Josep Ferragut: der wenig bekannte Schöpfer der Glaskirche und sein Vermächtnis auf Mallorca
Welche Werke der Architekt auf Mallorca schuf und wie er La Porciúncula konzipierte

Blick auf den Komplex. / Archiv Judit Vega
Die Porciúncula sollte sein Meisterwerk werden. Doch ein halbes Jahr vor dessen Vollendung wurde Josep Ferragut ermordet – unter bis heute ungeklärten Umständen. Und weil die Polizei den Mord zunächst im Schwulen-Milieu ansiedelte – Homosexualität war im Franco-Regime strafbar –, hatte die Tat auch Auswirkungen auf das Andenken Ferraguts, die nach Einschätzung von Judit Vega bis heute nachwirken.
Die Kunsthistorikerin wie auch Ribot sind ohnehin von ganz anderen Motiven überzeugt: Ferragut war auch verantwortlich für städtebauliche Pläne und habe die Vorhaben einflussreicher Bauträger durchkreuzt. So warnte der Architekt bereits Anfang der 60er-Jahre vor einer Zersiedelung.

Judit Vega / Frank Feldmeier
Das Vermächtnis dokumentieren
Vega will mit ihrer Doktorarbeit das Schaffen des Visionärs und Arbeitstiers wieder in Erinnerung rufen und aufarbeiten. Es könne nicht angehen, dass ein Architekt, der die Insel so entscheidend geprägt habe wie Ferragut, in erster Linie mit dem Skandal um seinen Tod assoziiert werde, so die Galicierin in Anspielung auf einen Dokumentarfilm von 2017.

Architekt Josep Ferragut: rational und spirituell / Archiv Judit Vega
Der Architekt schuf Gebäude im regionalistischen und traditionellen Stil – man habe ihm zunächst seine progressiven Projekte nicht genehmigt, so Ferragut – integrierte aber zunehmend moderne Konzepte und machte sich schließlich als Vertreter des Rationalismus einen Namen. Davon zeugt besonders das heute unter Denkmalschutz stehende Gesa-Gebäude an der Einfahrt von Palma mit seiner verspiegelten Vorhangfassade.

Das Gesa-Gebäude. / DM
In 25 Jahren habe sein Büro mehr als 2.000 Projekte gestemmt, sagt Judit Vega. Die Liste ist schier endlos und reicht von Wohngebäuden in Palmas Prachtstraße Jaume III. und Schulen wie dem Col·legi de Sant Francesc über das Kraftwerk in Port d’Alcúdia und Hotelanlagen bis hin zu sakralen Bauten auch in Madrid und Valencia. Zeitzeugen beschreiben Ferragut als tiefreligiösen Menschen, über dessen Gesicht stets ein Schleier der Traurigkeit gelegen habe.
So entstand die Porciúncula
Im Projekt der „Mare de Déu dels Ángels de La Porciúncula“ konnte er dann Rationalität und Spiritualität gleichermaßen verwirklichen – ein spektakuläres, konvexes Gewölbe, das von 37 konzentrisch angeordneten, am inneren Ende in der Luft schwebenden Streben getragen wird. Mehrfach habe Ferragut die damals noch in Madrid zuständige Architektenkammer aufsuchen müssen, um sie von der Stabilität des Projekts zu überzeugen, heißt es. Der Trick: Die Balken sind im Innern durch nicht sichtbare Stahlringe miteinander verbunden.

Während der Bauphase. / Archiv Judit Vega
Für den Bau wurden zunächst quasi als Gerüst fünf Türme aus Sandstein errichtet. Nach der Verschalung der Balken sowie der vorgeschriebenen Ruhezeit für den Beton von 70 Tagen wurde das Steingerüst abgerissen. Um sicher zu sein, dass sich die Struktur aus Stahlbeton keinen Millimeter bewegte, hatten die Arbeiter Glasstücke zwischen Stein und Balken platziert – sie blieben heil.
Sogar ein Kino ist dabei
Die Funktionalität, sie zeigt sich auch in einer Aula direkt hinter dem Eingang im Erdgeschoss, den der Filmliebhaber für Kinovorführungen konzipiert hatte – der Kirchenraum hingegen ist über eine Treppe ins Obergeschoss erreichbar.
Im höchsten Maße spirituell dagegen ist der Platz Ramon Llull nebenan, der einer Tenne zum Dreschen von Getreide nachempfunden ist und Demut lehren soll. Unter einem „Sonnenschirm“ aus Stahlbeton ist ein Satz des Gelehrten eingraviert, den nur lesen kann, wer wie einst Esel oder Pferd die Tenne mehrfach umrundet.
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