Seniorenheim in Palma bestraft renitente Bewohner

Weil er sich über das schlechte Essen beschwert hatte, durfte ein Bewohner eine Woche lang nicht in den Speisesaal

11.10.2017 | 11:30
Zwei Bewohner des Heims beim Spazierengehen.

Das Seniorenheim in Palma de Mallorcas Stadtteil Bonanova, das vom Inselrat betrieben wird, geht offenbar alles andere als respektvoll mit seinen Bewohnern um. Laut Recherchen der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" wurde etwa einem über 80 Jahre alten Mann eine Woche lang verboten, im Speisesaal zu essen. Er hatte sich mehrfach über die aus seiner Sicht schlechte Qualität des Essens beschwert und sich geweigert, in seinem Zimmer zu speisen. Der Mann hatte zudem Zettel aufgehängt und darauf andere Bewohner um Hilfe gebeten.

Der Vizechef der zuständigen Inselratsbehörde, Javier de Juan, sagte dazu, dass der Mann auch anderweitig unangenehm aufgefallen sei. Er habe einmal Teller auf der Erde zerschmettert.

Eine ebenfalls über 80 Jahre alte Frau durfte weder die Bar noch den Friseur besuchen, da sie zuvor zu hohe Preise moniert hatte. Einer anderen Frau verbietet die Heimleitung den Recherchen zufolge, in ihrem Raum zu übernachten, wenn sie, was oft vorkommen soll, zu viel Alhohol getrunken hat.

Diese Strafen sind in der Hausordnung des Seniorenheims nicht vorgesehen. Benimmt sich jemand daneben, kann ihm aber die Verbringung in ein anderes Heim oder der Rauschmiss drohen. Auch mit Strafzahlungen müssen renitente Senioren rechnen.

Das Seniorenheim von Bonanova beherbergt 450 Menschen, die meist aus prekären sozialen Verhältnissen stammen. In den vergangenen Jahren waren mehrfach negative Berichte über die Zustände dort in der Lokalpresse erschienen. Anfang des Jahres hatte der Inselrat ein Modernisierungsprojekt in Höhe von 2,4 Millionen Euro vorgestellt. /it

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