24. Juli 2020
24.07.2020
Mallorca Zeitung

Wie man die Corona-Zahlen auf Mallorca richtig interpretiert

Was genau ist ein Infektionsherd? Ab wann könnte ein neuer Lockdown drohen? Und warum ist Panik oder Hysterie gänzlich fehl am Platz? Von der Schwierigkeit, die Statistiken einzuordnen

24.07.2020 | 01:00
Ein positiver Covid-19-Test muss nicht gleich zu einer Gefahr für ganz Mallorca werden

Dass auf Mallorca immer wieder vereinzelte Neuinfizierungen mit Covid-19 auftreten, war zu erwarten. Ein Grund zur Panik sei das nicht: „Nur weil ein Mensch positiv getestet wird, stellt das nicht automatisch eine Bedrohung für die ganze Insel da", so Javier Arranz, Arzt und Sprecher des Corona-Kommitees im balearischen Gesundheitsministerium. Er hat in den vergangenen Tagen eine leichte Hysterie bemerkt, sowohl bei Menschen, die sich ohne triftige Gründe panisch in den Gesundheitszentren meldeten, um testen zu lassen, ob sie Covid-19-positiv sind, als auch in den mallorquinischen Medien, die teilweise dramatisierend und fehlerhaft über einen angeblichen Corona-Infektionsherd in einem Restaurant in Cala Ratjada berichtet hatten – eine Falschmeldung, die für viel Wirbel sorgte. Dabei sei die Corona-Lage unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten auf Mallorca derzeit nicht besorgniserregend. „Entscheidend ist, dass mögliche Infektionsketten schnell unterbrochen werden. Und das klappt momentan gut."

Als Infektionsherd (Spanisch: "brote") bezeichnen die Behörden Fälle, in denen drei oder mehr Menschen aus dem selben Umfeld positiv auf Covid-19 getestet wurden. Sprich: Wenn ein Infizierter mindestens zwei Menschen nachweislich angesteckt hat. Auf Mallorca entdeckten die Behörden in der vergangenen Woche vier Infektionsherde, die allerdings alle unter Kontrolle seien, da die Kontaktpersonen ausfindig gemacht und unter Quarantäne gestellt werden konnten.

Bei der Frage, wann eine allgemeine Gefährdung besteht, müsse man vor allem unterscheiden zwischen Fällen, in denen nur das direkte familiäre Umfeld betroffen ist, und solchen, in denen Personen aus verschiedenen Haushalten infiziert sind, was zum Beispiel durch Ansteckungen am Arbeitsplatz passieren kann, erklärt Arranz. „Letzteres ist deutlich beunruhigender, denn dann wird es schwieriger, alle Kontaktpersonen schnell zu identifizieren."


Vertrauen auf die Experten

Rund 150 Experten der balearischen Gesundheitsbehörde kümmern sich derzeit – verteilt auf die örtlichen Gesundheitszentren – darum, in jedem Positiv-Fall akribisch die näheren Kontakte des Infizierten der vergangenen Tage mit ihm zu rekonstruieren, ausfindig zu machen und testen zu lassen. Näher, dazu zähle aber nicht der Nachbar, der den Infizierten kurz von Weitem gegrüßt hat. „Jeder sollte darauf vertrauen, dass wir unsere Arbeit machen. Wir setzen uns mit allen tatsächlich Gefährdeten in Verbindung. Wer nicht von uns kontaktiert wird, zählt nicht dazu und braucht sich keine Sorgen zu machen." Aufgrund der hohen Fallzahlen in Katalonien überlegen die Balearen nun, die Anzahl der Nachverfolger auf 400 aufzustocken.

Doch was, wenn eine individuelle Nachverfolgung aller direkter Kontaktpersonen nicht möglich ist? Beispielsweise, wenn ein infizierter Kellner nicht die Namen aller Kunden kennt, mit denen er in den vergangenen Tagen näher zu tun hatte? „Das ist auf Mallorca zum Glück noch nicht der Fall gewesen. Wenn es dazu käme, würden wir von der Gesundheitsbehörde eine öffentliche Warnung ausrufen und alle Kunden auffordern, sich bei uns zu melden."

Betroffenen Betrieben, in denen ein oder mehrere Fälle auftreten, rät Arranz nicht grundsätzlich dazu, damit direkt an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es kann zu unnötiger Panik führen. Besser ist es, sich vorher mit unseren Experten abzusprechen – und natürlich so schnell wie möglich die Behörden zu informieren." Das gelte auch für Privatpersonen, die eine begründete Sorge vor einer möglichen Ansteckung haben.


Letzter Ausweg: Lockdown

Und wann ist tatsächlich Sorge angemessen und ein erneuter lokaler oder regionaler Lockdown unvermeidlich? „Neben der Kontrollierbarkeit der Ausbrüche hat das ein Stück weit auch mit den Gesamtzahlen der Infizierten zu tun", so Arranz. Balearenweit gibt es aktuell (Stand: 22. Juli) 124 „aktive Corona- Patienten" – also solche, bei denen das Virus durch einen PCR-Test nachweisbar ist. Bei rund 1,2 Millionen Balearen-Bürgern seien also knapp 10 von 100.000 Inselbewohnern betroffen – und das, ohne die zigtausend Touristen als Rechnungsbasis hinzuzuziehen. „Die deutsche Regierung rät davon ab, in Gebiete zu fahren, in deMnen 10 bis 20 Covid-19-Infizierte auf 100.000 Menschen kommen. Wir auf den Balearen sind vorsichtiger und sehen schon 10 bis 15 Fälle bei 100.000 Menschen als bedeutsam an", so Arranz. Panik sei derzeit also unangebracht, Vorsicht aber wichtig. „Jeder sollte die Regeln befolgen, sonst kann es böse Überraschungen geben."

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