Briten in Magaluf: Longdrink statt Olympia

Eigentlich müsste Magaluf doch platzen vor Stolz auf die Olympischen Spiele in der Heimat. Unsere britischen Freunde schauen aber wieder einmal lieber ins Glas, wie ein MZ-Besuch belegt

06-08-2012  
Turnen können wir doch auch hier: Britische Urlauber vor einer Großbildleinwand, auf der die Olympischen Spiele übertragen werden
Turnen können wir doch auch hier: Britische Urlauber vor einer Großbildleinwand, auf der die Olympischen Spiele übertragen werden Foto: Nele Bendgens

JOHANNES KRAYER Magaluf. Britischer als hier ist Mallorca nirgends. Zur Freude der einen, zum Leidwesen der anderen. Dementsprechend dürfte es in der Partyhochburg während der Olympischen Spiele noch britischer zugehen als sonst. Union Jacks allerorten, Horden junger Männer, die €God Save the Queen" anstimmen und alle, ob Jung oder Alt, Single oder Familie, fiebern in den Bars und Restaurants mit.

Sollte man jedenfalls meinen.

Ortsbesuch in Magaluf. 11.30 Uhr am vergangenen Montag: Die meisten der jungen Touristen liegen noch in ihren Betten, einige irren ein wenig benommen von der Nacht zuvor durch die Gassen. Überall liegt der säuerliche Gestank von Erbrochenem in der Luft, der Boden vor der Großraum-Disco BCM klebt. Ein paar Männer ohne T-Shirt, dafür aber mit Strohhut, sitzen schon in den Bars und nehmen ihren ersten Cocktail zu sich. Sie stieren vor sich hin. Auf den Fernseher, auf dem gerade Rudern läuft, schaut niemand.

Auf der Feiermeile Punta ­Ballena sitzen zwei leicht rot gebrannte Damen um die 60 bei ihrer ersten Zigarette und verfolgen zumindest mit den Augen das 200-Meter-Schwimmen der Frauen. Sehr gesprächig geben sich die beiden Freundinnen nicht. €Wir sind Schottinnen", stellen sie zunächst fest. €Wir schauen uns die Olympischen Spiele schon an. Aber sind wir stolz, weil die Spiele in London stattfinden? Naja, ein bisschen vielleicht." Immerhin ist von der gesprächigeren der beiden Frauen noch zu erfahren, dass Schwimmen ihr Lieblingssport ist, bevor die andere freundlich, aber bestimmt klarstellt: €Ich glaube, wir sind hier nicht die Richtigen. Suchen Sie sich lieber jemand anderen."

In der Sportsbar Lineker´s müsste doch was zu machen sein. Der Inhaber und Chef der Bar, ­Adrian Ashbolt, hat über ein halbes Dutzend Bildschirme montiert, auf denen gerade die Silber-Medaille für die britische Radfahrerin Elizabeth Armitstead gewürdigt wird. Adrian Ashbolt schert das kaum: €Mal ganz ehrlich: Mich interessieren die Olympischen Spiele überhaupt nicht. Und da wundert es mich nicht, dass meine Landsmänner auch eher bescheidenes Interesse zeigen." Ashbolt würde zwar gerne von einer Flut an Olympia-Begeisterten in seiner Bar berichten, aber: Er will auch nicht lügen. €Ich hatte mir schon ein wenig mehr Zustrom erwartet und bin etwas enttäuscht von der Resonanz. Nicht mal bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend haben die Leute auf die Fernseher geschaut." Ganz anders als bei der Fußball-EM. Da sei sein Lokal brechend voll gewesen.

Vielversprechender sieht es zunächst im Mambo´s direkt am Strand aus. Dort hängt eine riesige Leinwand, allerdings fehlen die Gäste. Ein leicht angetrunkener ­tiquetero empfiehlt uns, am späten Nachmittag noch einmal vorbeizuschauen. Doch auch gegen 17.30 Uhr hat sich die Situation kaum geändert. Außer, dass nun etwa ein Dutzend Touristen von der Hitze ermattet auf den Liegen abhängt, und statt Olympia die Wiederholung eines Fußballspiels läuft. €Das hat sich einer der Gäste gewünscht", heißt es an der Bar. In der Mitte des Biergartens steht eine Bullriding-Anlage, von der sich hin und wieder einer der Gäste herumschleudern lässt. Inzwischen ist das Fußballspiel aus und es läuft Turnen bei Olympia. Niemand schaut hin.

Und doch gibt es selbst in Magaluf so etwas wie Olympia-­Begeisterung: Eine Bar weiter sitzen zwei Mädchen, die den Turnwettkampf aufmerksam verfolgen. Ashley Robertson und ihre Freundin Shannon Donaldson aus London fiebern mit. Aus gutem Grund: Ashley turnt selbst, einer ihrer Freunde ist in der britischen Olympiamannschaft aktiv und war gerade am Barren. €Es regt mich wirklich auf, dass ich gerade jetzt nicht in London bin. Ich wohne nämlich ganz nah am Olympischen Dorf und würde die Stimmung dort hautnah mitbekommen", sagt sie. Sie ist noch bis September auf Mallorca, arbeitet als Kellnerin.

Inzwischen ist eine Gruppe junger Männer, ebenfalls aus London, auf die beiden Frauen aufmerksam geworden und gesellt sich zu ihnen. Der 19-jährige Michael Fugsum behauptet, er arbeite im Olympischen Dorf als Sicherheitsmitarbeiter ? und habe nun eine Woche Urlaub bekommen. €Mir sind das viel zu viele Leute dort. Da dreht man durch. Die Stadt ist komplett voll." Ab Montag sei er wieder im Olympischen Dorf anzutreffen. Bis dahin würde gefeiert.

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