05. Dezember 2019
05.12.2019

Musiker aus Hong Kong zu Gast auf Mallorca

Am Freitag (6.12.) tritt das mallorquinische Duo Voicello zusammen mit den Bel Canto Singers aus Hongkong im Teatre Xesc Forteza auf

05.12.2019 | 01:00
Szene vom Konzert in Hongkong: Gabriel Fiol, Lily Yeung, Carme Garí und Albert Lim.

Er habe ziemlich viel Glück gehabt, sagt David Quah am Telefon. „Unsere Konzerte waren von den Ausschreitungen nicht betroffen, da wir in dieser zweiten Jahreshälfte nur außerhalb von Hongkong aufgetreten sind." Der 50-Jährige ist künstlerischer Leiter der Bel Canto Singers, einem gemeinnützigen Verein aus der Sonderverwaltungszone, der jungen Sängern Auftrittsmöglichkeiten verschafft. „Aber natürlich waren wir alle davon betroffen. Vor Kurzem mussten wir eine Probe nach kurzer Zeit einstellen, weil ganz in der Nähe Polizisten und Demonstranten aneinandergeraten sind."

Die Bel Canto Singers treten am Freitag (6.12.) im Teatre Xesc Forteza in Palma zusammen mit dem mallorquinischen Opern-Pop-Duo Voicello auf. Es ist der erste Auftritt der 1997 von Absolventen der Hong Kong Academy for Performing Arts gegründeten Vereinigung in Spanien. „Wir haben Carme Garí und Gabriel Fiol bei einer Klassikmesse in Rotterdam kennengelernt", erzählt Quah über den Beginn der Zusammenarbeit mit Voicello. „Im Juni sind sie bei uns in Hongkong aufgetreten."

Neben der Sopranistin Garí und dem Cellisten Fiol stehen im Xesc Forteza der Bariton Albert Lim und die Pianistin Lily Yeung auf der Bühne. Das Konzert besteht aus einer Mischung von Zarzuela (spanisches Musiktheater) sowie klassischen mallorquinischen, katalanischen und chinesischen Liedern.

Letzteres ist für die Bel Canto Singers eine beinahe ebenso große Ausnahme wie für Voicello. Da Hongkong lange Zeit unter britischer Verwaltung stand, ist die kulturelle Sozialisierung eher westlich geprägt. Die musikalische Ausrichtung entspricht der europäischen Klassik.

Auf Chinesisch singen

In Hongkong habe das Pub-likum sie laut beklatscht, nachdem sie ein Lied auf Chinesisch dargeboten hatten. „Dabei war die eigentliche Leistung ja die vom Bariton Albert Lim, der den Großteil des Programms auf Spanisch und Katalanisch gesungen hat", sagt Garí. „Albert ist ein Genie, der wahnsinnig schnell Songs in anderen Sprachen draufhat."

Carme Garí hat eine ganz eigene Strategie gefunden, um die chinesischen Songs – beim Konzert in Palma werden es drei sein – zu lernen. „Ich hatte die Texte und Lautschrift und die Audioaufnahmen, aber ich ging hier in Palma zum chinesischen Gemischtwarenladen, wo ich immer einkaufe." Sie bat die Verkäuferin, mit der sie sonst nie mehr als das Nötigste sprach, ihr die Texte vorzulesen. „Die war so gerührt, dass sie mich umarmt hat", erzählt die Sopranistin. Zwei der chinesischen Lieder stammen übrigens aus der Feder von Ensembleleiter David Quah.

Damit das Konzert der beiden Kulturen weitere Kreise zieht, setzte sich Garí zudem mit dem Balearisch-Chinesischen Freundschaftsverein ABAC in Verbindung, der sich vor allem um katalanischen und chinesischen Sprachunterricht für Kinder einsetzt. Rund 40 Schüler des Verbands werden beim Konzert für zwei Lieder, eines in jeder Sprache, mit auf der Bühne stehen. Bei instrumentalen Liedern nehmen zudem die Ballerinas Stella García und Helena Garreta teil.

Die jungen Leute

Ein Problem haben sowohl Quah in Hongkong wie Garí in Palma: das junge Publikum zu den Konzerten zu bekommen. „Wir machen es eigentlich immer so, dass wir bei den Konzerten neben Klassik auch Popsongs oder zumindest ein wenig Jazz singen." Meist fange man mit der Klassik an.

Garí hingegen hat beschlossen, es für das Konzert mit den asiatischen Gästen gar nicht erst mit den jungen Leuten zu versuchen. „Wir spielen eben Zarzuelas, die sind vor allem bei älteren Menschen beliebt." Damit diese
es nach Palma schaffen, wird am Konzerttag ein Busshuttle aus verschiedenen Dörfern
organisiert.

Für Dezember plant David Quah in seiner Heimatstadt die Aufführung eines eigenen Musicals. 20 Bel-Canto-Sänger sollen dabei auf der Bühne stehen. „Ich hoffe, dass sich die Lage in Hongkong bis dahin beruhigt hat", sagt er. Und dass sich nicht ein Ereignis von vor ein paar Wochen wiederholt: „Bei einer Aufführung von ,Der Nussknacker? drang die Polizei ins Theater ein und sprühte Pfefferspray."

Voicello & Bel Canto,  6.12., 20.30 Uhr,  Teatre Xesc Forteza, 12 Euro
Informationen unter  bit.ly/PalmaHongKong
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