28. Oktober 2010
28.10.2010

Mallorca-Pilze mit Tiefenschärfe

Im Oktober und November schießen die Pilze aus dem Waldboden. Der Forstbeamte Joan Lillo macht sich dann auf die Suche nach neuen Fotomotiven

28.10.2010 | 03:00
Joan Lillo auf seinem Hausberg bei Alaró.

Pilze sind Mini-Kunstwerke der Natur. Die Skulpturen aus Hut, Lamellen und Stiel sind jetzt im Herbst nicht nur ein kulinarisches Ereignis. Joan Vicenç Lillo Colomar fotografiert mit Leidenschaft bolets, wie man sie im Katalanischen nennt. Seine Sammlung umfasst tausende von digitalen Pilzmotiven. „Wer sich meine Fotos anschaut, soll die Pilze erkennen können, aber auch die Feuchtigkeit des Waldbodens spüren", sagt Joan Lillo, der auf der folgenden Seite acht der häufigsten auf Mallorca anzutreffenden Speisepilzarten vorstellt.

Dieses Jahr ist der 50-Jährige mit einer Nikon P80 unterwegs, eine Kamera mit genügend Brennweite für die Tiefenschärfe. Seit 15 Jahren fotografiert er Pilze. Und wenn der Pilzexperte heute nach langer Zeit wieder eines seiner Fotos betrachtet, weiß er genau, wo sich der betreffende agre befindet – so nennen die Mallorquiner Pilzfundorte.

Lillo stammt aus Alaró und ist agente de Medio Ambiente beim Umweltministerium der Balearen. Er kümmert sich um die Aufforstung der Kiefern- und Eichenwälder sowie der Olivenhaine. Der Forstbeamte wacht darüber, dass im Sommer keine Feuer angezündet werden oder Wanderer keine Höhlen betreten, in denen Fledermäuse hausen. Zu seinem Terrain gehören die Wälder in Alaró, Consell, Lloseta, Santa Maria und Bunyola sowie Es Tossals Verds.

Im Oktober und November aber nimmt sich der Umweltschützer Urlaub und sucht auf den Ausläufern der Serra de Tramuntana nach agres. „Ob giftig oder essbar, alle Pilze sind wichtig für das Ökosystem der Wälder." Sie tragen zur
Humusbildung bei und leben in enger Symbiose mit den Bäumen.

Papierabzüge seiner Pilzmotive waren bereits in mehreren Ausstellungen verschiedener Gemeinden zu sehen. Für dieses Jahr sind Vorträge geplant. Auch in Schulen unterrichtet Lillo im Rahmen der Umweltkunde Mykologie, Pilzkunde. „Wer sich intensiv mit bolets beschäftigt, kann nicht nur reichlich Pilze essen, er wird auch ein Gespür für den sorgsamen Umgang mit der Umwelt entwickeln." Auf den Balearen würden ohnehin genügend Pilze für alle wachsen.

Deshalb nimmt Joan Lillo auch Anfänger mit auf den Berg. Es gelte viel zu lernen, bevor man den ersten selbst gesammelten Pilz verspeist. Am besten gehe man mit einem anderen Pilzesammler mit. Oder berate sich zumindest im Internet mit den Kennern. Lillo rät, die gesammelten Pilze zu fotografieren und im Netz begutachten zu lassen. Entsprechende Seiten mit Inselpilzen findet man unter amicsarbres.blogspot.com und www.gobmallorca.com (Fòrums del Gob, ForumPlanta). In deutscher Sprache gibt es Pilz-Blogs wie etwa www.pilzwanderer.de.

Mehr Informationen zu Pilzen gibt es am Dia de Mycologia: 19. und 20. November, Museu Balear de Ciències Naturals in Sóller und auf der Fira d'Esclatasang: 28. November in Mancor de la Vall.

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