So schützen Sie Ihre Mandelbäume

Ein Pilzbefall setzt den Plantagen inselweit zu. Experten raten zu einem behutsamen Schnitt - und gegebenenfalls zur Neupflanzung

22.10.2016 | 09:02
Erste Symptome der Krankheit am Mandelbaum: Ast und Blätter sind vertrocknet.

Tomeu Company kennt sich aus mit dem Pilzbefall der Mandelbäume. Der Agraringenieur bei der landwirtschaftlichen Kooperative Camp Mallorqui kümmert sich um ein Mustergut nahe Consell, auf dem im Winter vor zwei Jahren viele verschiedene Sorten und insgesamt 270 Exemplare des Prunus dulcis (almendro span., ametler kat.) gepflanzt wurden.

Die Bäumchen könnten die Zukunft von Mallorcas Mandelplantagen sein, doch darüber später mehr. An den Zweijährigen werden unter anderem Versuche durchgeführt, wie Pilzbefall wirksam behandelt werden kann. Denn schuld an dem derzeitigen Mandel­baumsterben war nicht nur die Trockenheit des vergangenen Jahres. Die Bäume werden zusätzlich von Schädlingen, vor allem von Pilzkrankheiten geplagt.

Vereinzelte trockene Äste
Wie die Krankheit zu erkennen ist, die von den Mallorquinern brot sec (trockener Trieb) genannt und von dem Pilz Phomopsis amygdali ausgelöst wird, zeigt Company nach wenigen Schritten auf dem Musterfeld. Ein Zweig liegt, losgelöst vom Stamm, verhakt zwischen anderen Ästen, seine Blätter sind gelbbraun und völlig vertrocknet. „Meist treten die ersten Symptome an der unteren Hälfte der Baumkronen auf", erklärt er und empfiehlt, die vertrockneten Äste auch außerhalb der traditionellen Schnittzeit zu entfernen.

Tödlicher Befall alter Bäume
Da die Bäumchen auf der Plantage noch jung sind, leiden sie noch nicht unter dem fong de la fuster, einem weiteren Holzpilz, der vor allem alte, häufig verwilderte Bäume vorwiegend im Inselosten befällt. Übertragen wird er unter anderem von einem Pilz der Gruppe Neofusicoccum. Dessen Sporen nähren sich von den Baumsäften, große Äste verdorren, bis nur Trockenholz übrig bleibt. „Diese Bäume sind nicht zu retten", sagt Company. Um welche Pilzart es sich bei dem Befall handelt, kann im Labor festgestellt wird. Meist erfolgt die Diagnose allerdings anhand der Schäden am gefällten Stamm.

Keine drastischen Schnitte
Pilzbefall wird generell begünstigt durch einen zu drastischen Schnitt. Große Wundflächen an den Ästen ermöglichen es den Pilzsporen, sich im Baum breitzumachen. Dass viele Landwirte dazu übergehen, den Schnitt nur alle zwei Jahre – und dann gründlich – durchzuführen, begünstigt die Verbreitung. Die Kooperative empfiehlt daher, die Bäume jedes Jahr ein wenig zu stutzen. Traditionell findet der Schnitt nach der Ernte und vor der Blüte statt. Um den Sporen keine Chance zu geben, sollte zudem während einer Schönwetterphase gestutzt werden, wenn die Luftfeuchtigkeit möglichst gering ist.

Nach dem Schnitt sind die Schnittstellen mit einem Wundverschlussmittel auf Kupferbasis zu behandeln, ein Pflanzenschutz, der auch in der Biolandwirtschaft zugelassen ist. Zudem sind nach getaner Arbeit Sägen und Scheren gründlich mit Alkohol zu desinfizieren – das schützt vor Ansteckungen.

Das Schnittgut von kranken Bäumen muss verbrannt oder anderweitig entsorgt werden. Auf die Frage, ob Fungizide den Pilzen den Garaus machen könnten, antwortet der Experte: „Wir versuchen, Methoden zu empfehlen, die weder den Personen noch der Umwelt schaden." Beim Befall mit dem Holzpilz (fong de fuster) seien Fungizide ohnehin wirkungslos.

Mehr Resistenz gegen den Pilz
Bei dem eingangs erwähnten befallenen Bäumchen handelt es sich um die Sorte ferragnes. Sie gilt als sehr produktiv, stammt aus Frankreich und wurde in den vergangenen Jahrzehnten häufig auf der Insel angepflanzt. Sie zeichnet sich jedoch nicht durch große Widerstandskraft aus. Auch die traditionellen Inselmandeln wie pons, verdereta oder vivot sind anfällig.

Deshalb pflanzte man auf der Modellplantage neue Sorten an, die sich durch Resistenz gegen den Pilzbefall auszeichnen. „Hier testen wir, wie die varietats mit Hitze, Kälte, Trockenheit und der hohen Luftfeuchtigkeit auf der Insel zurechtkommen", sagt er. Vielversprechend zeigen sich die Sorte cristomorto und genco aus Italien, aber auch die spanische mollar sowie die garrigues.

Spät blühende Mandelsorten haben eher Chancen, dem Pilzbefall zu entgehen, weil sie erst später im Frühjahr ihre Wachstumsphase beenden. Dann sind die Temperaturen bereits milder und die Luftfeuchtigkeit geringer. Denn die nach der Wachstumsphase abfallenden Blüten oder Blätter lassen ebenfalls winzige Wunden im Holz zurück, durch die Sporen eindringen können.

„Es hat sich außerdem gezeigt, dass Mandelbäume auf bewässerten Plantagen widerstandsfähiger sind als diejenigen auf der traditionellen Trockenkultur cultiu en sec", sagt Company. Das Feld auf dem Mustergut wird bewässert (allerdings achtet man auf der Plantage darauf, nur so viel zu bewässern, wie unbedingt nötig, um die Grundwasserreserven zu schonen).

Mandelbäume können durchaus ein stattliches Alter von 70 bis 90 Jahren erreichen. Wenn jedoch betagte Bäume nicht mehr zu retten sind, rät die Kooperative zu Neupflanzungen mit Mandelbaumsorten, die resistenter gegen die gefährlichen Pilze sind.

Sicherheit, um welche Pilzart es sich handelt, gibt es im „Laboratorio de Diagnóstico" der Conselleria de Agricultura, C/. Eusebio Estada, 145, 07009 Palma. Rinden- und Astproben können dort montags bis freitags zwischen 9 und 14 Uhr zur Analyse abgegeben werden. Handelt es sich um den Befall mehrerer Bäume, sollten die Proben in getrennten Behältnissen abgeliefert werden.

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