Geschnitten Tapas-Brot für Deutschland

Quely-Kekse kennt auf Mallorca jedes Kind. Jetzt geht man in die Offensive, um sie, leicht verändert, auch in deutschen Supermärkten zu vertreiben

15.03.2015 | 15:33
Die Quely-Produkte für den deutschen Markt: Tapasbrot und Palitos mit Oliven und Käse

Was haben diese Kekse der Firma Quely aus Inca nur an sich? Sie sind staubtrocken und ziemlich hart, haben wenig Eigengeschmack und machen auch optisch nicht viel her. Trotzdem verkörpern vor allem die kleinen quelitas wie wohl nur noch Sobrassada und Ensaimada die kulinarische Identität Mallorcas. Eine Umfrage ergab vor wenigen Jahren, dass neun von zehn Balearen-Bewohnern die Kekse nicht nur kennen, sondern stets vorrätig haben. „Das gilt nach wie vor", erklärt Quely-Vorstandschef Gabriel Coll stolz der MZ.

Und so dachte man sich in Inca: Was auf Mallorca Erfolg hat wie geschnitten Brot, müsste doch ebenso in anderen Teilen der Welt funktionieren, vor allem auch bei den Deutschen, dem Volk der Mallorca-Fans. Schon 2007 gab es einen ersten schüchternen Versuch, ein Quely-Produkt aus Inca nach Deutschland zu exportieren. Allerdings war das dröges Paniermehl, das noch dazu nicht lange genug haltbar war.

2013 nahm man dann einen neuen Anlauf, um den deutschen Markt zu erobern. Mit Hilfe eines Importeurs wurde der Kontakt zur Supermarktkette Rewe hergestellt. „Die fanden unsere Produkte interessant und bieten sie in Norddeutschland inzwischen in 3.500 Filialen an", sagt Coll. Der Süden soll mit 700 Geschäften in den nächsten Wochen dazukommen. Eigens für den deutschen Markt sind Verpackungen mit deutscher Aufschrift und Rezeptvorschlägen nach deutschen Vorlieben entworfen worden. Um das Ganze mit Mallorca zu assoziieren, bekamen die Verpackungen kleine Aufkleber mit Landschaftsmotiven von der Insel verpasst und der Aufschrift „Zu 100 Prozent Mallorquinisch".

Doch aller Anfang ist schwer, denn viele Deutschen wissen nichts von den Vorzügen der Kekse, wenn sie nicht auf Mallorca schon darauf aufmerksam geworden sind. Also galt es, das Produkt deutschenkompatibler zu machen. Angeboten wird ein sogenanntes „Tapasbrot", eine Art runde dünnere quelita, in den Versionen Vollkorn und Weizenmehl sowie zwei Arten von palitos, einer salzigen Snackstange mit schwarzen Oliven oder Käse. Eine 200-Gramm-Packung Tapasbrot wird dabei für 1,29 Euro verkauft. „Es wurde eigens für Deutschland entworfen. Ich glaube nicht, dass wir das hier auf den Balearen verkaufen könnten", sagt Coll.

Darüber hinaus, strengt man sich auch im Marketing an. Bereits 2011 und 2012 versuchte das Unternehmen mit Show Cookings in einigen deutschen Supermärkten die Kekse bekannt zu machen – damals noch ohne über spezifische Produkte für den deutschen Markt zu verfügen. „Zudem haben wir einen Blog eingerichtet, Videos produziert und einen Youtube-Kanal eröffnet", zählt Marketing-Expertin Esther Pérez auf.

Bei Quely hat man mit derlei Aufklärungsarbeit bereits Erfahrung. Begonnen hatte die Expansion ins Ausland nämlich nicht mit Deutschland, sondern mit Singapur, Hongkong und Teilen von China, „weil dort die Einführung neuer Produkte im Markt einfacher ist". Und weil der Export-Chef des Unternehmens zuvor in der Schuhbranche tätig war und sich da um den asiatischen Markt kümmerte.

In Zukunft soll auch deutlich mehr in den südamerikanischen Markt exportiert werden. „Jetzt ist die Gelegenheit dazu da, denn der billige Dollar macht die Exporte nach Südamerika zurzeit um etwa 40 Prozent günstiger als noch vor ein paar Monaten", rechnet Coll vor.

Aber zunächst einmal steht Deutschland auf dem Programm. In den kommenden Monaten soll der Vertrieb kräftig ausgebaut werden. Tapasbrot und Snack­stangen sind dann auch bei Kaufland, Metro, Real, Penny, E-Center, Marktkauf und Netto zu haben. Nur die Discounter wie Lidl oder Aldi möchte man erst einmal außen vorlassen.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dieses Jahr einen Umsatz von einer Million Euro zu machen", sagt Gabriel Coll. Klingt beinahe bescheiden, verlassen doch schon jetzt jeden Monat etwa 66.000 Palitos-Packungen auf dem Lkw die Insel in Richtung Deutschland. Nach oben seien natürlich keine Grenzen gesetzt, sagt denn auch Coll, außer den begrenzten Produktionsflächen in Inca. „Wenn die Deutschen viel Tapasbrot essen, müssen wir unsere Firma erweitern, aber daran denken wir noch nicht."

Es werden halt zunächst einmal nur kleine Tapasbrötchen gebacken. Gabriel Coll weilt dieser Tage erneut in Deutschland, um neben dem Zuständigen für die Supermärkte einen zweiten Vertriebsmitarbeiter unter Vertrag zu nehmen. Der soll sich vor allem um Bars und Restaurants kümmern.

Auf Deutschland zu setzen, sei nur logisch, sagt Gabriel Coll. Er meint damit gar nicht so sehr die Mallorca-Vertrautheit von Urlaubern und Teilzeit-Residenten. Nein, er denkt daran, dass Deutschland das Land ist, das weltweit im Brotverzehr an zweiter Stelle steht. „Und Quely ist im Grunde genommen ja nichts anderes als Brot."


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 12. März (Nummer 775) lesen Sie außerdem:

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- Große Drogenrazzia auf dem Dorf
- Saison-Aussichten von der ITB
- Serie zu den Kommunalwahlen, Teil 1
- Illegaler Schuttplatz verschwindet

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