Was man bei der Ersten Hilfe unbedingt beachten muss

Ein Kurs im Deutschen Facharztzentrum nimmt die Unsicherheit bei Erste-Hilfe-Maßnahmen

28.06.2017 | 10:48
Benedikt Fink (links) übt mit den Teilnehmern das Anlegen eines Druckverbands.

Wie führt man eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch? Wie legt man einen Druckverband an? Und wie funktioniert noch einmal die stabile Seitenlage?

Wenn Sie auf diese Fragen nur ratlos mit dem Kopf schütteln, dann sind Sie nicht allein. Ihnen geht es wie vielen anderen: Der Erste-Hilfe-Kurs, den man für den Führerschein gemacht hat, ist schon zu lange her und an die lebenswichtigen Einzelheiten erinnert man sich nur noch vage. Abhilfe schafft da ein Erste-Hilfe-Auffrischungskurs, der die wichtigsten Details in kompakter Form wieder in Erinnerung ruft.

An einem Dienstagabend mache ich mich daher auf den Weg nach Peguera, um mein Wissen vier Jahre nach meinem letzten Kurs auf die Probe zu stellen. Unter der Leitung von Benedikt Fink, Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin, findet im Deutschen Facharztzentrum ein Erste-Hilfe-Basiskurs zur Auffrischung der grundlegenden Kenntnisse statt. Das Motiv zur Teilnahme ist bei allen gleich: Wir wollen im Notfall helfen können. Denn gerade dann ist es wichtig, dass man sofort die richtigen Maßnahmen einleitet und weiß, was man tut.


Man hilft zusammen


Das Besondere: Wir bekommen bei diesem Kurs nicht einfach vorgemacht, wie es geht, sondern überlegen zusammen und erarbeiten uns gemeinsam die richtige Herangehensweise für den Notfall. So werden wir zum Einstieg gefragt, wie wir uns verhalten, wenn wir eine Person am Boden vorfinden und nicht wissen, was passiert ist. Bis hierhin ist alles noch einfach: Wir nähern uns unserem Opfer und sprechen es an. Außerdem wird ein Schmerzreiz gesetzt, etwa einmal kräftig kneifen. Reagiert die betroffene Person nicht, wird als nächstes die Atmung nach dem Schema Hören, Sehen, Fühlen überprüft und der Puls am Hals abgetastet. Doch bevor es dann im schlimmsten Fall an die Herz-Lungen-Wiederbelebung geht, sollte man nicht vergessen, den Notarzt zu rufen.

Die einzelnen Wiederbelebungsmaßnahmen – Beatmung und Herzdruckmassage – hat wohl niemand vergessen. Aber in welchem Verhältnis zueinander sollten die Maßnahmen durchgeführt werden? Unter uns Befragten herrscht erst einmal Ratlosigkeit. Die Tipps bewegen sich im Bereich von fünfmal Drücken, einmal Beatmen. „Empfohlen wird ein Verhältnis von 30 zu zwei", klärt uns Benedikt Fink auf. „Also wird 30-mal gedrückt und zweimal beatmet. Nach drei Durchgängen sollte man dann die Atmung und den Puls erneut überprüfen."

Das Opfer liegt am Boden


Nun geht es auch schon an die Übungspuppe. Bewusstlos, ohne Atmung und ohne Puls liegt unser Opfer am Boden. Also nichts wie los. Wichtig: Bei der Herzdruckmassage sollte man nicht zu zimperlich vorgehen. Bei Erwachsenen kann man etwa fünf Zentimeter tief drücken, genau auf dem Sternum. „Keine Reanimation ist gut gemacht, wenn nicht mindestens eine Rippe bricht", erklärt der Experte. Das kann ganz schön anstrengend werden. „Einfacher ist es, wenn man zu zweit ist, damit man sich abwechseln kann. Wenn also mehrere Menschen vor Ort sind, sollte man diese ansprechen und zur Mithilfe auffordern." Auch bei der Beatmungstechnik können alle Teilnehmer noch etwas dazulernen. Wurde früher noch die Mund-zu-Mund-Beatmung gelehrt, wird mittlerweile die effektivere Mund-zu-Nase-Technik empfohlen.

„2013 wurden die Maßnahmen zur Ersten Hilfe zuletzt überarbeitet", sagt Benedikt Fink. „Die einzelnen Schritte werden immer wieder aktualisiert und zur besseren und schnelleren Umsetzung im Notfall weiter vereinfacht." Das merken wir alle selbst, als es an die stabile Seitenlage geht. Wer jetzt überlegt, welches Bein angewinkelt wird und welcher Arm in welche Richtung gedreht werden muss, dem sei gesagt: Es geht wesentlich einfacher. Zuerst muss die verletzte Person, sofern notwendig, auf den Rücken gedreht werden. Dann wird ein Arm angewinkelt und die Person an der Schulter und am Knie vorsichtig auf die Seite gedreht. Bei Bedarf kann die Seitenlage dann mit den Beinen weiter stabilisiert werden. Wieder geht es in den praktischen Teil: Jeder darf sich selbst einmal mit der vereinfachten Form vertraut machen.

Zum Abschluss wird gezeigt, wie man einen Druckverband anlegt. Bei stark blutenden Wunden legt man einfach eine Wundauflage auf die betroffene Stelle und umwickelt diese ein paarmal mit dem Verbandsmaterial. Dann wird ein Druckpolster, zum ­Beispiel ein weiteres Verbandspäckchen, auf die Wunde gelegt und mit dem restlichen Verbandsmaterial stramm festgebunden.

„Man kann bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen eigentlich nichts falsch machen. Das Schlimmste ist, nichts zu tun", gibt uns Benedikt Fink am Ende mit auf den Weg. „Es lohnt sich, sich ein wenig damit zu beschäftigen und die Angst davor zu verlieren."

Die Erste-Hilfe-Auffrischungskurse im Facharztzentrum in Peguera finden am ersten Dienstag des Monats statt. Sie kosten 20 Euro, die an die Tierhilfe Mallorca gespendet werden. Es werden auch spezielle Kurse zur Ersten Hilfe bei Kindern oder Senioren angeboten.

Anmeldungen unter: Tel.: 971-69 55 85 oder E-Mail santaponsa@deutsches-facharzt-zentrum.com, www.dfz.es.

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