Chicho Lorenzo: ´Mein Sohn soll endlich seine Karriere beenden´

Jorge Lorenzo ist 2012 zum zweiten Mal MotoGP-Weltmeister geworden. Sein Vater sieht das mit gemischten Gefühlen. Dabei war er es doch, der den Jungen zum besten Motorradfahrer der Welt machte

10-01-2013  
 Chicho Lorenzo ist vor 27 Jahren aus Venezuela auf die Insel gekommen. Kurz darauf kam Jorge zur Welt
Chicho Lorenzo ist vor 27 Jahren aus Venezuela auf die Insel gekommen. Kurz darauf kam Jorge zur Welt Foto: Massutí

MATÍAS VALLÉS Chicho Lorenzo, der Vater des zweifachen MotoGP-Weltmeisters Jorge Lorenzo, hat mit viel Ehrgeiz und Einsatz die Karriere seines Sohnes vorangetrieben. Der 54-jährige gebürtige Venezolaner leitet eine Motorsportschule in Palma.

Sind Sie der Erfinder des Phänomens Jorge Lorenzo oder nur sein Vater?
Ich möchte nicht anmaßend wirken, aber man kann wohl mit Recht sagen, dass ich Jorge Lorenzo sozusagen erfunden habe. Ich habe ihn unzählige Stunden lang trainiert und ihm mit meinen begrenzten Mitteln alles finanziert, was er für seine Anfänge in der Welt des Motorsports benötigte.

Sie wissen ja, dass ich Sport­arten, die man im Sitzen ausübt, nicht ausstehen kann – aber bei Ihnen mache ich mal eine Ausnahme.
Wenn Sie diese Sportarten langweilen, dann ist das reine Ignoranz. Beim Motorsport werden die Fahrer mehr gefordert als bei den meisten anderen Sportarten. Dazu kommt ein sehr hoher Risiko­faktor. Die körperliche Verfassung meines Sohnes ist vergleichbar mit der eines Profi-Leichtathleten, der Medaillen bei den Olympischen Spielen gewinnt.

Ihr Sohn musste zunächst einmal geerdet werden, bevor er Titel bei Weltmeisterschaften holen konnte.
Er musste sich vor allem weiterentwickeln. Es gibt viele 18-Jährige, die vollkommen unreif sind. Die besten Lehrmeister für einen Fahrer sind Röntgenaufnahmen und Kranken­hausaufenthalte. Wobei man ja auch sonst im Leben Schläge einstecken muss und daraus lernt – nur sind sie nicht unbedingt auf Röntgen­bildern zu sehen.

Hat Ihr Sohn mal eine Tracht Prügel bekommen?
Genauso wie andere Kinder auch. Ich bin streng im Training. Um das Beste aus einem Menschen herauszupressen, muss man ihn in Grenzsituationen bringen und bestimmte Situationen eben erzwingen.

Bei allem Respekt, Herr Lorenzo, aber Sie haben Ihren Sohn dem Tod geweiht. MotoGP ist kein Fußball.
Alle Mütter weihen im Moment der Geburt ihre Kinder dem Tod. Oder gibt es jemanden, der nicht sterben muss? Jeden Tag denke ich daran, dass Jorge sterben könnte. Deshalb will ich ja auch, dass er endlich seine Karriere beendet. Er ist dort angelangt, wo er immer sein wollte, und er hat wirklich genug Geld verdient.

Sehen Sie sich seine Rennen auch vor Ort an?
Manchmal schaffe ich es leider nicht. Ab und zu bete ich, aber dann für alle Fahrer.

Und wenn Jorge nicht auf Sie hört und weiterfährt?
Dann muss er mehr trainieren, um weniger zu riskieren. Er muss seine Grenzen kennenlernen – so wie in diesem Jahr geschehen.

Wie oft hat Jorge als Junge die Verkehrsregeln gebrochen?
Als wir noch in Barcelona lebten, wollte er in der Stadt nie Motorrad fahren. Er fand es zu gefährlich. Ich musste ihn im Auto chauffieren. Jorge hat bis 2011 keinen Motorradführerschein gemacht.

Erfährt Ihr Sohn die gleiche Anerkennung wie Rafael Nadal?
Nein, nicht annähernd. Es gab Zeiten, in denen sich Jorge viele Gedanken über diese Art von Diskriminierung gemacht hat. Heute tut er das nicht mehr. Natürlich bekommt Nadal zu Recht viel Anerkennung. Jorge wird eher im Ausland bewundert – in Italien verehren sie ihn.

Wer ist sturer, Sohn oder Vater?
Mein Sohn. Mit 14 Jahren ist er durch ein Plastikteil auf der Strecke zu Fall gekommen und hat sich zahlreiche Verletzungen zugezogen. Er lag in der Klinik mit Krämpfen, hat aber nicht eine Träne verdrückt. Ich sagte damals zu ihm: Komm´, lassen wir diesen Mist! Aber er biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. Ein Jahr später fuhr er bei der Weltmeisterschaft mit.

Und wenn der Barça-Fan Jorge Lorenzo beschließt, für ein unabhängiges Katalonien zu fahren?
Er ist alt genug, um zu entscheiden, was er möchte. Man hat ihn als Katalanisten bezeichnet, als er sich mit Alejandro Sanz stritt. Der Sänger hatte ihn angefeindet, weil Jorge in Katalonien nicht mit der spanischen Flagge gefahren war. Ich glaube, Jorge hatte einfach Angst davor, sie dort zu zeigen.

Warum sind Sie so antikatalanisch eingestellt?
Ich halte català für kulturellen Völkermord. Die Katalanen wollen uns ihre Sprache aufzwingen. Ich habe kein Problem mit dem mallorquí. Ich lebe in Selva, meine Frau ist Mallorquinerin. Ich bin Galicier und respektiere die herrliche Kultur hier. Die Katalanen aber wollen einen immer zu etwas zwingen.

Um uns zu beweisen, dass es kein Zufall war: Produzieren Sie einen zweiten Jorge Lorenzo!
In meiner Motorsportschule sind wir gerade dabei. Wir werden sogar 20 produzieren, um weitere in der Hinterhand zu haben, falls ein paar nicht funktionieren.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 3. Januar (Nummer 661) lesen Sie außerdem:
- Atlético Madrid kommt auf die Insel
- Basketball: Klassiker Barça gegen Real Madrid

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