Mallorca-Souvenirs: Strohhut schlägt Stier

Viele Mitbringsel von der Insel sind kitschig und abgedroschen. Die von Catalina Guardiola nicht. Dabei hatte die Mallorquinerin nie geplant, einmal so etwas herzustellen

01.10.2017 | 01:00
Hat Spaß an ihrer Arbeit auf Mallorca: Cata Guardiola

Die Postkarte ist schlicht: weißer Hintergrund, davor eine schwarze Wäscheleine, an der ein Strohhut, ein Tuch und eine weite Pluderhose befestigt sind. Kein Kitsch, keine optische Überladung, kein „I love Mallorca"-Schriftzug. Nicht, dass Fotografin Catalina Guardiola Mallorca nicht lieben würde – im Gegenteil. „Ich bin zu 100 Prozent aus Mallorca, die Familien meiner Eltern stammen von hier", sagt die hippe 32-Jährige.

Gerade deshalb kann sie nur gequält lachen, wenn das Thema auf Stiermotive, Spanienflaggen und sonstige Standard-Mitbringsel fällt, die es auf Mallorca in der gleichen Ausführung zu kaufen gibt wie in Madrid, Barcelona oder Sevilla. „Diese Motive haben ja nichts mit unserer Kultur zu tun", sagt sie bestimmt.

„Ich hatte nie vor, einmal Mallorca-Souvenirs zu ­gestalten", sagt sie und grinst. „Das hat sich einfach so ergeben." Damals, vor ziemlich genau vier Jahren, auf dem Weinfest Festes des Vermar in ihrem Heimatort Binissalem, als Catalina auf der Terrasse ihrer Eltern ihre traditionelle Tracht samt Strohhut fotografierte. „Ich habe das Foto bei Facebook hochgeladen und Freunde aufgefordert, selbst ähnliche zu schießen", erinnert sie sich. Doch statt zur Kamera zu greifen, teilten zahlreiche Menschen ihr Bild, der Zuspruch war riesig. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut ankommt."

Also machte sie noch ein ähnliches Bild, mit den Trachten der Männer – der Beginn ihrer eigenen Marke „Cata de la Placeta – 100 Prozent Mallorca". Der Name ist an ein mallorquinisches Lied und ihren Vornamen angelehnt, die Wäscheleine mit den Trachten mittlerweile hundertfach vervielfältigt. „Ich halte die Motive bewusst schlicht, in der Regel fotografiere ich die Gegenstände vor weißem Hintergrund", so Guardiola. Noch immer hält oft die Terrasse ihrer Eltern her. Ein Stapel senalles (mallorquinische Flechtkörbe), eine Handvoll barrals (typisch-bauchige Glasflaschen), ein Paar espardenyes (mallorquinische Schuhe) und persianas (farbige Fensterläden) hat Guardiola schon in Szene gesetzt.

Mittlerweile sind die Motive auf den unterschiedlichsten Gegenständen zu sehen: T-Shirts, Schürzen, Tassen, Handyhüllen, Turnbeuteln, Taschen, Magneten, Socken oder Flipflops. Textilien lässt Guardiola auf der Insel bedrucken, die meisten anderen Souvenirs bei Online-
Druckereien. Ein Teil ihrer Ware lagert in ihrem leicht chaotischen, aber gemütlichen Arbeitszimmer in Alaró, ein anderer in einem Mini-Wohnwagen, der nur wenige Hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt geparkt ist. „Damit fahre ich auf verschiedene firas. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich die Produkte verkaufen", sagt sie und schüttelt den Kopf, als könne sie es selbst noch immer nicht fassen.

Touristen und Einheimische, junge und alte Leute gehören zu ihren Kunden. Auch Besitzer von Souvenir- und Dekoläden rufen regel-
mäßig bei ihr an, um sie zu überreden, die Produkte verkaufen zu dürfen. Nur in zwei Fällen war Guardiola einverstanden. „Ich will nicht, dass meine Sachen an jeder Ecke auf der Insel zu haben sind", sagt sie und lacht wieder. „Ja, ich weiß, das ist nicht gerade wirtschaftlich gedacht." Aber darauf komme es ihr ohnehin nicht an. Stattdessen behält sie das Ursprungsziel, das sie schon beim ersten Foto verfolgte, bei: die mallorquinische Kultur davor zu retten, in Vergessenheit zu geraten. Wenn Urlauber dann auf einer Messe an ihrem Stand stehen bleiben und nachfragen, was denn die Gebäckschnecke auf dem T-Shirt zu bedeuten habe, freut sich Guardiola – und beginnt zu erklären.

Leben kann sie von diesem Konzept nicht. Ihren Unterhalt verdient sie sich durch Fotoaufträge auf Hochzeiten und Erstkommunionsfeiern – und immer wieder auch im Rahmen traditioneller Dorffeiern, auf denen sie bevorzugt Menschen mit traditioneller Kluft vor die Kamera holt. Warum? „Weil es meine Kultur ist." Und weil sie merkt, dass sich viele Einheimische selbst wieder mehr für ihre Trachten begeistern.

Produkte von „Cata de la Placeta – 100 Prozent Mallorca" gibt's im Papillon Centre d'Art (Calle Mercadal, 12, Manacor) und im „Bonaire 15" (Carrer Bonaire, 15, Binissalem). Über die Internetseite www.catadeplaceta.com kann man die Fotografin kontaktieren und Produkte bestellen. Ein Online-Shop ist im Aufbau.

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