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Nebensaison auf Mallorca: Sollen Influencer für 1,4 Millionen Euro die Playa de Palma im Winter bewerben?

Der Sprecher der Rathauskoalition kündigt eine Maßnahme an, die aber dann doch ein Missverständnis gewesen sein soll

Soll es an der Playa de Palma auch im Winter so aussehen? Manu Mielniezuk

Das krisengeschüttelte Rathaus von Palma de Mallorca ist um eine Posse reicher: Am Montag (29.8.) hat Regierungssprecher Alberto Jarabo angekündigt, 1,4 Millionen Euro aus den Einnahmen der Touristensteuer zur Verfügung zu stellen, damit Influencer die Playa de Palma in der Nebensaison bewerben.

Die Ankündigung sorgte für Wirbel im Linkspakt, der aus den Sozialisten PSOE, der Linkspartei Podem und den grünen Regionalisten Més besteht. Neus Truyol, Dezernentin für Stadtentwicklung, erklärte, Més werde kein Projekt unterstützen, das die Ankunft von mehr Urlaubern bewirken soll. Als man die aktuellen Projekte besprochen habe, sei nie von Tourismuswerbung die Rede gewesen.

"Digitale Nomaden" sollen angelockt werden

Elena Navarro, Dezernentin für Tourismus, beeilte sich zu erklären, dass man so etwas auch nie vorgehabt habe. Ihrer Ansicht nach handele es sich um einen "Transkriptionsfehler". Stattdessen wolle man die Gelder dafür einsetzen, um sogenannte "digitale Nomaden" in den Wintermonaten an die Playa zu längeren Aufenthalten zu locken. Ein ähnliches Modell verfolge man etwa in Urlaubsorten auf den Kanaren und in Portugal. Dies sei ein wichtiger Schritt, um langfristig nicht mehr vom Tourismus abhängig zu sein, so Navarro.

Daraufhin meldete sich Jarabo zu Wort, der ebenfalls betonte, nichts zu unterstützen, was der Tourismuswerbung dient. Er räumte ein, dass es bei den Absprachen wohl zu einem Fehler gekommen war und bat darum, dass man ihm das ganze Projekt nochmal genau erkläre.

Ungünstiger Moment

Die überraschende Ankündigung Jarabos fällt in einen ungünstigen Moment. Aktuell herrscht auf der Insel eine Debatte darüber, ob in diesem Sommer nicht schon wieder zu viele Urlauber auf Mallorca waren.

Den Streit um den sogenannten Overtourism hatte zudem kürzlich auch der Inselrat zu spüren bekommen. Mitte August hatte Präsidentin Catalina Cladera angekündigt, man werde dem Fußballclub RCD Mallorca 1,8 Millionen Euro für die Namensrechte am Stadion Son Moix überweisen, damit dieses weiterhin "Visit Mallorca Estadi" heiße. Dieser Schritt hätte die ebenfalls aus den drei linken Parteien bestehende Koalition fast platzen lassen.

Am Dienstag erklärte eine Sprecherin der Stadtverwaltung dann, man werde das Projekt zurückziehen. /pss

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