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Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Wann ist Mallorca am schönsten?

Der Herbst hat begonnen. Dem Hitzesommer weint kaum wer eine Träne nach. Oder doch? Wir haben vier Besucher und Kenner der Insel gebeten, ihre liebste Jahreszeit auf Mallorca anzupreisen

Elke Lässer freut sich jetzt im Herbst wieder auf schöne Wanderungen. Privat

Die Sommergäste sind wieder fort, jetzt kommen andere Mallorca-Urlauber und auch viele Bewohner auf ihre Kosten. Denn jeder bevorzugt auf der Insel eine andere Jahreszeit. Wir haben vier Leserinnen und Leser gefragt, welches „ihre“ liebste Jahreszeit ist.

Herbst: „Wie ein Aufatmen“

Die 52-jährige Österreicherin Elke Lässer lebt seit 25 Jahren auf Mallorca. Die Wanderführerin erlebt den Herbst als ein Erwachen nach dem Sommer:

„Der Sommer ist ja immer sehr trocken, die Farben sind grau, es ist alles mit Staub zugedeckt. Und dann kommt der erste Regen und es geht ruck, zuck. Sofort sieht man die ersten Blümchen am Wegesrand stehen, der ganze Wald wirkt wie abgewaschen, auf einmal sind da wieder diese vielen Grünschattierungen. Man merkt auch bei den Menschen, der Herbst ist wie ein Aufatmen: Wir haben den Sommer wieder überstanden.

Das Herbstgewächs schlechthin für mich ist Erika, auch Heidekraut genannt. Ich liebe es, im Herbst jene Strecken entlangzuwandern, wo es viel davon gibt. Ich denke da etwa an den Parc de Llevant bei Artà, da gibt es einen Weg zur Küste runter, der mit Erika vollgepackt ist. Die altrosafarbenen Blüten mit dem Blau des Meeres dahinter, das gibt ein Farbenspiel ab, das ist sensationell.

Auf Mallorca blüht im Herbst das Heidekraut auf, Elke Lässer

Aber es gibt natürlich noch viele andere Strecken, die ich für den Herbst empfehle. Wer eher eine leichte Wanderung oder einen Spaziergang machen will, kann in den Parc Natural de Mondragó mit seinen ausgeschilderten Wegen. Sie haben den Vorteil, dass man die Tour mit einem Bad verbinden kann. Im Herbst ist die Temperatur außen meist angenehm unter 30 Grad, das Meer aber noch warm. Wer eine größere Wanderung machen will und keinen Meerblick braucht, dem empfehle ich hingegen die Tour rund um den Berg Tossals Verd. Da geht es in das Herz der Serra de Tramuntana. Man startet am Cúber-Stausee und läuft einmal um den Tossals Verd herum. Es ist eine technisch teils anspruchsvolle Tour, aber in diesen 4,5 Stunden taucht man voll und ganz in die Bergwelt ein.“

Winter: einfach „dabei sein“

Alide und Gerold Meppelink entflüchten im Winter dem norddeutschen Schmuddelwetter.

Der 70-jährige Gerold Meppelink überwintert mit seiner Frau Alide auf Mallorca. Für ihn hat die Insel in der Zeit etwas Ursprünglicheres.

„Ich komme aus einem kleinen Ort im Westen von Niedersachsen. Wenn im Winter so um die Weihnachtszeit dort das typische norddeutsche Schmuddelwetter herrscht – nasskalt und ungemütlich –, dann ist es wunderbar, sich in den Flieger zu setzen und in zwei Stunden auf Mallorca in der wärmenden Sonne zu sein. Meist ist das Wetter um den Jahreswechsel auf der Insel sehr angenehm. Die Luft ist geradezu samtig. Ende Januar bricht das Wetter zwar oft ein, aber es ist dann immer noch angenehmer als zu Hause.

Meine Frau Alide und ich haben eine Wohnung in einer Siedlung im Gemeindegebiet von Llucmajor. Von dort haben wir einen wunderbaren Blick auf die Bucht von Palma und auf das Meer. Wenn wir ankommen, setzen wir uns erst einmal auf die Terrasse und lassen uns die Sonne auf die Nase scheinen. Ich bin freier Fotograf, und auch deswegen ist mir Mallorca im Winter lieber. Ich fotografiere gerne, wenn alles saftig grün ist. Im Sommer ist die Landschaft ja eher braun.

Ich gehe auch gerne an der Playa de Palma spazieren, wenn dort nicht so viel los ist wie den Rest des Jahres über. Ich fotografiere dann den geschlossenen Ballermann. Dieses leicht Heruntergekommene, Morbide fasziniert mich.

Meine Frau und ich besuchen auch gerne die Feste im Winter, wie Sant Antoni und Sant Sebastià in Palma. Dann sind vielerorts diese dimonis unterwegs und machen Feuerläufe. Ich habe mich auch schon in den Zug gemischt, war von Funken und Feuer umgeben – es hat Spaß gemacht. Auch die Tiersegnungen zu Sant Antoni lohnen sich. Das sind alles keine Veranstaltungen für Touristen, sondern Feste für Einheimische. Ich halte mich deswegen auch zurück und versuche, nicht zu stören. Es ist einfach schön, dabei zu sein. Überhaupt: Der Winter ist viel schöner und stressfreier, weil die ganzen Urlauber eben nicht da sind.“

Frühling: „Der bessere Sommer“

Maya Rodríguez genießt im Frühling leere Buchten und die ersten Sonnenstrahlen. PRIVAT

Die 37-jährige Maya Rodríguez ist als einzige auf dieser Doppelseite keine Wahl-Mallorquinerin, sondern hier geboren. Durch ihre deutsche Mutter ist sie in beiden Kulturen heimisch. Sie bietet auf Spanisch, Deutsch und Englisch Städteführungen an. Dafür eigne sich die Zeit ab März besonders gut, findet Rodríguez.

„Ich mache Führungen durch Palma und Valldemossa. Im Sommer müssen wir durchgehend Schattenplätze suchen und Trinkpausen einlegen. Die Teilnehmer sind dann wegen der Hitze oft gereizt. Der Frühling dagegen ist perfekt für eine Städtetour. Man freut sich nach den Wintermonaten über die Sonne, hat Energie getankt, und auch die Einheimischen sind gut gelaunt und haben nicht wie im Sommer die Nase voll von all den Touristen.

Ich empfehle meinen Tourgästen häufig, Spaziergänge zu machen. In Valldemossa kann man sich einfach durch die engen steinernen Gassen treiben lassen. In Palma gibt es beispielsweise den Paseo Dalt Murada, der die Stadtmauer entlangführt. Er beginnt unter der Kathedrale, biete eine tolle Aussicht und vielen Sitzmöglichkeiten. Wer möglichst viele Orte sehen will, kann beispielsweise an einem Tag Fornalutx, Sóller, Deià und Valldemossa abfahren. Von Valldemossa aus lässt sich dann auch ein wenig wandern.

Auch sonst ist der Frühling meine Lieblingsjahreszeit, allein schon wegen der Temperatur. Im Sommer ist es viel zu heiß, im Herbst regnet es oft, und die Kälte naht, und im Winter ist es definitiv regnerisch und kalt. Auch die Natur ist im Frühling besonders schön: die bunten Blumen, die grünen Felder.

Das Leben kehrt zurück, aber es sind gleichzeitig noch nicht so viele Menschen auf der Insel. Ich fahre dann gerne an die Ostküste, dort gibt es die schönsten Buchten der Insel. Cala Varqués beispielsweise. Man läuft vom Parkplatz aus etwa 20 Minuten, aber einmal dort ist das Wasser klar, türkis, wie in der Karibik, oder sogar noch schöner. Im Sommer sind diese Buchten so überfüllt, dass ich keine Lust auf sie habe. Im Frühling aber ist dort Platz. Wer sich traut, kann auch schon ins Meer hüpfen. Das Wasser ist zwar kühl, aber so ein kurzes Bad ist bekanntlich gesund.

Wenn es dann immer wärmer wird und die Sonne wieder mehr scheint, wächst in mir eine richtig schöne Vorfreude auf den Sommer. Dann gibt es auch schon Orangeneis und andere Leckereien. Ich mache mir gerne einen Gazpacho, es kommen die ersten leckeren Tomaten. Diese Vorfreude ist meist besser als der eigentliche Sommer, wenn es dann zu heiß und zu voll ist. Am Ende ist der Frühling der bessere Sommer.“

Sommer: „Gut-Wetter-Garantie“

Nora Düsings Töchter haben sich im Sommer am Naturtstrand Es Trenc ausgetobt.

Die 37-jährige Nora Düsing kommt schon seit ihrer Kindheit nach Mallorca. Inzwischen macht sie Sommerurlaub mit ihrem Mann, den gemeinsamen Töchtern im Alter von fünf und sieben Jahren, ihren Eltern und ihrer Schwiegermutter. Für sie ist Mallorca im Sommer mehr als nur Sonne und Strand:

Ich verbinde Mallorca mit Sommer. Wenn ich mich an die Urlaube zurückerinnere, haben wir immer eine entspannte Zeit mit der Familie verbracht. Wir mieten jedes Mal eine Finca, bevorzugt im Südosten rund um Felanitx und Campos. Für uns bietet sich Mallorca für die Sommerferien an, weil die Mischung stimmt: Wir können die Strände genießen, Städte und Dörfer besichtigen, kleine Wanderungen unternehmen. Überhaupt hat Mallorca eine gute Größe. Die Insel ist überschaubar. Wir kennen uns inzwischen gut aus, was den Urlaub entspannter macht. Doch obwohl wir schon so oft da waren, haben wir viele Sachen immer noch nicht gesehen und gemacht.

Auch wenn wir nicht die klassischen Strandgänger sind, waren wir in diesem Jahr oft am Es Trenc. Die Kinder fanden es toll, im Sand zu buddeln und im Wasser zu toben. Wir kamen immer sehr früh und gingen wieder, als es voll wurde. Nachmittags schauten wir uns eher die Örtchen rund um unsere Finca an. Sei es, um einen kleinen Spaziergang zu machen und ein Eis zu essen oder etwas essen zu gehen. Für die mallorquinische Küche sind die Kinder noch nicht zu begeistern, auch wenn die Fünfjährige sehr gerne Alioli ist. Ich dagegen kehre jedes Jahr einmal in der Porxada de Sa Torre bei der Torre de Canyamel ein und esse dort typisch mallorquinisches Essen wie Kaninchen und Spanferkel.

Dass wir immer im Sommer kommen, ist sicher auch den Schulferien geschuldet. Die Herbstferien sind bei uns meist Ende Oktober, das ist uns ein bisschen zu spät. Im Winter zieht es uns ohnehin eher in die Berge. Mallorca im Sommer – irgendwie passt das einfach gut. Es gibt eine Gut-Wetter-Garantie, die Sonne scheint die ganze Zeit, es ist immer schön warm, man kann die lauen Sommernächte auf der Finca genießen. Wir werden auch weiterhin dem Sommer treu bleiben.“

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