Basketball-WM in Granada: Alex und die Alten

Für die Spanier debütiert ab Samstag (30.8.) ein junger Mallorquiner neben erfahrenen Welt- und Europameistern

30.08.2014 | 12:32
Erst 21 und schon bei der WM: Alex Abrines.
Erst 21 und schon bei der WM: Alex Abrines.

Plötzlich ist Alex Abrines ein wenig unverhofft ganz oben angekommen. Der junge Mann aus Palma hat am 1. August gerade erst seinen 21. Geburtstag gefeiert, da bekommt er schon die Chance, an einer Basketball-Weltmeisterschaft noch dazu im eigenen Land teilzunehmen. Am Samstag (30.8.) debütiert die spanische Auswahl um 22 Uhr in Granada gegen die international eher zweitklassigen Iraner (Cuatro überträgt live), und Abrines hofft auf seine ersten Minuten mit der Nationalmannschaft. Der Sohn des ehemaligen Profi-Basketballers Gabriel Abrines hat eingetrichtert bekommen, worum es diesmal geht. „Mit der Mannschaft, die wir momentan haben, können wir ohne Probleme eine Medaille gewinnen", sagte er in einem Interview.

Der Spieler des FC Barcelona kann inzwischen mit Druck umgehen. Das hat er in der abgelaufenen Saison der spanischen Profi-Liga ACB gelernt, als es lange Zeit so aussah, als bliebe Barça ohne einen Titel. In einem rasanten Endspurt sicherte sich das Team gegen den ewigen Rivalen Real Madrid dann doch noch überraschend die Meisterschaft. Und Abrines spielte dabei auf der Flügelposition mit seinen über acht Punkten im Durchschnitt eine große Rolle.

Das überzeugte schließlich Nationaltrainer Juan Antonio Orenga, der zunächst nicht mit Abrines für die WM gerechnet hatte. „Doch dann sah ich, welche Entwicklung er in diesem Jahr gemacht hat. Ich glaube, er hat sich diese Chance verdient", erklärte Orenga seine Entscheidung in einem Interview. Eine Armverletzung warf den Mallorquiner dann in der Vorbereitung zurück, weshalb er keines der Testspiele absolvieren konnte. Daher wird gegen den Iran maximal ein Kurzeinsatz drin sein.

Während Abrines ohnehin noch unter Welpenschutz stehen wird, gelten für seine Teamkollegen, darunter der Mallorquiner Rudy Fernández, keine Ausreden. Die spanische Bevölkerung erwartet den Titel, zumal andere Favoriten wie die USA (ohne LeBron James und Kevin Durant sowie weiteren NBA-Stars), Europameister Frankreich (ohne Joakim Noah und Tony Parker) und Argentinien (ohne Manu Ginóbili und Carlos Delfino) personell geschwächt sind.

Basketball hat hierzulande einen höheren Stellenwert als etwa in Deutschland, das nicht einmal bei der WM dabei ist (siehe Kasten). Jeden Sonntag wird das Topspiel der Liga im öffentlichen spanischen Fernsehen RTVE gezeigt, in die Hallen der spanischen Teams passen doppelt so viele Fans wie in die der deutschen Bundesliga. Die Fernsehrechte der WM hat sich der Sender Cuatro gesichert, der die Spiele im Internet und eine Auswahl im frei empfangbaren Fernsehen zeigen wird. Auch der deutsche Sender Sport1 zeigt einige Spiele.

Uneingeschränkt euphorisch ist die Stimmung im Land trotzdem nicht. Zwar gewann Spanien alle Vorbereitungsspiele, zum Teil auch deutlich, doch in vielen Partien spürte man ordentlich Sand im Getriebe. Das Team spielte bisher noch nicht über die ­gesamten 40 Minuten konzentriert. Zudem kommt die WM im eigenen Land für die Spanier womöglich einen Tick zu spät. Zwar ist noch die „goldene Generation" mit dabei, welche die WM-Titel 2006 sowie die Siege bei den Europameisterschaften 2009 und 2011 holte. Pau Gasol (34), José Calderón (32), Juan Carlos Navarro (34) oder auch Felipe Reyes (34) aber sind nicht mehr die Jüngsten und dürfte spätestens 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ihren Leistungszenit überschritten haben. Die neuen Führungsspieler werden dann wohl vor allem Rudy Fernández und der Menorquiner Sergio Llull sein, ebenso wie Paus Bruder Marc Gasol, der inzwischen zu den fünf besten Brettcentern der Welt gezählt wird. Und eben, wenn alles gut läuft, Alex Abrines.

Unabhängig vom erhofften Titelgewinn steht bereits vor dem ersten Jump fest, dass Spanien durch die Ausrichtung der WM gewonnen hat. Laut dem spanischen Basketball-Verband wurden etwa 45 Millionen Euro in die Ausrichtung der Weltmeisterschaft investiert. Demgegenüber stehen erwartete Einnahmen von 325 Millionen Euro – allein 200 Millionen Euro davon durch Werbung. Zudem dürften die bis zu 500.000 Fans aus aller Welt einen ordentlichen Batzen Geld im Land lassen: Es wird von 42 Millionen Euro ausgegangen. Allerdings hat der mit dem Ticketverkauf betraute Reiseveranstalter Halcón Viajes am Montag (25.8.) zugeben müssen, dass man vor allem an den Standorten Las Palmas und Barcelona Probleme habe, die Karten loszuwerden. Bilbao dagegen sei bereits so gut wie ausverkauft. Dort spielen die USA.

Deutschland hat sich nicht qualifiziert
Die deutsche Basketball-­Nationalmannschaft wird in Spanien das erste Mal seit 16 Jahren nicht bei einer Weltmeisterschaft vertreten sein. Das Team um NBA-Superstar Dirk Nowitzki verpasste durch das Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Slowenien die Qualifikation. Die einzige Chance, doch in Spanien dabeizusein, ergab sich daraufhin im Winter durch ein Wildcard-Verfahren. Deutschland hatte sich um einen der vier Startplätze beworben, zog allerdings die Bewerbung wegen vermeintlich intransparenter Bedingungen zurück. Da der internationale Basketball-Verband FIBA vor der Ausschreibung keine klare Summe für einen Startplatz genannt hatte und der Deutsche Basketball-Bund (DBB) von etwa 200.000 bis 300.000 Euro ausgegangen war, ließ der DBB die Bewerbung fallen, als es sich im Endeffekt um eine Summe von etwa einer Million Euro handelte. Andere waren weniger zimperlich: Finnland, Griechenland, Brasilien und die Türkei sicherten sich die vier Plätze.

Spanien spielt die Vorrunde in Granada
Die Weltmeisterschaft beginnt am Samstag (30.8.) und endet Mitte September mit dem Finale in Madrid (14.9.). Die Gruppenspiele werden in Las Palmas de Gran Canaria, Granada, Sevilla und Barakaldo, einem Vorort von Bilbao, ausgetragen. Die Endrunde findet ab dem 6.9. in Barcelona und Madrid statt.

Gruppe A (alle Spiele in Granada): Spanien, Frankreich, Brasilien, Serbien, Iran, Ägypten
Gruppe B (alle Spiele in Sevilla): Argentinien, Griechenland, Kroatien, Puerto Rico, Philippinen, Senegal
Gruppe C (alle Spiele in Bilbao-Barakaldo): USA, Türkei, Neuseeland, Dominikanische Republik, Finnland, Ukraine
Gruppe D (alle Spiele in Las Palmas de Gran Canaria): Litauen, Slowenien, Australien, Angola, Mexiko, Südkorea

Vorrundenspiele der spanischen Nationalmannschaft:
Spanien-Iran (30.8.)
Spanien-Ägypten (31.8.)
Spanien-Brasilien (1.9.)
Spanien-Frankreich (3.9.)
Spanien-Serbien (4.9.)
Alle Vorrundenpartien mit spanischer Beteiligung beginnen um 22 Uhr.



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