24. Juni 2020
24.06.2020
Mallorca Zeitung

Covid-19: Diese Protokolle gelten jetzt auf Mallorca

Kontrollen am Flughafen, Callcenter im Gesundheitszentrum, täglich Hunderte Tests: Wie in der "neuen Normalität" eine zweite Infektionswelle verhindert werden soll

24.06.2020 | 19:09
Wärmebildkamera am Flughafen von Mallorca.

Die Temperaturkontrolle können unaufmerksame Passagiere durchaus übersehen. Zum Einsatz kommt kein manuelles Messgerät mehr, das den Fluggästen wie eine Pistole vor die Stirn gehalten wird. Vielmehr steht die Wärmebildkamera in den bislang aktivierten Terminals B und C von Palmas Airport auf einer Art Stativ und misst die Körpertemperatur der ankommenden Fluggäste, während diese vorübergehen. Auch das Ausfüllen der Passenger Location Card (PLC) fällt nun leichter, neben Spanisch und Englisch liegen die Formulare jetzt auch auf Deutsch vor, wie eine Sprecherin der Flughafenverwaltung Aena gegenüber der MZ versichert. Das Formular, in dem nach möglichen Covid-19-Symptomen gefragt wird, soll in Zukunft auch digital vorliegen. Und kümmerten sich bislang balearisches Gesundheitsministerium und Rotes Kreuz um die sanitären Kontrollen, wird ab Juli Aena selbst unter der Regie des spanischen Gesundheitsministeriums das nötige Personal stellen müssen.

Was bisher Ausnahmezustand war, wird zur Routine bei der Kontrolle der ankommenden Passagiere. Die Protokolle zur Verhinderung einer zweiten Corona-Infektionswelle sind inzwischen allerorts auf Mallorca durchgetaktet und stellen viele Arbeitsabläufe völlig um. Das betrifft nicht nur die ersten Schritte von Flugpassagieren, sondern das gesamte Gesundheitssystem auf den Balearen, das gleichermaßen die Versorgung von Covid- und Nicht-Covid-Patienten garantieren muss. Statt um die Behandlung Infizierter geht es immer stärker um Vorsorgemaßnahmen, Kontrolle, Nachbehandlung sowie die Analyse der beobachteten Krankheitsbilder.

Auch in den 45 Gesundheitszentren auf Mallorca wird der bisherige Ausnahme­zustand – zwei Drittel der Patienten melden sich zunächst telefonisch – zur neuen Regel. In der Theorie funktioniert das neue Modell so: Patienten schildern am Telefon ihr Anliegen, um dann von einer zuständigen Fachkraft zurückgerufen zu werden (cribaje telefónico). Verwaltungsangestellte melden sich, um elektronische Rezepte oder Zertifikate auszustellen. Krankenschwestern und -pfleger beraten Patienten bei Fragen zur Behandlung unter anderem chronischer Krankheiten. Pharmazeutische Fachkräfte klären Fragen zu Medikamenteneinnahme. Und schließlich stehen auch medizinisch-technische Assistenten bereit, um beispielsweise Anträge auf Laboruntersuchungen aufzunehmen.

Was das Infektionsrisiko verringert, hat allerdings auch Nebenwirkungen, etwa in Folge des Callcenter-Effekts: Man trägt sein Leid verschiedenen Gesprächspartnern immer wieder von Neuem vor, das Risiko von späten oder falschen Diagnosen steigt. Ein Patient, der bei drei Anrufen von Kopfschmerzen berichtete, musste schließlich wegen einer Gehirnblutung im Krankenhaus Son Espases versorgt werden, wie ein Arzt gegenüber der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" berichtet. Bei einem anderen Patienten sei erst nach sieben Anrufen und vor Ort ein Lungentumor diagnostiziert worden. Aufgrund dieser Erfahrung bitte man Patienten inzwischen grundsätzlich nach dem zweiten Anruf ins Gesundheitszentrum. Dort markiert ein Farbleitsystem die Bereiche für Covid- und Nicht-Covid-Patienten: Rote Linien weisen Patienten mit Atemwegsbeschwerden den Weg, blaue Linien dagegen lotsen alle weiteren Patienten.

Auf Hochtouren läuft inzwischen die robotergesteuerte Auswertung der PCR-Tests in Son Espases, wo fast bis zu 800 Proben gleichzeitig analysiert werden. Derzeit sind es laut Gesundheitsbehörde rund tausend am Tag, im Notfall reichten die Kapazitäten aber für bis zu 10.000. Mittlerweile wurde bereits jeder zehnte Balearen-Bewohner einmal getestet. Man will vor allem gerüstet sein: Im Zuge der möglichst lückenlosen Nachverfolgung der Infektionsketten sind die Tests inzwischen auch für all diejenigen Personen vorgesehen, die engen Kontakt mit Infizierten hatten.

Wer unter Quarantäne gestellt wird, kann diese zu Hause oder im Fall von Urlaubern in eigens dafür reservierten Ferienapartments in der Gemeinde Calvià verbringen. Unklar ist, wer dafür die Kosten übernimmt – eine Anfrage der MZ beim Tourismusministerium blieb unbeantwortet. Dabei kann sich der unfreiwillige Aufenthalt hinziehen: Das Protokoll schreibt vor, dass Urlauber nicht abreisen dürfen, bevor nicht eine mögliche Infektion ausgestanden und die von den Gesundheitsbehörden verhängte Quarantäne absolviert ist. Das ist frühestens nach zehn Tagen der Fall (bislang 14 Tage).

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