Teufel, Herbes, Lagerfeuer

Sant Antoni ist eines der ältesten und beliebtesten Feste der Insel. Droht es zu einem Massenevent zu werden?

20.01.2016 | 08:29
Teufel auch!
Teufel auch!

Am 16.1., am Vorabend von Sant Antoni, laufen die Teufel wieder durch die Straßen der Inseldörfer, erschrecken die Kinder und treiben Schabernack. Sie sind die unwahrscheinlichsten Protagonisten eines christlichen Festes, das eines Mannes gedenkt, der einst von den Teufeln in Versuchung geführt wurde und ihnen widerstand.

„Sant Antoni ist eines der ältesten Feste der Insel. In Sa Pobla wurde es bereits im Jahr 1365 dokumentiert", sagt Antoni Torrens. Der 78-jährige Apotheker engagiert sich seit Jahrzehnten bei den Feierlichkeiten in seinem Heimatdorf.

Ursprünglich war es womöglich ein heidnisches Winterfest, bei dem gefeiert wurde, dass die Tage wieder länger werden. Die Christen haben es, wie so häufig, übernommen und mit dem Heiligen Antonius dem Großen ihren Stempel aufgesetzt. Die traditionellen Lagerfeuer wären somit ein Element, das noch aus vorchristlicher Zeit stammt.

Dass das Fest auch in jüngerer Zeit wandelbar ist, zeigt in Sa Pobla der Tanz der Riesenköpfe, caparrots ­genannt. Der wurde erst
1954 von einem Gemeinderat eingeführt, der aus Katalonien kam und fand, das Fest müsse abwechslungsreicher werden. Heute gehören sie selbstverständlich dazu.

Zu den positiven Veränderungen der vergangenen Jahre zählt Torrens die „Demokratisierung" der Feierlichkeiten. „Heute sind sie viel offener als früher. In der Franco-Diktatur wurde die Rolle des Teufel noch unter Freunden oder Familien vererbt. Jetzt wird sie unter den Freiwilligen verlost. Außerdem können nun auch Frauen teilnehmen."

Aber Torrens findet auch kritische Aspekte, etwa das seit 1998 stattfindende piromusical, einer Show aus Feuerwerk und Musik. „Das hat nichts mit dem traditionellen Fest zu tun und führt dazu, dass die Plaça Major überfüllt ist, wenn die Leute aus der Kirche kommen."

Der Apotheker sieht die Schuld bei den politischen Entscheidungsträgern. „Nunmehr ist die Prämisse, dass die Anzahl der anwesenden Menschen zählt, nicht die Qualität der Feier. Es klingt natürlich besser, wenn am Tag danach in der Zeitung steht: ´Es waren 20.000 Leute da´, als wenn es heißt: ´4.000 Menschen aus Sa Pobla feiern Sant Antoni´. Aber: Für wen macht man das Fest? Für die Leute im Dorf oder für die Statistik?"

Torrens fühlt sich durch den Umstand bestätigt, dass die Feste, die in den vergangenen Jahren zum Weltkulturerbe ernannt wurden, etwa die festes d´es Foc in den Pyrenäen, ihren ursprünglichen Charakter ­beibehalten haben: „Wer ein piro­musical auffährt, der bekommt keine Anerkennung durch die Unesco."

Der Apotheker zählt Artà und Manacor zu weiteren Sant Antoni-Hochburgen. Auch dort würden die Feiern immer mehr zum Event. „In Artà oder Manacor werden immer wieder Sorgen laut, dass die Stadt oder Gemeinde die Kontrolle über das Fest verliert. In diesem Jahr könnte es noch viel schlimmer werden, da der Vorabend von Sant Antoni auf einen Samstag fällt. Das heißt: Viele Leute werden sich nicht einfach nur in Palma betrinken, sondern mit dem Zug nach Manacor oder Sa Pobla fahren."

Die Tradition variiere von Ort zu Ort, berichtet Torrnes. In Artà etwa trifft man sich schon um 8 Uhr am Morgen des 16.1., um gemeinsam heiße Schokolade zu frühstücken. Danach geht es raus auf die Straße, meisten bewaffnet mit einer Flasche Kräuterlikör (herbes) oder pomada (Gin mit Limonade). Die Teufel ziehen schon ab neun Uhr durch die Straßen. In Sa Pobla fängt das Treiben hingegen erst um 15 Uhr an. Der Abend wird mit der traditionellen Messe, den completes, eingeleitet. Wenn die vorbei ist, beginnen die foguerons, die Lagerfeuer, die praktisch an jeder Ecke gezündet werden, bis alles in dem vermaledeiten piromusical mündet.

Mittlerweile ist Sant Antoni so beliebt geworden, dass es in sehr vielen Dörfern auf der ganzen Insel gefeiert wird, auch im Süden, etwa in s´Alqueria Blanca oder Cas Concos. Wenngleich es sich dabei um Nachahmungen handelt, kann Torrens ihnen durchaus etwas abgewinnen. „Die Menschen dort bleiben eher unter sich." Und gründen so ihre eigenen Traditionen.

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