Mallorca-Akne & Co.

Was sind Sonnenallergien und was kann man gegen sie tun?

05.07.2016 | 01:00
 Die Haut hat natürliche Schutzmechanismen. Doch was, wenn sie gestört sind?
Die Haut hat natürliche Schutzmechanismen. Doch was, wenn sie gestört sind?

Juckreiz und Brennen, Pickelchen, Knötchen, Pusteln oder Blasen, Schwellungen oder rote Flecken als Reaktionen auf UV-Strahlung: Eine Sonnenallergie kann einem den Urlaub ganz schön vermiesen. Wobei „Sonnenallergie" kein medizinischer Begriff ist, sondern umgangssprachlich verschiedene lichtbedingte Haut­erkrankungen mit allergieähnlichen Symptomen zusammenfasst. Glücklicherweise sind die meisten davon nur lästig und in den Griff zu bekommen – wenn man sie denn richtig einordnen kann.

Für einen Laien ist das schwer, da sich die Symptome ähneln. Deshalb ist generell bei ungewöhnlichen Hautveränderungen durch Sonneneinwirkung ein Hautarzt zu konsultieren. Er erkennt durch seine Erfahrung, eine gründliche Anamnese oder auch mit entsprechendem Diagnose-Werkzeug (z. B. Lichttest), ob es sich um eine vergleichsweise harmlose Mallorca-Akne oder eine komplexere Hauterkrankung handelt und kann nach der Diagnose auch die passende Therapie einleiten. Ein Überblick.

Polymorphe Lichtdermatose, die häufigste Lichtdermatose
(10 bis 20 Prozent der Deutschen) mit noch nicht endgültig geklärten multiplen Ursachen, so etwa immunologische Entzündungsreaktionen oder Bildung von freien Radikalen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine genetische Prädisposition. In jedem Fall sind die natürlichen Schutzmechanismen (Bildung des Hautpigments Melanin, Lichtschwiele) gestört. Betroffen sind vor allem hellhäutige, junge Frauen mit sonnen­entwöhnter Haut sowie Kinder. Polymorph bedeute „vielgestaltig", es gibt also individuell unterschiedliche Ausprägungen. Die Symptome treten meist erst einige Stunden bis Tage nach der Sonnenexposition auf.

Phototoxische Reaktion
Ursache ist eine chemische Reaktion von UV-Strahlen in Verbindung mit anderen Stoffen, vornehmlich aus drei Bereichen:
? Kosmetika (z. B. Cremes oder Parfüms mit Bergamotte-Ölen)
? Medikamente (z. B. Antibiotika, Herz-Kreislauf- und Rheuma-Medikamente, Entwässerungsmittel, Antidepressiva)
? Pflanzen (z. B. Wiesengräser, Zitrusfrüchte, Bärenklau).

Oft zeigen sich sonnenbrandähnliche Symptome wie Hautrötungen, Ödeme, Blasen.

Eine Unterform ist die Mallorca-Akne, so benannt, weil hier ausgerechnet Substanzen in Sonnenschutzmitteln die Reaktionen – meist akneartige Pickel – auslösen. Meist wird auf Fette oder Parfümstoffe in Sonnencremes reagiert – deshalb sollte man auf fett- und parfümfreie Gels ausweichen. Etliche Menschen reagieren aber auch allergisch auf Emulgatoren, die in den „normalen" Mitteln mit chemischen Filtern enthalten sind. Hier kommt Sonnenschutz mit physikalischen Filtern infrage. Diese dringen nicht in die Haut ein, sondern enthalten mineralische Mikropartikel, die sich wie ein Schutzschild auf die Haut legen.

Photoallergie
Seltener kann in Kombination von UV-Strahlen und einem bestimmten Stoff auch eine echte Allergie entstehen. Der Körper bildet Antikörper: Abwehrstoffe, die gegen eine bestimmte Substanz gerichtet sind. Die Allergie tritt nicht sofort auf, sondern erst, wenn der Körper durch mehrmaligen Kontakt sensibilisiert ist.

Lichturtikaria
Eine relativ seltene, durch Sonnenlicht ausgelöste Form der Nesselsucht mit Sofort-Reaktion. Wenige Minuten nach der Sonnenexposition bilden sich juckende Quaddeln, die sich von den bestrahlten Hautarealen auf den ganzen Körper ausbreiten und im extremen Fall einen anaphylaktischen Schock auslösen können.

Außerdem gibt es noch eine Reihe von weiteren – seltenen – ­Lichtdermatosen, die sehr belastend sein können und in ärztliche Dauerbehandlung gehören. Dazu gehören erblich bedingte Erkrankungen wie Aktinische Prurigo oder Chronische aktinische Dermatitis (CAD), bei der die Haut sich unter Lichteinwirkung entzündet. Auch Erkrankungen aufgrund von Stoffwechselstörungen oder Immunfehlern können durch UV-Licht verstärkt werden (sekundäre Lichtdermatosen).

Prophylaxe, Therapien
Grundsätzlich sollte man die Haut niemals abrupt der Sonne aussetzen, sondern im Frühjahr langsam daran gewöhnen. Auch eine ärztlich kon­trollierte Lichttherapie kann sinnvoll sein. Es handelt sich dabei um eine gezielte „Licht-Abhärtung", die die Haut einige Wochen vor dem Sommer stärkt. Die Sonnencreme sollte Schutz vor UVA- und UVB-Strahlen bieten, einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 haben und keine Duft- und Konservierungsstoffe enthalten.

Bei akuten Symptomen die Sonne strikt meiden, bedeckende Kleidung tragen. Achtung: Auch Fensterglas kann UV-Strahlen durchlassen! Betroffene Hautstellen mit feuchten Umschlägen oder Kühlpads kühlen. Jedoch auf keinen Fall Hausmittel wie Quarkumschläge oder Ähnliches anwenden. Das kann die Haut zusätzlich reizen und entzünden!

Lindern lassen sich die Beschwerden durch kühlende Salben, Lotionen und Gels mit juckreizstillenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen (Antihistaminika, Hydrokortison). Bei schweren Fällen werden orale Antihistaminika oder höher dosierte Kortisonpräparate eingesetzt.

Dr. Joachim von Rohr ist Dermatologe, Phlebologe und Allergologe in der Clínica Picasso in Palma. Tel.: 971-22 06 66. Website: www.clinica-picasso.eu

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