in Händen von Mallorquinern belassen wollen, so der Vater des Geschäftsführers. Gelegenheiten zu verkaufen, hätte er einige gehabt. „Hier sind Deutsche, Schweden, aber auch Agenturen vorstellig geworden“, erzählt Antoni Besalduch.

So nächtigt es sich im Jugendstil Guillem Bosch

Statt sich die Taschen vollzumachen, renovierten die Besalduch Martín ihr Schmuckstück mit Liebe zum Detail, um das Hotel Wirklichkeit werden zu lassen. Im El Terreno-Viertel gibt es bisher, anders als in der Altstadt von Palma, kein Überangebot an Boutique-Hotels. Die Originalteile mussten ohnehin alle erhalten bleiben, das Gebäude ist von der Stadt Palma unter Denkmalschutz gestellt worden und darf keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Trotzdem konnte die Familie Annehmlichkeiten einbauen, ohne die ein Hotel im 21. Jahrhundert nicht funktionieren würde.

Auch habe man das balearische Tourismusgesetz, das Ende Mai verabschiedet wurde, bereits berücksichtigt und beispielsweise höhenverstellbare Betten angeschafft, sagt Borja Besalduch. In Sachen Nachhaltigkeit setze man auf Müllvermeidung, vor allem von Plastik. Außerdem gebe es am Buffet bereits zahlreiche Produkte von der Insel, die nicht eigens nach Mallorca transportiert werden müssen.

Am 20. Juni öffnete das Vier-Sterne-Haus mit seinen neun Suiten und 18 Gästebetten. „Gerade die deutschen Gäste sind begeistert von den Überbleibseln der Jugendstil-Epoche“, berichtet Borja Besalduch über die Hotelgäste. Hauptsächlich sind es Paare und Urlauber mit einem gesteigerten Interesse für die Geschichte und Architektur der Insel.

Rooftop soll noch kommen

Die Zimmer sind auf zwei Stockwerken untergebracht, in der Mitte des Anwesens liegt ein begrünter Innenhof mit einem Pool. Zusätzlich gibt es einen Aussichtsturm, der einen Panoramablick auf die Bucht von Palma und das Castell Bellver bietet. „Auch diesen werden wir noch restaurieren, um daraus ein Rooftop für die Hotelgäste zu machen“, sagt Borja Besalduch. Ein Ort der Ruhe und Entspannung solle das werden. Ohnehin sei dieser Teil von Palma im Vergleich zum trubeligen Zentrum oder dem Paseo Marítimo äußerst ruhig.

Einer der Aufenthaltsräume. Foto: Lluís Bort i Cerezo

Weitergehende Ideen hat die Eigentümerfamilie auch schon: Im Patio des Hotels sollen in Zukunft Klassik-Konzerte aufgeführt werden, Borja Besalduch berichtet von Beziehungen der Familie zum Chor der Blauets de Lluc. Auch wolle man sich darum bemühen, Teil einer Jugendstil-Route durch Palma zu werden.

Die Familie hoffe, mit dem neuen Boutique-Hotel in El Terreno einen kleinen Beitrag zur Aufwertung des Stadtteils zu leisten, erklärt Borja Besalduch. „Hier tut sich ja derzeit sehr viel, auch das Projekt an der Plaça Gomila der Firma Camper wird dem Viertel neuen Schwung verleihen.“ Die Eigentümerfamilie der Schuhmarke, Fluxà, baut an der in den vergangenen Jahren reichlich heruntergekommenen Plaça Gomila derzeit nahezu einen eigenen neuen Stadtteil. Insgesamt sollen bis Herbst 2023 rund 60 Wohneinheiten und Ladengeschäfte entstehen. Jedes der Gebäude wird eine andere Farbe bekommen, darunter sind auch knallige Rot- und Blau-Töne.

So nächtigt es sich im Jugendstil Guillem Bosch

Säulen wie im Parc Güell

Weniger knallig, aber nicht weniger farbig geht es auch im Can Quetglas zu. Die renovierte Fassade erstrahlt wieder in Grün- und Rottönen sowie in Erdfarben. Etwas Besonderes sind vor allem die grünen und weißen Kacheln an der Fassade. Sie stammen aus der Fabrik von La Roqueta nahe Valencia und gehören mit zum kunstgeschichtlich Interessantesten, was das Haus zu bieten hat. Die Kacheln sind eine Hommage an das erste Wohnhaus, das Antoni Gaudí 1883 in Barcelona erbaute. Weitere bemerkenswerte Elemente aus dem Jugendstil sind die Balustraden auf der Rückseite des Hauses sowie die zahlreichen Säulen und Bögen, die Stämmen von Palmen nachempfunden sind. Sie sind auch im Parc Güell in Barcelona zu finden, der von Gaudí entworfen wurde.

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