Von der Türkei nach Mallorca: Pfarrer Peter Wehr

"Ich hielt Messe hinter verschlossenen Türen": Für den neuen Pfarrer der deutschsprachigen Katholiken auf der Insel wird nun vieles leichter.

19.11.2009 | 17:39
Mission Mallorca: Pfarrer Peter Wehr.
Mission Mallorca: Pfarrer Peter Wehr.

Das Flugticket für Peter Wehr nach Mallorca ist bereits gebucht: Mitte Dezember wird der neue Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde auf der Insel eintreffen, um dann am vierten Adventssonntag (20.12.) seinen ersten Gottesdienst zu halten. Wehr (Berlin, 1961) arbeitete nach dem Studium in Erfurt im Erzbistum Berlin in der Seelsorge sowie in der kirchlichen Verwaltung. In Halle hat er promoviert. Die vergangenen fünf Jahre war er in der Türkei im Einsatz. Auf Mallorca löst er Pfarrer Walter Eith ab, der nach nur zwei Jahren nach Deutschland zurückgekehrt ist.

War Mallorca Ihr Wunschziel?
Ich habe nicht speziell Mallorca als Wunsch angegeben, wollte aber gerne in Europa bleiben. Das Auslandssekretariat fragte mich, ob ich diese Aufgabe übernehmen könnte, und ich habe zugestimmt, nachdem ich mir das Gemeindehaus angeschaut und mich ausführlich mit Pfarrer Eith unterhalten hatte.

Was hat Sie an der Arbeit im Ausland gereizt?

Ich bin sehr gerne unterwegs. Es hat mich immer interessiert, auch einmal im Ausland zu leben, aber auch zu erfahren, wie sich Deutsche fern der Heimat orientieren.

Haben Sie schon einen Eindruck von der deutschen Gemeinde auf Mallorca gewinnen können?
Nein, aber ich kenne einige deutsche Residenten. Vor drei Jahren habe ich einmal als Urlauber eine Sonntagsmesse in Peguera besucht und konnte sehen, dass die Besucher zum Teil Touristen und zum Teil Langzeitresidenten waren.

Kontrastprogramm zum Einsatz in der Türkei …
Die Aufgaben sind durchaus unterschiedlich. Die römisch-katholische Kirche ist in der Türkei keine anerkannte Religionsgemeinschaft. Das hat natürlich auch Rückwirkungen auf eine deutsche Auslandsgemeinde. Nur aufgrund der Fürsorge des deutschen diplomatischen Dienstes war es im Grunde möglich, dort ein Gemeindeleben zu führen.

Was hieß das in der Praxis?
Der Gottesdienst fand hinter verschlossenen Türen statt. Eine Öffentlichkeit in der türkisch-muslimischen Mehrheitsgesellschaft herzustellen, war einfach nicht möglich. In Ankara beispielsweise haben wir die monatliche Sonntagsmesse in der deutschen Schule gefeiert, die zugleich zum deutschen Botschaftsgelände gehört.

Sozusagen auf deutschem Hoheitsgebiet …
Genau. Wir mussten uns immer die Frage stellen, inwieweit die Sicherheit für die Messebesucher, aber auch meiner Person gegeben war. Wer in Istanbul am Sonntag die Messe besuchen wollte und den Weg nicht genau kannte, stand vor verschlossenen Türen. In Ankara musste sich jeder Gottesdienstbesucher im Vorfeld namentlich anmelden.

Freuen Sie sich, dass es auf Mallorca leichter wird?
Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Aber ich habe auch meine Arbeit in der Türkei sehr gerne wahrgenommen und mich einer solchen Herausforderung gestellt. Der Abschied fällt mir nicht leicht. Die Arbeit brachte im Übrigen auch eine politische Komponente mit sich: Die Frage der Religionsfreiheit ist insofern relevant, weil sich die Türkei der EU annähert. Wir können da bei Lichte besehen nicht von Religionsfreiheit sprechen.

Gab es Probleme mit der politischen Führung?
Da die Gemeinde die Vorgaben des Gastlandes beachtet hat, also nicht in die türkisch-muslimische Mehrheitsgesellschaft hinein gewirkt hat, gab es keine Schwierigkeiten.

Wer waren Ihre Messebesucher in der Türkei?
Das waren hauptsächlich Deutsche, die große deutsche Unternehmen für einige Jahre in die Türkei in ihre dortigen Filialen entsandt haben. Hinzu kamen Vertreter des deutschen diplomatischen Dienstes, des Goethe-Instituts, der politischen Stiftungen oder von deutschen Schulen. Der geringere Teil waren Deutsche, die aus familiären und privaten Gründen in der Türkei leben. Das erwarte ich mir auf Mallorca anders.

Gibt es dennoch Gemeinsamkeiten?
Warum kommen Menschen, die im Ausland leben, zu uns? Sie suchen etwas, was mit der eigenen kulturellen und religiösen Prägung zu tun hat, und da ist so eine Gemeinde ein Anknüpfungspunkt. Das ist natürlich im Kontext des Orients noch ausgeprägter.

Anders als in Istanbul werden Sie ohne Pfarrgemeinderat auskommen müssen.
Das Wichtige ist, dass es in der Gemeinde Menschen gibt, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen. So habe ich vernommen, dass Krankenhausbesuche und Bastel- kreise organisiert werden. Auch dass sich einige in der Kirchenmusik engagieren. Möglicherweise gelingt Gemeindeleben auch ohne eine solche Struktur.

Können Sie schon Spanisch?
Ich hatte bisher nur als Tourist Kontakt mit der Sprache. Ich werde, bevor ich nach Mallorca komme, eine Sprachenschule besuchen und so einige Grundkenntnisse mitbringen.

Können Sie sich vorstellen, auch am Ballermann Urlauber für den Messebesuch zu gewinnen?
Die Frage ist, welche Klientel für religiöse Fragen ansprechbar ist. Ich glaube, dass sind weniger Party- und Badetouristen als Urlauber, die auch der kulturelle Aspekt interessiert und die sich zum Beispiel die Kathedrale in Palma ansehen.

Wie lange wird Ihre Mallorca-Mission dauern?
Das ist bei der katholischen Auslandsseelsorge ein wenig offen. Ich bin jedenfalls weitere fünf Jahre für diese Aufgabe freigestellt.

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