Dieter Wedel bestreitet, Frauen mit Gewalt zum Sex gezwungen zu haben

Schwere Vorwürfe im "Zeit-Magazin". Sonja Kirchberger enlastet den Mallorca-Freund nur eingeschränkt

05.01.2018 | 15:16
Dieter Wedel bei der Lektüre eines Drehbuchs auf der Terrasse seiner Wohnung auf Mallorca.

Ist Dieter Wedel der deutsche Harvey Weinstein? Laut "Die Zeit" soll sich der bekannte Regisseur und Mallorca-Freund ähnlich dem US-amerikanischen Produzenten sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben. In der eidesstattlichen Erklärung einer Schauspielerin ist sogar von einer Vergewaltigung die Rede, eine andere sagte gegenüber der Hamburger Wochenzeitung, dem 75-jährigen Filmemacher nur knapp entkommen zu sein.

Wedel, der einen Teil des Jahres auf Mallorca verbringt, wo er in Port d'Andratx eine Wohnung besitzt, bestreitet die Vorwürfe und hat dazu ebenfalls eine eidesstattliche Erklärung abgegeben. 

Es steht Aussage gegen Aussage: "Er hat mich mit Wucht gepackt und gegen die Wand gepresst", so die Schauspielerin Jany Tempel ("Tatort", "Verbotene Liebe"), die 1996 im Rahmen des Vorsprechens für "Der König von St. Pauli"  zum Sex gezwungen worden sein soll. Er sei definitiv "nie gewalttätig" gewesen und habe die Frau auch nicht im Bademantel empfangen, so Wedel in einer von der "Zeit" zitierten schriftlichen Stellungnahme.

Der Regisseur von legendären Fernsehfilmen wie "Der große Bellheim", "Der Schattenmann" oder "Gier" bestreitet auch die Vorwürfe einer weiteren Schauspielerin, Patricia Thielemann ("Alarm für Cobra11"), über die er laut deren Aussage 1991 hergefallen sein soll. Er schließe aus, dass er die Frau in sein Hotelzimmer gebeten, sich auf sie gestürzt, ihr die Bluse zerrissen und sie auf die Couch geworfen habe.

Nur eingeschränkt zu Hilfe kam ihn nun auch die ebenfalls auf Mallorca lebende Schauspielerin Sonja Kirchberger in der "Bild-Zeitung": Zwar sei es nie zu Übergriffen gekommen, der Regisseur habe sie aber sehr wohl beim Casting für "Der König von Sant Pauli" zum Vorlesen alleine auf sein Hotelzimmer gebeten. "Er wollte definitiv mit mir allein sein, was total unüblich ist, normalerweise macht man das mit allen Darstellern zusammen." Sie habe sich dann aber geweigert: "Nein danke! Lesen kann ich schon. Damit war das Thema vom Tisch".

Dieter Wedel ist derzeit Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. In einer auf deren Website veröffentlichten Erklärung seines Rechtsanwalts heißt es:  "Unser Mandant wird durch die – erstmalige – Veröffentlichung derartiger Verdächtigungen, die auf angebliche Vorfälle von vor 20 und mehr Jahren gestützt werden, einem massiven öffentlichen Pranger ausgesetzt."  Auch die renommierte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen warnt in der Zeitung "Die Welt" vor einer "medialen Hinrichtung". 

Dieter Wedel ist schon lange als Womanizer bekannt. Der sechsfache Vater lebt seit Jahren in einer offenen Dreierbeziehung. Zugleich sind seine Wutausbrüche bei Dreharbeiten legendär: "Unser Mandant bedauert, dass er im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit als Produzent und Regisseur Schauspielerinnen und Schauspieler insbesondere am Set manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt hat. Einen Zusammenhang mit den ihm unterstellten Übergriffen gab es dabei nie", heißt es in der Erklärung des Anwalts.  /ck

Lesen Sie hier ein großes Interview mit Dieter Wedel über seinen lang angekündigten und immer noch nicht realisierten Mallorca-Film von Oktober 2016.

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