Notruf 061: In acht Minuten vor Ort

Die Rettungssanitäter auf Mallorca haben im Sommer vor allem mit betrunkenen Touristen und leichtsinnigen Senioren zu tun

11.07.2013 | 01:15
Hier wird für den Ernstfall trainiert: Arzt Iñaki Unzaga mit Teilnehmern einer Übung im Hintergrund
Hier wird für den Ernstfall trainiert: Arzt Iñaki Unzaga mit Teilnehmern einer Übung im Hintergrund

Iñaki Unzaga ist leitender Arzt der Notfall-Ambulanz 061 auf Mallorca. Jetzt, in der beginnenden Hauptsaison, hat der Notarzt aus dem Baskenland alle Hände voll zu tun. Im Interview erklärt er, welche Einsätze die Rettungssanitäter im Sommer auf Trab halten und welche Ausrüstung dem Rettungsdienst zur Verfügung steht.

061 oder 112? Wo muss man im Notfall anrufen?
Wenn es um einen medizinischen Notfall geht, die 061. Wenn man die 112 benachrichtigt, werden wir ebenfalls verständigt, es gehen aber drei bis vier Minuten verloren. Diese Verzögerung kann für einen Herzinfarkt- oder Schlaganfall­patienten sehr gefährlich sein.

Wie war der Beginn der Sommer­saison für Sie?
Ganz schön heftig, vor allem im Tourismusgebiet von Magaluf und der dortigen Straße Punta Ballena. Dort hatten wir schon jetzt drei, vier Balkonstürze. Die Gegend von Arenal an der Playa de Palma ist dagegen ruhiger.

Zu welcher Art von Not­fällen werden Sie im Sommer denn am häufigsten gerufen?
Im vergangenen Jahr waren die Balkonstürze eine besonders blutige Angelegenheit. Neben Alkoholvergiftungen hatten wir auch Fälle von betrunkenen oder älteren Urlaubern mit Erstickungs- und Ertrinkungsgefahr. Viele ­Senioren aus Mitteleuropa baden zu Un­zeiten im Meer und erleiden dann einen Herzstillstand. Die Infarkte häufen sich am Morgen oder am späten Nachmittag. Außerdem haben wir viel Arbeit mit betrunkenen Touristen, die mit dem Kopf voraus ins Wasser springen. Das erweist sich dann oft nicht als tief genug. Die Folgen solcher Sprünge können schwere Rückenmarksverletzungen oder gar Lähmungen sein. Wir stabilisieren die Patienten und schicken sie dann in ein Spezialkrankenhaus in Toledo.

Entscheiden Sie je nach Schwere und Art der Verletzung, welches Krankenhaus Sie anfahren?
Ja. Wir können alle öffentlichen und privaten Krankenhäuser der Insel ansteuern und bringen den Patienten stets dorthin, wo er am besten behandelt werden kann. Wir fahren sehr schnell zum Einsatzort, aber anschließend langsam ins Krankenhaus, während wir den Patienten stabilisieren.

Wie viele Ambulanzen stehen Ihnen zur Verfügung?
Während der Nebensaison versorgen fünf voll ausgestattete Rettungswagen die Innenstadt und die Umgebung von Palma. In Manacor, Inca und Santa Ponça sind je ein Arzt, eine Krankenschwester und ein Fahrer im Einsatz. Außerdem stehen uns drei oder vier Krankentransportwagen in Palma zur Verfügung, zusätzlich zwei in Inca und drei in Manacor.

Wie wird das Team im Sommer aufgestockt?
Mit einem zusätzlichen Rettungswagen in Can Picafort, der von 9 Uhr morgens bis 21 Uhr im Einsatz ist. Des Weiteren können wir vom 15. Juni bis zum 30. September auf weitere Krankentransportwagen in Porto Cristo und Santanyí zurückgreifen. Zwei Ambulanzen in Palma und Calvià erweitern ihre Dienstzeit von zwölf auf 24 Stunden. In allen Fahrzeugen kann ein Notarzt mit der gesamten notwendigen medizinischen Ausrüstung seine Arbeit machen. Und wir haben im Sommer auch einen Telefonisten mehr.

Wie lange brauchen Sie nach Eingang eines Notrufes, um den Einsatzort zu erreichen?
Das kommt darauf an. In Palma benötigen wir im Schnitt acht Minuten. Zum Teil sind wir aber auch schon nach vier Minuten da, etwa in Santa Ponça oder Inca. In Manacor dauert es ein bisschen länger. Wenn wir einen Badeunfall am Strand von Es Trenc haben, fährt normalerweise ein Krankentransport­wagen in Campos los, der auch den nächsten Notarzt mitnimmt. Er kommt dann als Erster an den Einsatzort und beginnt schon mit der Stabilisierung des Patienten, bevor der Rettungswagen eintrifft.

In welcher Gegend müsste das Netz ausgebaut werden?
Im Großraum Manacor. Dort haben wir einen einzigen Rettungs­wagen, obwohl das Gebiet bis Campos reicht.

Wirken sich die Einsparungen im Gesundheitswesen auf die Anfahrtszeiten aus?
Wir sind immer noch schnell vor Ort. Kein Rettungswagen fährt schlecht ausgerüstet los, wir kümmern uns weiterhin gut um die Bevölkerung. Jetzt in der Krise sind die Angestellten in der Regel gerne zu zusätzlichen Bereitschaftsdiensten bereit, die schließlich auch bezahlt werden.

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