Die Schwestern von Cala Ratjada müssen raus

Der Franziskanerinnen-Orden hat den deutschen Schwestern Ignatia Maria und Agneta unerwartet wegen Eigenbedarf den Mietvertrag gekündigt – die Gemeinde wird nun abgewickelt

18-11-2011  
 Die Schwestern Agneta (li.) und Ignatia Maria (re., mit Pfarrer Lamerz) müssen das Haus inklusive Kapelle und Garten 2012 aufgeben
Die Schwestern Agneta (li.) und Ignatia Maria (re., mit Pfarrer Lamerz) müssen das Haus inklusive Kapelle und Garten 2012 aufgeben Foto: Feldmeier

FRANK FELDMEIER Ein ungutes Gefühl hatten die Schwestern Ignatia Maria und Agneta bereits seit Ende 2009. Damals lief ihr zweiter Dreijahres-Vertrag für das Haus in Cala Ratjada aus, wo sie seit 2003 wohnen und das Zentrum der deutschsprachigen Gemeinde betreiben. „Uns wurde immer wieder gesagt, wir sollten uns wegen der Vertragsverlängerung keine Sorgen machen", sagt Schwester Ignatia Maria. Das sei nur Formsache, man sei nur noch nicht dazu gekommen.

Statt der Vertragsverlängerung kam im Frühjahr dieses Jahres die Kündigung. In einem Brief kündigt der Orden der Barmherzigen Franziskanerinnen ein Behindertenprojekt in der Gemeinde Capdepera an. Dafür benötige man das Haus in Cala Ratjada, da es die einzige Einrichtung sei, über die man in der Gegend verfüge, zitieren die deutschen Schwestern aus dem Brief. Sie wurden ersucht, „das Haus zur Verfügung zu stellen und es so schnell wie möglich zu verlassen".

Der Brief sei ein Schock gewesen, so die Schwestern. „Wir haben das gar nicht in der ganzen Tragweite erfasst." Bevor sie eingezogen waren, hatte das Haus in der Carrer de ses Monges fünf Jahre leergestanden. Dann mietete es 2003 das deutsche Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge in dem Urlauberort an. Die zwei Ordensfrauen vom pfälzischen Kloster der „Schwestern vom Göttlichen Erlöser" wohnen seitdem kostenlos, aber mit der Verpflichtung zur Instandhaltung. Unter anderem mit Spendengeldern brachten sie das Gebäude in Schuss, die Gesamtinvestitionen werden in einem Brief an die Franziskanerinnen mit knapp 150.000 Euro beziffert: „Dies ist natürlich auch geschehen, da wir davon ausgegangen sind, dass unsere Schwestern bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland dieses Objekt langfristig nutzen können."

Das Haus sei völlig verwahrlost und heruntergekommen gewesen, sagt Pfarrer Horst Lamerz, der immer wieder ehrenamtlich Gottesdienste in der Hauskapelle abhält. „Das Dach war an mehreren Stellen undicht, es regnete in die Zimmer, die Kapelle diente als Abstellraum, der Garten war verwildert." Die Grundsanierung habe zudem Elektro- und Wasserleitungen, Fenster und Rolländen bis hin zur Installation einer Heizung umfasst, wie die zwei Schwestern berichten.

Wichtiger ist ihnen jedoch ihre seelsorgerische Arbeit, sei es in der Messe, bei Krankenbesuchen oder beim Beisammensein im Garten. „Es ist sicher nicht menschlich und schon gar nicht christlich, uns in diesem Moment zu kündigen", schrieben sie in einem Brief an den Domprobst und Tourismus-Beauftragten Joan Bestard. „Wie erklären wir das den Leuten, die Geld, Zeit und ehrenamtliches Engagement für die Seelsorge geopfert haben?"

