Die Zeit ist reif für frische Inselbeeren

Erdbeeren, die auf den Inselfeldern von Anfang Mai bis Ende Juni geerntet werden, schmecken aromatisch und süß. Ein Besuch auf den Feldern bei Sa Pobla

15.05.2017 | 06:53
Erdbeerplantage Can Capellí bei Sa Pobla: Die Plastikplanen dienen als Regenschutz. Bei warmem Wetter werden sie höher gestellt.

Walderdbeeren und Zuchthybride

  • Die Erdbeere ist für Botaniker ein verdickter Blütenboden. Die eigentlichen Früchte sind die Samen, die wie gelbe Nüsschen auf der Oberfläche liegen. Die wilde Walderdbeere (Fragaria vesca) vermehrt sich durch diese.
  • Die Gartenerdbeere ist eine Kreuzung zweier Wildarten vom nord- und südamerikanischen Kontinent, die daraus ­entstandene Kulturerdbeere, (Fragaria anannasa) wurde im 18. Jahrhundert erstmals erfolgreich in Frankreich angebaut. Heute gibt es über tausend Sorten.
  • Im Spanischen nennt man große Zuchthybriden fresones. Kleinere Sorten, auch Walderdbeeren oder künstlicher Erdbeergeschmack in Süßspeisen und Bonbons heißt fresa (fraula kat.).

Je länger die Tage, desto besser schmecken die Erdbeeren. Bei den Plantagen auf Mallorca herrscht jetzt Hochbetrieb, Grund genug also für den Besuch einer Plantage bei Sa Pobla. Dort hängen die Früchte jetzt rot, reif und dick an den Pflanzen. Männer aus Nordafrika sitzen tief in der Hocke, mit ihren Händen fahren sie blitzschnell durch die Blätter. Dann legen sie die Beeren behutsam in einen Korb mit zwei weißen Kartons, in die jeweils genau ein Kilogramm passt. Sind diese randvoll, stehen die Erntearbeiter auf und bringen sie mit langen Schritten zu einem Stapel Obstkisten.
Dass in diesen nur große, untadelige Früchte landen, darauf achtet Antònia Portell. Vor gut 40 Jahren heiratete sie ihren Mann Barolomeu Crespí, er brachte die vier Hektar große Erdbeerfarm Can Capellí bei Sa Pobla mit in die Ehe.

„Früher pflückte ich gemeinsam mit den Frauen aus dem Dorf", sagt die 65-Jährige. Heute hat die Firma 13 Mitarbeiter. Jeden Wochentag von 7 bis 14 Uhr sorgt Portell dafür, dass die vollen Kisten rechtzeitig ins Kühle kommen.

Die blauen Erntekisten mit dem Firmenlogo „Frespí" nimmt Sohn Tolo Crespí (42) in Empfang. Er verkauft sie in der ­Morgendämmerung des nächsten Tages auf Palmas Großmarkt Mercapalma.

Dort stehen auch die Erdbeeren von Juan Pascual aus Manacor zum Verkauf. Er vertreibt sie unter dem Dach des Unternehmens Agroilla. Seine Pflanzen zieht er in Hydrokultur, welche Sorten er anpflanzt, will er nicht verraten, sagt aber, dass er sie vom spanischen Festland bezieht. Tolo Crespí macht daraus kein Geheimnis. Bei ihm gedeiht die Sorte „Camarosa", die neben anderen auch auf den Feldern von Huelva wächst. Von dort stammen die meisten spanischen Erdbeeren für den Export.

Das Anbaugebiet hat keinen guten Ruf. Die Felder liegen direkt neben der geschützten Naturlandschaft Doñana (MZ berichtete). Durch illegale Brunnenbohrungen wird das Wasser im Naturschutzgebiet knapp, die EU-Kommission hat Spanien verwarnt, das Ultimatum läuft. Greenpeace meldete in Deutschland Pestizidrückstände bei spanischen Erdbeeren. Trotz alledem sind die Produzenten vom Festland auf den europäischen Märkten führend.

Denn die Verbraucher nehmen es nicht krumm, dass die Früchte, halb reif geerntet, an ihren Spitzen häufig weiß sind und kaum noch nach Erdbeeren schmecken. Denn sie wollen vor allem möglichst wenig für Erdbeeren zahlen. „Die fresones vom Festland kosten auf dem Großmarkt in Palma 1,50 Euro pro Kilogramm, manchmal nur 70 Cent", sagt Crespí. Er muss wegen hoher Unkosten auf der Insel das Kilogramm für 3,50 Euro verkaufen.

Für die Sorte „Camarosa" vom spanischen Festland hat er sich deshalb entschieden, weil die Früchtchen auch auf Mallorca nicht nur im Mai und Juni, sondern von November bis Oktober gefragt sind. Die Züchter der Sorte legten mehr Wert auf Ertrag und Robustheit als auf aromatische Vielfalt.

Vor Pestizidrückständen muss man sich bei den Inselerdbeeren nicht fürchten. Crespí und Pascual gehen gegen Schädlinge mit dem biologischen Mittel „Residuos Cero" vor. Crespí nennt auch den Wasserverbrauch auf seiner Finca moderat. Unter den langen, mit Unkrautfolie bedeckten Pflanzreihen sind Rohre verlegt, die das Wasser tröpfchenweise abgeben. Crespí zeigt auf die benachbarten Felder von Sa Pobla und sagt „Kartoffeln brauchen mehr Wasser und es wird hier zudem noch völlig altmodisch mit Düsen gesprüht."

Zurück zu den Erdbeerständen auf dem Großmarkt von Palma. Hier decken sich in den frühen Morgenstunden die Einzelhändler ein. Wenn die Geschäfte und Märkte öffnen, stehen die Früchte – es sind gerade mal 24 Stunden nach dem Pflücken vergangen – frisch und im Gegensatz zu den Erdbeeren vom Festland voll ausgereift auf den Ladentheken und Marktständen.

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