Vernarrt in die Wunder des Alls

Supermond, Mini-Raketen oder Sternschnuppen: Die neue Astronomen-Vereinigung IMCE macht Lust auf den Himmel

12.11.2016 | 01:00
Wenn das Wetter mitspielt, wird man am 14.11. auch auf Mallorca den Riesenmond sehen.

Phänomene wie der am 14. November besonders nahe an der Erde vorbeidriftende Riesen-Vollmond sind ein willkommener Anlass für Astronomen, die Menschen da­rüber näher aufzuklären. Auf Mallorca kümmert sich die Sternwarte Costitx, aber neuerdings auch das Institut Mallorquí de Ciències de l´Espai (IMCE) darum.

Das IMCE ist eine erst dieses Jahr gegründete Vereinigung von Astronomen. Es handelt sich um eine Abspaltung von der von Salvador Sánchez geleiteten Sternwarte, die unter anderem wegen angeblicher Probleme mit den spanischen Finanzbehörden ins Gerede
gekommen ist.

In erstaunlich kurzer Zeit hat das vom Inselrat finanziell unterstützte IMCE schon allerhand Veranstaltungen organisiert – etwa am 11. und 12. August im Castell Bellver und auf der Finca Galatzó in Calvià anlässlich der sogenannten Tränen des Laurentius. Oder vor gut zwei Wochen eine Einführung in die Kunst des Raketenbaus auf dem Gelände der Festung Sant Carles in Palma: Unter fachlicher Anleitung und mit Cola-Flaschen aus Plastik konnten Kinder und Erwachsene mit Pressluft angetriebene Geschosse bauen – eine Wiederholung ist für den 17. Dezember geplant. „Wenn die Dinger dann 40 bis 50 Meter hochschießen, ist das immer ein Riesenspaß vor allem für Kinder", so Instituts-Chef Lluc Mas zur MZ.

Das IMCE setzt sich unter anderem aus zwei Informatikern, einem Teleskop-Experten, dem pensionierten Sonnenuhr-Konstrukteur Rafael Soler und einem Doktor der Astrophysik zusammen. Lluc Mas selbst ist Telekommunikations-Techniker, Psychologe und Pädagoge. Die Experten verstehen sich ausdrücklich nicht als Hobby-Club.

Neben den Veranstaltungen bringen sie den Menschen die Wunder des Weltalls derzeit auch mit einer bescheidenen Schau nahe: Neben der Misericòrdia in Palma, dem Sitz des Inselrats, stehen beim uralten Gummibaum ein paar Schautafeln. Sie würdigen besonders Vicenç Mut (1614–1687), den Vater der mallorquinischen Astronomie und Erbauer der Festung Sant Carles, nach dem sogar ein Mondkrater namens Mutus benannt ist – der ist kurioserweise mit 87 Kilometern genauso breit wie Mallorca. Auch das Wirken anderer mallorquinischer Wissenschaftler wie das des Kartografen Cresques Abraham, der im 14. Jahrhundert lebte, oder das des Astronomen und Geografen Felip Bauzà i Canyes aus dem 18. Jahrhundert wird kurz geschildert. Man erfährt dort zudem, dass der noch lebende Katalane und Wahl-Mallorquiner Andreu Ripoll Muntaner am Cape Canaveral leibhaftig in der Kommandozentrale saß, als die Rakete der legendären Apollo-11-Mission mit den Mond-Astronauten Edwin Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins am 16. Juli 1969 startete. Der Ingenieur leitete auch jahrelang die NASA-Vertretung in Madrid.

Neben der Ausstellung und der Organisation von Veranstaltungen bemüht sich das IMCE um eigene wissenschaftliche Leistungen. „Dieses Wissen wollen wir Sekundarschulen und Universitäten zur Verfügung stellen", sagt Lluc Mas. Wobei die Balearen-Hochschule in den Genuss einer besonderen Fürsorge kommt. Auch mit der Universität Hamburg und der Open University in London arbeiten die Astronomen von der Insel eng zusammen.

„Unser Ziel ist es, irgendwann auch eigene Teleskope zu haben", hofft Lluc Mas. Den Chef der auf Spaniens höchstem Berg, dem Teide auf Teneriffa, befindlichen Sternwarte konnte er bereits überreden, beim IMCE mitzumachen. „In der klaren Luft dort etwas Eigenes zu haben, wäre schön." Fernziel sind jedoch eigene Teleskope auch auf Mallorca.

Die nächste Veranstaltung des IMCE für die Allgemeinheit findet selbstredend aus Anlass des 14 Prozent größeren und 30 Prozent helleren Riesenmondes am 14. November statt. Der Vollmond kreist dann in nur 356.511 Kilometern Entfernung um die Erde – weniger als am 28. September 2015, als er sich das letzte Mal unterhalb von 357.000 Kilometern an der Erde vorbeibewegte. Am Freitag (11.11.) erklären Experten ab 19 Uhr in der Festung Sant Carles, warum es in manchen Jahren einmal, aber in anderen zweimal zu dem Phänomen kommt, und warum sich der Mond der Erde diesmal so nahe kommt wie seit 194 nicht mehr.

Vorträge auf Katalanisch, in Absprache auf Englisch. Preise: 5 bis 20 Euro (Supermond: 20 Euro). Infos und Anmeldung: www.imce.es.

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