Holocaust- Vergleiche auf Mallorca: Wie Tierschützer ausrasten

02.09.2009 | 20:01
Kann man ein Tierheim als KZ bezeichnen?
Kann man ein Tierheim als KZ bezeichnen?

Tierschutz auf Mallorca wird oft mit extrem eifrigem und emotionalem Einsatz betrieben. Im Kampf gegen das zugegebenermaßen weitverbreitete Leid von Hunden, Katzen und Pferden auf der Insel geizen vor allem Deutsche nicht mit allzu drastischen Beschreibungen der Situation. Bei den Anschuldigungen gegen Auffangstationen und Hundezüchtern fallen nicht selten harsche Urteile. So wandte sich nun etwa die Tierschützerin Martina Patterson mit einer Beschwerde über die Zustände auf Mallorca an das Europäische Parlament, ohne – wie sie auf MZ-Anfrage zugibt – jemals auf der Insel gewesen zu sein. Dennoch beschreibt die in Zülpich in Nord­rhein-Westfalen lebende Frau die perreras als „trostlose Gefängnisse mit Todesstrafe", wo die Hunde zusammengepfercht, hungernd, nass und frierend gehalten werden und spricht von „massenhafter gewerblicher sowie unkontrollierter privater Hundezucht" auf der Insel.

Tierschützerin Veronika ­Meyer-Zietz, die Gründerin der Stiftung „Eurodog" auf Mallorca, führt in ihren Beschwerden eine Liste von Züchtern auf, denen sie Massenzucht und tierquälerische Haltung vorwirft. Persönlich hat sie nur einen Teil der Einrichtungen besucht, wie sie sagt. Bei der Einordnung des städtischen Tierheims, das wegen Überfüllung immer wieder Tiere einschläfern muss, benutzt Meyer-Zietz gar einen Vergleich mit dem Holocaust und bezeichnet Son Reus als „KZ-Tötungsanstalt".

Moderatere Tierliebhaber verschreckt derartiges Vorgehen. „Solche Formulierungen sind für alle Nazi-Opfer eine schwerwiegende Beleidigung. Eine solche Wortwahl ist unverhältnismäßig und unverschämt", sagt Gerald Hau, der deutsche Sprecher des Umweltschutzverbandes GOB. Den Handlungsbedarf auf Mallorca stellt er nicht in Frage. „Natürlich gibt es hier zu viele Katzen und Hunde und Tierquälerei." Doch im Vergleich zu anderen Ländern sehe es auf Mallorca nicht so schlecht aus, in Griechenland oder Italien sei die Situation viel schlimmer. „Es ist auch nicht so, dass die Regierung hier überhaupt nichts tut, Anzeigen werden von der Guardia Civil verfolgt." Hau bemängelt auch, dass unfundierte Vorwürfe gegen Tierhalter- und züchter gemacht werden. „Da fehlen oft die Fakten." Die Praxis des Einschläferns in Son Reus verteidigt er. „Was soll man denn machen, wenn niemand die Tiere nimmt."

Noch deutlichere Worte findet der bei Llucmajor lebende Schriftsteller Ulrich Hammer. „Diese Leute haben oft eine Vollmacke", sagt Hammer, der in seiner Zeit auf Mallorca schon vielen eifrigen Tierschützerinnen begegnet ist. Oft handele es sich dabei um ältere, alleinstehende Frauen. „Ich erinnere mich an eine Frau in Sóller, die ein Katzenheim hatte und über die Tiere wie über Personen sprach."

Auch Petra Steiner, die deutsche Sprecherin des Tierschutz-Dachverbands Baldea ärgert sich über den Fanatismus mancher ihrer Mitstreiter. „Das ist leicht kontraproduktiv. Son Reus fühlt sich dann nur noch angegriffen, es ist aber nur ausführendes Organ." Baldea legt der Balearen-Regierung im September die letzten Daten einer Studie zur Verbesserung des Tierschutzes auf den Inseln vor. Danach will die Organisation einen Gesetzesvorschlag für ein neues Tierschutzgesetz auf den Balearen erarbeiten.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem
- Korruptionsfall Palma Arena weitet sich aus
- Der Countdown läuft: Die Plastiktüte wird aussortiert
- Schrotkugeln zum Kaffee: Die Jagdsaison hat begonnen
- Stau auf den Avenidas: Autofahrer ärgern sich über Radweg
- Projekt Regenbogen-Viertel: Palmas Stadtteil Gomila mausert sich
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