Schiedsrichter-Skandal überschattet Debüt des neuen Real-Präsidenten

20.01.2009 | 09:55

Fußball paradox im Bernabéu-Stadion: Ein Angreifer der Gäste-Elf CA Osasuna wird zweimal im Strafraum von Real Madrid gefoult, bekommt aber keine Elfmeter zugesprochen, sondern wird vom Schiedsrichter wegen "Schauspielerei im Wiederholungsfall" vom Platz gestellt. Der Unglücksrabe Juanfran, der früher selbst fünf Jahre bei Real Madrid unter Vertrag gestanden hatte, verstand die Welt nicht mehr. Seine Elf, das "Schlusslicht" der spanischen Liga, hatte kurz davor gestanden, beim Rekordmeister eine Überraschung zu landen, musste sich dann aber letztlich doch 1:3 geschlagen geben.

Die "Königlichen" verhinderten mit dem Sieg am Sonntagabend eine Blamage beim Debüt ihres neuen Vereinspräsidenten Vicente Boluda, der den zwei Tage zuvor zurückgetretenen Ramón Calderón abgelöst hatte. So recht freuen konnten die Madrilenen sich aber nicht, denn ihr Erfolg wurde von dem Skandal um den Schiedsrichter überschattet. Die Entscheidungen des Unparteiischen Alfonso Pérez Burrull lösten in der spanischen Fußballwelt eine Welle der Empörung aus.

Die Presse sprach am Montag einhellig davon, der Referee habe dem Außenseiter den Erfolg "gestohlen" und Real die Punkte "geschenkt". Denn er verweigerte dem Außenseiter die Elfmeter in einer Phase, in der das Spiel auf des Messers Schneide stand. Der spanische Fußball- Verband RFEF reagierte auf die Proteste und legte den Unparteiischen am Montag bis auf weiteres auf Eis. Er erkannte ihm die Leitung des Pokal-Derbys Espanyol gegen FC Barcelona an diesem Mittwoch ab, für das Pérez Burrull vorgehen war. "Ab in den Kühlschrank!", titelte das Sportblatt "Marca" (Internet-Ausgabe). Für wie lange Zeit der Verband den Referee aus dem Verkehr zieht, war nicht bekannt. Die Zeitung "El País" hatte ihn als "eingeschmuggelten Agenten (Reals)" bezeichnet.

Selbst Reals Sportdirektor Pedja Mijatovic räumte ein: "Ich denke, dass der Schiedsrichter Osasuna benachteiligt hat." Torwart Iker Casillas ergänzte: "Zumindest eine der beiden Szenen sah stark nach Elfmeter aus." Osasunas Clubchef Patxi Izco meinte: "Wir brechen alle offiziellen Beziehungen zu den Schiedsrichtern ab." Unparteiische dürften Spiele des Clubs nicht mehr zu ermäßigtem Eintritt besuchen.

Der gefoulte Juanfran hatte nach der Gelb-Roten Karte das Feld kopfschüttelnd verlassen. "Ich gehöre nicht zu den Spielern, die sich im Strafraum fallenlassen", sagte er. Das Sportblatt "As" erklärte ihn zum "Märtyrer" und schlug vor, Juanfran selig zu sprechen: "Wer so viel Unrecht erleidet und dennoch seelenruhig vom Platz geht, hat das Zeug zum Heiligen."

Einen Schatten auf das Debüt des auf der Ehrentribüne sitzenden neuen Real-Präsidenten warfen auch einige radikale Madrider Fans. Sie zeigten faschistische Symbole und stimmten Sprechchöre an, in denen sie dem Osasuna-Team "den Tod und die Gaskammer" wünschten. Der Schiedsrichter hielt die Zwischenfälle in seinem Bericht fest.

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