Dauereinsatz in der Tramuntana

Joaquín Torres von der Bergrettung GREIM über die häufigsten Fehler der Ausflügler in Mallorcas Bergen

11.04.2013 | 01:00
Gut ausgerüstet: der Chef der Bergrettung, Joaquín Torres
Gut ausgerüstet: der Chef der Bergrettung, Joaquín Torres

Joaquín Torres, Leiter der Berg­rettungseinheit GREIM der Guardia Civil auf den Balearen, und seine Truppe aus zwölf Kletterern retten jedes Jahr Dutzende Menschen, die in den abgelegenen Gegenden Mallorcas, vor allem in der Serra de Tramuntana, in Notlagen ge­raten. Gerade im Frühjahr müssen die Einsatzkräfte besonders häufig ausrücken, wenn Ausflügler und Sportler wieder vermehrt in den Bergen unterwegs sind.

Sie kommen auf mehr als hundert Rettungseinsätze im Jahr – dabei sind die Berge auf Mallorca kaum mehr als 1.000 Meter hoch. Ist das normal?
Es kommen eben viele auf die Insel, die das Gelände nicht kennen und denken, alle Orte in der Serra de Tramuntana wären leicht zu erreichen, nur weil die Berge nicht allzu hoch sind. Aber die Serra hat viele Steilhänge, Erdspalten und schwer zugängliche Orte, die die Gegend gefährlich machen. Wer die markierten Wege verlässt, kann sich schnell verirren.

Wie lässt sich erklären, dass Sie mehr Einsätze haben als etwa Ihre Kollegen im Benasque-Tal oder in der Sierra Nevada?
Das hängt mit der hohen Zahl der Personen zusammen, die in den Bergen unterwegs sind. Im vergangenen Jahr war der Andrang in der Serra de Tramuntana besonders groß – es zieht von Jahr zu Jahr Menschen zum Wandern und Klettern in die Berge. Mallorca ist darüber hinaus ein weltweit bekanntes Ziel für das Schluchten­abseilen. Viele Ausländer kommen nur deshalb auf die Insel.

Es gibt Schätzungen, die von bis zu 30.000 Ausflüglern an manchen Wochenenden ausgehen. Bei diesen Zahlen scheint es fast unvermeidlich, dass es zu Zwischen­fällen kommt.
Die Zahl der Ausflügler in der Serra de Tramuntana lässt sich nur schwer exakt beziffern. Oft sind es von Hotels organisierte Exkursionen mit nachlässigen Führern. Mit Gruppen dagegen, die von professionellen Guides geleitet werden, haben wir selten Probleme. Allerdings mussten wir auch feststellen, dass viele Touristen ohne Kenntnis über mögliche Gefahren in die Berge aufbrechen.

Ausflüglern wissen also gar nicht, dass sie in schwierigem Terrain unterwegs sind?
Es hängt gar nicht so sehr von der Schwierigkeit des jeweiligen Geländes ab, sondern von der psychischen und physischen Befähigung der Person. Manchmal brechen Gruppen älterer Menschen zu Wanderungen auf, die sich ihrer Grenzen nicht bewusst sind. So mussten wir viele Personen auch wegen Infarkten, Verstauchungen oder zum Beispiel Erschöpfung retten. Die meisten aber verirren sich schlichtweg.

Wird nicht ausreichend über die Gefahren in der Serra de Tramuntana informiert?
Ich weiß nicht, was im einzelnen unternommen wird, aber oft begegnen wir Menschen mit aus dem Internet heruntergeladenen Karten, die nicht mit dem Gelände übereinstimmen. Oder es fehlen Informationen, zum Beispiel über gefährliche Sturzbäche.

Gibt es viele Wanderer, die ohne richtige Ausrüstung in die Berge aufbrechen?
Durchaus. Wer in die Berge geht, muss sich richtig vorbereiten. Wegen des wärmeren Klimas glauben viele, sie könnten in Sandalen und kurzen Hosen losmarschieren. Dann verirren sie sich, und wir müssen sie dehydriert, erschöpft und voller Schrammen und Wunden einsammeln.

Aber auch erfahrene Wanderer sind vor solchen Gefahren nicht gefeit.
Jeder kann einen Unfall in den Bergen erleiden – auch wir, trotz unseres Trainings. Aber wir von der Guardia Civil gehen zum Beispiel immer zu zweit los – in den Bergen und vor allem im Gebiet von Sturzbächen sind wir sogar zu viert oder fünft angesichts der Dinge, die passieren können.

Welche Berge auf Mallorca sind am gefährlichsten?
Das hängt ganz von den jeweiligen Aktivitäten ab. Egal ob Klettern, Schluchtenabseilen oder Höhlenwanderungen – alles ist gefährlich ohne die richtigen Sicherheitsmaßnahmen. Wer an der Wand des Puig Major oder in Sa Gubia ohne Seil klettert, kann im Fall eines Absturzes ums Leben kommen. Wer dagegen richtig ausgerüstet ist, kann im Fall eines Unfalls aktiv mit den Rettungskräften zusammenarbeiten. Dasselbe gilt für das Schluchten­abseilen, ohne Neopren-Anzug droht beispielsweise eine Unterkühlung. Als besonders gefährlich gilt hier das Gebiet von Sa Fosca, aber auch Salt des Molinet.

Es wurde vorgeschlagen, die Geretteten bei grober Fahrlässig­keit an einem Teil der Einsatzkosten zu beteiligen. Was halten Sie davon?
Unser Service steht jedem zu. Wir erfüllen nur unsere Aufgabe und retten alle, die in Not geraten. Die Abrechnung der Einsätze dagegen ist nicht unser Job.

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