So begann ein mehrmonatiger Briefwechsel zwischen den deutschen Schwestern und dem Auslandssekretariat in Bonn einerseits und dem Bistum auf Mallorca sowie den Franziskanerinnen andererseits. Natürlich habe man Verständnis für das Behinderten-Projekt, heißt es in einem Brief an die Generaloberin. „Der Plan, dies in den von uns angemieteten Räumen in Cala Ratjada zu tun, trifft uns aber schwer und zieht vielfältige Probleme nach sich." Nicht nur die Schwestern seien betroffen, sondern auch die Gläubigen, die in dem Haus ihre religiöse Heimat gefunden hätten.

Auch im Rathaus von Capdepera stößt das Vorgehen auf Unverständnis. „Die deutschen Schwestern leisten außergewöhnliche Arbeit", sagt Bürgermeister Rafel Fernández (PSOE). Besonders sauer stößt ihm auf, dass die Franziskanerinnen sich in ihrem ersten Brief auch auf ein angebliches Ersuchen der Gemeinde bezögen. „Davon wissen wir nichts." Man verfüge ohnehin über genügend Betreuungsplätze. Hinzu komme, dass die mallorquinischen Schwestern auch einen Sitz in Son Servera leerstehen hätten, so Fernández. Er habe sich nun an den Orden gewandt, um eine Stellungnahme zu erhalten.

Maria Soledad, Generalverwalterin beim Orden der Barmherzigen Franziskanerinnen und Verfasserin des ersten Briefes, äußert auf Anfrage der MZ Verständnis für die Situation der deutschen Mitschwestern, betont aber die Wichtigkeit des Sozialprojekts. Bei der Frage, von wem der Impuls dazu ausgegangen sei und wie das Projekt aussehen werde, verweist sie allerdings auf die Geschäftsführung der Behinderten-Organisation des Ordens, Mater Misericordiae.

Dort erklärt Bonifacio Martínez, dass eine Gruppe für geistig Behinderte geplant sei, die man direkt vor Ort betreuen wolle, um so lange Personentransfers zu vermeiden. Der Standort in Son Servera komme dafür nicht in Frage. Doch auch Martínez will nicht kommentieren, wie die Idee zustande kam. „Hier handelt es sich um die private Korrespondenz zwischen zwei Kongregationen." Sie sei nicht ohne vorherige Einwilligung zur Veröffentlichung bestimmt.

Der mallorquinische Orden reagierte unterdessen im Juli mit einem Gegenvorschlag: Man wolle sich bald aus der Gemeinde Peguera zurückziehen, dort könnten die deutschen Schwestern einen großen Dienst leisten. Man habe Verständnis für ihre Enttäuschung, aber man hoffe auf Verständnis, dass „unser Handeln nur von gutem Glauben gelenkt ist". Ausführlich zitiert wird zudem der Mietvertrag, wonach das Gebäude „im Klima des Verständnisses und der Dankbarkeit für die kostenlose und altruistische Überlassung" wieder geräumt werden müsse.

„Was sollen wir in Peguera, um Himmels Willen", sagt Schwester Agneta. Das Gebiet liegt am anderen Ende der Insel und werde ohnehin durch Pfarrer Peter Wehr betreut. Das Auslandssekretariat erreichte letztendlich nur noch eine Fristverlängerung bis Juni 2012. Auch wenn hinter den Kulissen weiter Gespräche geführt werden, haben sich die beiden Schwestern mit dem baldigen Auszug abgefunden. Um die Zelte auf Mallorca nicht von heute auf morgen abzubrechen, wollen sie sich eine Mietwohnung suchen und soweit wie möglich weiter Seelsorge leisten – dann allerdings ehrenamtlich und nicht mehr im Auftrag der Auslandsseelsorge.

Tröstlich sei die Solidarität auch vieler Mallorquiner, sagen Schwester Ignatia Maria und Agneta. Einige hätten ihnen sogar geraten, einfach weiter wohnen zu bleiben – bis zu einem Gerichtsurteil vergingen sicherlich viele Jahre. „Aber da hätten wir kein gutes Gefühl." Zum Glück sei es in der Nebensaison leichter, eine Wohnung zu finden. Und auch ein tröstender Bibelspruch fällt ihnen ein: „Der eine sät, der andere erntet."

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