Capdepera: Mehr Leben im Dorf, weniger Party am Strand

Die Schulden sinken, neue Projekte winken: PSOE-Bürgermeister Fernández ist zufrieden. Doch man könnte noch mehr tun, so die Herausforderer

19.05.2015 | 12:13

Während andernorts seit Wochen nur noch Wahlkampf und keine Politik mehr gemacht wird, rackert Rafel Fernández einfach weiter. Gleich hat der PSOE-Bürgermeister von Capdepera einen Termin beim Hoteliersverband der Gemeinde, wo er seinen neuesten Coup preisgeben will: Der kleine Fischerhafen von Cala Ratjada soll den Status einer Schengen-Außengrenze bekommen. Damit könnten künftig Passagiere von internationalen Kreuzfahrtschiffen, die auf offener See ankern, mit Beibooten in den Hafenort gebracht werden – und auf ihren Landgängen das Tourismusgeschäft beleben.

Es ist nur eines der Vorhaben, die Fernández angehen will – falls er nach den Kommunalwahlen am 24. Mai weiter regieren darf. „Ich wette, es dauert nicht lange, bis auch die PP mit diesem Plan hausieren gehen wird", sagt der Sozialist sichtlich amüsiert über die Volkspartei, die es im linken Nest Capdepera seit jeher deutlich schwerer hat als in anderen Teilen der Insel. „Die PP hat eigentlich gar kein eigenes Wahlprogramm, sondern verkauft einfach Dinge, die ich längst in die Wege geleitet habe, als eigene Ideen."

Etwa die Sache mit den Dorf­hotels. Während seine Herausforderin Maribel Vives (PP) dafür plädiert, die knapp 30 Jahre alte Bauordnung zu ändern, damit endlich auch im Ortskern von Capdepera Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber geschaffen werden können, habe er die Sache bereits in Angriff genommen. „Das neue Gesetz steht kurz vor der Verabschiedung", bekräftigt Fernández. Im Rathaus lägen bereits mehrere Anträge für entsprechende Hotelprojekte vor, eines davon plane der deutsche Chef des Golfclubs Capdepera.

Doch allein mit dieser Verordnungsänderung ist es in den Augen von Maribel Vives nicht getan. Man müsse das Dorf insgesamt viel stärker touristisch vermarkten. Damit sich nicht alles auf die Küstenorte zwischen Cala Mesquida und Canyamel konzentriere, sollte man versuchen, attraktive Läden anzusiedeln oder das kulturelle Angebot zu erweitern. „Hier ist vor allem abends kaum was los, nicht mal im Sommer." Dabei hätte der schmucke Ortskern, über dem die historische Burg thront, viel Potenzial. Vives saß schon von 2003 bis 2011 im Gemeinderat – zunächst unter dem mit einer Minderheit regierenden PP-Bürgermeister Joan Ferrer, der nun dem Hoteliersverband vorsteht, ab 2007 dann in der Opposition.

Damit Besucher des Ortes einen guten ersten Eindruck vermittelt bekommen, hält die PP-Kandidatin außerdem ein langfristiges Instandhaltungskonzept für erforderlich, in dem etwa die Straßenreinigung oder die Pflege der Grünanlagen geregelt werden. Für sinnvoll hält Vives daneben finanzielle Anreize, etwa durch Steuererleichterungen für Gebäudeeigentümer, die ihre Häuser und Fassaden auf Vordermann bringen. Eine Schönheitskur wollen die Konservativen zudem dem Hafen von Cala Ratjada verpassen, wo obendrein ein neuer Damm gebaut werden müsse, der bei künftigen Unwettern mit hohem Wellengang besseren Schutz bietet.

Ansonsten sieht Vives in Cala Ratjada wenig Handlungsbedarf – obwohl immer wieder Anwohner über das ausufernde nächtliche Treiben an der Partymeile klagen. „Die Bars und Diskotheken gehören einfach dazu, und wir haben hier ja keine Verhältnisse wie in Magaluf", wiegelt sie ab. Anderer Meinung ist da Més-Spitzenkandidat Pere Fuster, der bei den Wahlen 2011 für die linksnationalistische PSM in den Gemeinderat gewählt wurde, eine Partei, die später in dem Verbund Més aufging. „Wir brauchen dringend ein Konzept, wie das touristische Angebot in Cala Ratjada qualitativ aufgewertet werden kann, um besseres Publikum anzulocken." In jüngster Zeit hätten Partytourismus und Alkoholexzesse der vor allem jugendlichen Urlauber besorgniserregend zugenommen. Daneben verspricht Fuster, den Einzelhandel zu unterstützen, der in den vergangenen Jahren stark unter der Eröffnung großer Supermärkte wie Mercadona oder Lidl gelitten habe.

