Susanne Heibl: "Meine Mitarbeiter stehen kaum noch Schlange"

Die Österreicherin feiert das 30-jährige Firmenbestehen ihrer "gestoría". Nach wie vor heißt ihr Kapital: gewusst wie

25.04.2017 | 10:25
Susanne Heibl und ihr Mann Alfred Heibl in ihrem Büro.

Seit nunmehr 30 Jahren erledigt Susanne Heibl, vormals Cerdá, für Deutsche, Schweizer und Österreicher mallorquinische Amtsgänge. Die Wienerin kam 1982 als Sprachstudentin auf die Insel und verliebte sich in einen mallorquinischen Hoteldirektor. 1987 gründete sie ihre „gestoría". Sie ist seit 2010 in zweiter Ehe mit Alfred Heibl verheiratet – ihr erster Mann starb 2007 – und hat ihr Geschäftsmodell über die Jahre auch auf Steuerberatung und Immobilienerwerb erweitert.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftrag, Frau Heibl?
Oh ja, sehr gut sogar: Meine erste Kundin ist zu meiner besten Freundin geworden. Das ist eine Dame aus Österreich, die in Wien eine Kette von Schuhgeschäften hatte und dann hierher ausgewandert ist. Sie hat in Peguera eines der ersten Dessous- und Bademodengeschäfte eröffnet.

Was haben Sie für die Dame erledigt?
Alles, das ganze Paket. Von der Arbeitsgenehmigung, die man damals noch brauchte, über die Anmeldung bei der Sozialversicherung bis hin zur Betriebsgenehmigung und Buchhaltung.

Und Ihr jüngster Auftrag?
Das ist einer, der sich gerade heute herauskristallisiert: die Gründung einer Gesellschaft zum Ankauf eines Hotels.

Wie haben sich Ihre Kunden in diesen 30 Jahren verändert?
So wie sich die Arbeitswelt allgemein verändert hat. Zu Beginn hatten ja auch wir gerade mal ein Faxgerät, keinen Computer, kein Handy. Unter unseren Kunden sind nunmehr viele Unternehmen, die sich mit diesen neuen Technologien beschäftigen. Früher hatte man sein Geschäft, sein Café oder sein Büro. Heute hat man einen Computer und kann damit weltweit arbeiten.

Ihre Stammkundschaft sind also Geschäftstätige?
Ja, in den meisten Fällen handelt es sich um Unternehmer. Der zweite große Bereich sind nichtresidente Personen, die hier eine Immobilie besitzen und etwa Steuererklärungen abgeben müssen.

Die neuen Technologien haben auch bei den Behörden Einzug gehalten. Ist jetzt alles einfacher geworden?
Früher haben wir Schlange gestanden bei den Behörden, heute muss man sich online Termine organisieren. Der Vorteil: Vor Ort braucht man dann nicht mehr so lange zu warten.

Stehen Ihre Leute noch Schlange?
Meine Mitarbeiter stehen kaum noch Schlange. Bei der Ausländerbehörde, bei der Sozialversicherung, beim Finanzamt: Überall wird jetzt mit Terminen gearbeitet, die man online reservieren kann.

Ist Ihr Know-how denn dann trotzdem noch gefragt?
Ja, natürlich, und wir können die meisten dieser Amtsgänge auch digital für unsere Kunden abschließen. Sie müssen bedenken: Das ist ja alles in Spanisch, und die meisten unserer Kunden können kein oder nur wenig Spanisch. Wir kümmern uns für sie darum. Eine persönliche Anwesenheit ist kaum noch erforderlich – bis auf die Beantragung der Residencia bei der Ausländerbehörde vielleicht.

Was ist das Komplizierte, was Sie hin und wieder erledigen müssen?
Das Langwierigste ist nach wie vor alles, was mit Autos ­zusammenhängt: Kfz-Ummeldungen und Führerschein. Es ist aber nicht unbedingt kompliziert: Kompliziert ist es, wenn jemand die Sprache nicht kann und selbst von einer Behörde zur anderen geht.

Würden Sie sagen, dass die spanische Bürokratie ineffizienter ist als die deutsche oder österreichische?
Die deutsche kenne ich nicht, aber die österreichische finde ich auch recht umständlich.

Wenn Sie einen Wunsch an die Behörden auf Mallorca frei hätten, welcher wäre das?
Ich bin nicht gegen Katalanisch – ganz im Gegenteil: Das ist eine Sprache, die erhalten werden soll. Es gibt aber viele Beamte, die auch mit Ausländern auf Katalanisch kommunizieren und den Schriftverkehr auf Katalanisch zuschicken. Ich würde mir wünschen, dass sie das zumindest auf Spanisch täten oder sogar, wie zum Teil bereits bei einigen Schriftstücken in Calvià, auf Deutsch oder auf Englisch.

Haben Sie Mitarbeiter, die Katalanisch sprechen?
Ja, natürlich, ich selbst spreche auch Katalanisch.

Was sagen Sie zur derzeitigen Diskussion um die Ferienvermietung?
Das ist noch ein Wunsch: dass die Ferienvermietung von Wohnungen ein für allemal übersichtlich und verständlich geregelt wird.

Also gut, dann haben Sie auch noch einen dritten Wunsch frei.
Dass alles so weiterläuft. Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben.

Mindestens 30 weitere Jahre?
Das wäre mein Traum. Ich werde mein Bestes geben.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen
Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |