Zweitligist VfL Bochum trainiert auf Mallorca

Das Trainingslager soll der Start in eine ruhigere Zukunft werden

08.01.2018 | 20:09
Das Training auf Mallorca soll für die Bochumer ein Neustart sein.

Das hat gerade noch gefehlt. Nach einer verkorksten Hinrunde mit Rücktritten in der Vorstandsebene, protestierenden Fans und zeternden Spielern stand das Trainingslager auf Mallorca des Zweitligisten VfL Bochum nach dem Aus der Fluggesellschaft Niki auf der Kippe. Doch die gute Nachricht im neuen Jahr: Das Trainingslager findet statt! „Wir haben einen neuen Flug gebucht, die Mannschaft wird wie geplant am 9.1. auf Mallorca landen", sagt Jan Aben aus der Presseabteilung des Clubs der MZ am Telefon. Das Team fliegt nun ab Amsterdam.

Dort wird trainiert, und wahrscheinlich auch an den Problemen gearbeitet, die den Verein nicht ­loslassen. Doch was genau auf dem Programm steht, sei Sache des Trainers und werde mannschafts­intern geregelt, so Sprecher Aben. „Wir wollen aufsteigen", sagte Sportvorstand Christian Hoch­stätter vor dieser Saison. 18 Spieltage und zwei entlassene Trainer später dümpelt der Club auf Platz zwölf rum. Es gibt viel zu tun:


Das Trainerproblem


Viele Bundesligatrainer und Experten sahen den VfL Bochum in dieser Saison als Anwärter auf den Aufstieg. Der knurrige Holländer Gertjan Verbeek ließ attraktiven und offensiven Fußball spielen. Mit dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Sidney Sam, dem Australier Robbie Kruse und dem Österreicher Lukas Hinterseer, Neffe des Schlagersängers Hansi, hat sich der Club zudem namhaft verstärkt. Doch bevor die ­Saison überhaupt losging, kam es zum ersten Knall. Zweieinhalb Wochen vor dem Auftakt wurde Trainer Verbeek entlassen. Die Ursache lag weniger im sport­lichen als vielmehr im zwischen­menschlichen Bereich.

Hochstätter verpflichtete als Ersatz den unerfahrenen Ismail Atalan von den Sportfreunden Lotte. Mit dem Drittligisten hatte der Coach im DFB-Pokal in der Vorsaison gleich drei höherklassige Teams ausgeschaltet. In der zweiten Liga stand Atalan noch nie an der Seitenlinie. Nach nur 91 Tagen war sein Debüt beendet. Unglücklicherweise zwei Tage nachdem ihn Hochstätter auf der jährlichen Mitgliederversammlung noch willkommen geheißen hatte. Nachwuchstrainer Jens Rasiejewski übernahm erst interimsweise, später gab ihm der Sportvorstand einen Vertrag bis 2019.


Suspendierter Kapitän


Mit der Entlassung Atalans ging die Suspendierung von Kapitän Felix Bastians einher. Der Ex-Coach hatte sich zuvor noch schützend vor seinen Spieler gestellt. Beim Auswärtsspiel in Nürnberg hat der Allergiker Bastians vom Verein das falsche Essen bekommen und einen allergischen Schock erlitten. „Brot kann schimmeln, ihr könnt nichts", sagte er daraufhin zum Trainerteam, bei dem er sich hinterher dafür entschuldigte.

Einen Monat zuvor hatte die Deutsche Olympische Gesellschaft Bastians noch mit dem Fair-Play-Preis ausgezeichnet. Bei einem Ligaspiel gegen Darmstadt hatte der Abwehrspieler den Schiedsrichter korrigiert, der beim Stand von 0:1 auf Elfmeter für Bochum entschied. Er sei nur gestrauchelt und nicht gefoult worden. Bochum gewann das Spiel am Ende doch noch mit 2:1. Auch im Fall der Suspendierung kämpfte Bastians für Gerechtigkeit. Der Spieler zog vor Gericht. Bevor es zur Verhandlung kam, einigten sich beide Parteien. Bastians pausierte nur ein Spiel und durfte fortan wieder mitmischen.

Damit war die Angelegenheit jedoch nicht geklärt. Für den Spieler ist das Verhältnis zu Sportvorstand Hochstätter irreparabel. Er reichte zur Winterpause eine Transfer­anfrage ein und präsentierte mit einem chinesischen Club auch einen Abnehmer, der laut Bastians eine marktwertgerechte Ablöse zahlt. Hochstätter sah das anders. Zudem sei der sportliche Wert von Publikumsliebling Bastians zu hoch.


Weihnachtliche Flucht


Der Fall Bastians sollte nicht der letzte Paukenschlag des Jahres sein. Zwei Tage vor Heiligabend gaben Kabarettist Frank Goosen und Matthias Knälmann überraschend ihren Rücktritt aus dem Aufsichtsrat bekannt. Auch Finanzvorstand Wilken Engelbracht verkündete seinen Abschied zum Saisonende. Letzterer war das Gesicht für das Projekt Ausgliederung. Diese wurde bei der Mitgliederversammlung beschlossen und soll dem Verein in der Zukunft durch den Verkauf von Anteilen die nötigen Millionen für den Aufstieg bringen. Diese wirtschaftliche Entscheidung sehen viele Fußballfans kritisch, da sie befürchten, dass der Verein somit seine Werte verkauft. Nach der Versammlung in Bochum kam es zu schweren Tumulten mit Verwüstungen und Entzündung von Feuerwerkskörpern mit Verletzungsfolgen. Seitdem haben Teile der Ultra-Fans dem Verein die Unterstützung bei den Spielen entsagt. Zudem kursiert seit einem Monat eine Petition, die die Absetzung des Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Villis fordert.

Das Trainingslager auf Mallorca ist für den Club ein kleines Exil. Vielleicht wäre eine Nachfrage bei Real Mallorca ratsam, wie man nach dem Chaos zu erfolgreichen Zeiten zurückkehrt.

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