Fernando Martínez, der auf Listen­platz 1 von Pi (Proposta per les Illes Balears) steht, will indes den Aktivtourismus fördern, um auch außerhalb der Nebensaison Wanderer und Radfahrer in die Gemeinde zu locken. Ansonsten bleibt Martínez, der bisher für das nun nicht mehr antretende Lokalbündnis Unió per Capdepera (UCap) im Gemeinderat saß, bescheiden: Was künftige Investitionen angeht, schlägt er einen auf bis zu zehn Jahre angelegten und mit allen politischen Lagern abgestimmten Plan vor, um die Infrastruktur der Gemeinde zu verbessern. „Aber nur Wesentliches: Straßen, Beleuchtung, Unterhalt bestehender Sportanlagen." Angesichts der aktuellen Finanzlage müsse man sich eben damit begnügen, das bereits vorhandene gut in Schuss zu halten.

Das ist auch die Devise von Bürger­meister Rafel Fernández, der seinen 2011 eingeleiteten Sparkurs in der nächsten Legislatur fortsetzen will. Bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren hatte die Gemeinde 21,5 Millionen Euro Schulden, gut ein Drittel davon bei Lieferanten. Inzwischen habe man den Schuldenberg auf neun Millionen reduziert. „Das ist für eine Gemeinde mit 12.000 Einwohnern, die vom Tourismus lebt, eine vertretbare Summe, aber unser Ziel ist natürlich eine schwarze Null."

Um die 2014 etwas eingebrochenen Tourismuszahlen wieder zu steigern, will auch Fernández künftig verstärkt auf Sportler und Ausflügler setzen. Zum einen müsse man die beiden Golfplätze oder die zahlreichen Tennisplätze der Gemeinde besser bewerben. Zum anderen will sich der Bürgermeister für einen Anschluss an den Rad- und Wanderweg „Via Verde", der im vergangenen Herbst auf der einst geplanten Bahntrasse von Manacor nach Artà eröffnet wurde, stark machen.

Was die klassischen Urlaubsgebiete der Gemeinde angeht, ist Fernández schon jetzt recht zufrieden. Capdeperas großer Vorteil sei schließlich, dass drei Zielgruppen örtlich getrennt und somit relativ konfliktfrei bedient werden können: junge Leute feiern in Cala Ratjada, Familien urlauben in Cala Mesquida oder Font de Sa Cala, und wer es beschaulicher mag, geht nach ­Canyamel. Durchweg positive Wirkung hätten in diesem Zusammenhang auch die 2011 beschlossene Benimm-Verordnung und der Einsatz von Sonderheiten der Ortspolizei gezeigt, die im Sommer an den Stränden und der Ausgehmeile in Cala Ratjada patrouillieren. „2011 mussten die Beamten noch 150 Ghettoblaster wegen zu lauter Musik beschlagnahmen, 2014 waren es nur noch fünf", führt er als Beweis für die Wirkungskraft des 250-seitigen Regelwerks an.

Ein kleines Eigenlob kann sich Fernández auch im Hinblick auf die Burg von Capdepera nicht verkneifen – wenngleich die nach dem tödlichen Sturz einer 74-jährigen Deutschen vor knapp zwei Jahren ordentlich Negativschlagzeilen beschert hatte. Um solche Unfälle künftig zu vermeiden, habe man umgehend Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Festgelegt sind sie in einem auf 15 Jahre angelegten Management-Plan, der auch den Unterhalt der Burg oder archäologische Ausgrabungsarbeiten regelt. „Das ist der erste denkmalgeschützte Bau der Insel, für den es ein so umfassendes Konzept gibt."


Die Neue und der Einzelkämpfer

Auch Podemos wird in Capdepera unter dem Namen der linken Sozialbewegung Guanyem antreten, Spitzenkandidatin ist Luisa Gutiérrez. Ebenfalls wieder als Bürgermeisterkandidat aufstellen ließ sich Mateu Melis vom Lokalbündnis Es Grup, der bereits in der laufenden Legislatur das einzige Gemeinderatsmitglied der Formation stellte.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |