28. September 2018
28.09.2018

Masterplan für die Wasserressourcen von Mallorca

Verbot neuer Brunnen an der Küste, Auflagen für Landhäuser, Schutz der Feuchtgebiete: Die balearische Linksregierung will mit dem neuen Wasserwirtschaftsplan die über Gebühr angezapften Vorkommen grundlegend sanieren

28.09.2018 | 01:00
Besonders an der Südostküste Mallorcas, aber auch im Nordosten steht es qualitativ und quantitativ schlecht ums Grundwasser.

Dem häufigen Regen in den vergangenen Wochen zum Trotz: Um die Wasserressourcen Mallorcas steht es schlecht. Sie sind in den vergangenen Jahren so stark angezapft worden, dass einige von ihnen Jahrzehnte brauchen dürften, um sich zu erholen. Drei Viertel der Vorkommen auf den Balearen weisen zudem eine so hohe Belastung durch Chloride und Nitrate auf, dass sie die Vorgaben der Europäischen Union sprengen. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren.

Rettung soll der neue Wasserwirtschaftsplan bringen, den die Balearen-Regierung Ende vergangener Woche verabschiedet hat. Genau genommen ist es eine Neuauflage des 2015 unter der konservativen Vorgängerregierung beschlossenen Plan Hidrológico, der nicht nur mit jahrelanger Verspätung zustande gekommen, sondern auch von der EU abgemahnt worden war – unter anderem wegen Versäumnissen bei der Aktualisierung der Daten oder fehlender Maßnahmen gegen hohe Nitratwerte im Grundwasser. Durch die Nachbesserungen habe man nun nicht nur ein wirksames Werkzeug zur Hand, um Mallorcas Wasserressourcen zu sanieren, sondern verhindere auch drohende Strafen aus Brüssel, erklärte Umweltminister Vicenç Vidal bei der Vorstellung des Projekts. Der Politiker der linksökologischen Regionalpartei Més verweist auf 344 Einzelmaßnahmen und geplante Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2021, die neben den Rathäusern vor allem das balearische Wasserwirtschaftsamt aufbringen soll.

Neben den Investitionen sieht der Plan auch verschärfte Auflagen vor, die zum Teil schon provisorisch im Sommer 2017 in Form eines Moratoriums in Kraft getreten waren. Damit sich die Wasservorkommen erholen können, werden beispielsweise in mehreren Gebieten keine neuen Brunnen mehr genehmigt. 16 der insgesamt 64 Wasservorkommen auf Mallorca sind als gefährdet eingestuft, aus ihnen wird mehr entnommen, als auf natürlichem Weg wieder zufließt. Das ist besonders an der Südostküste der Fall, aber auch im Nordosten und im Südwesten von Mallorca. Brunnen müssen zudem prinzipiell 800 Meter von der Küste entfernt sein, um der immer wieder beobachteten Salzwasserintrusion vorzubeugen. Denn wird zu viel Süßwasser entnommen, kommt das empfindliche hydrostatische Gleichgewicht in der Tiefe durcheinander.

Fehlt aufgrund der Schutzauflagen Wasser zur Versorgung der Haushalte, muss dieses nach dem Willen der Linksregierung nach Möglichkeit aus Entsalzungsanlagen bezogen werden, für die im Winterhalbjahr ein reduzierter Preis gelten soll. Im Fall von Großabnehmern sind darüber hinaus regelmäßige Inspektionen der Brunnen vorgesehen.

Brunnen für legale Landhäuser

Finca-Besitzer müssen zudem künftig eine Bewohnbarkeitsbescheinigung (die cédula de habitabilidad) vorlegen, um einen Brunnen zu beantragen. Damit sind illegal erbaute Landhäuser ausgeschlossen. Die Auflage war im Jahr 2012 unter der Volkspartei (PP) abgeschafft worden – woraufhin die Zahl der Anträge laut der Leiterin des Wasserwirtschaftsamts, Juana Maria Garau, auf rund 2.000 pro Jahr in die Höhe schoss.

Kampf den Leitungsverlusten

Auch das leidige Problem der Leitungsverluste soll der Plan Hidrológico angehen, ver­sickert doch bislang mehr als ein Viertel des Wassers auf dem Weg zu den Haushalten. Diesen Anteil sollen die Gemeinden auf den Balearen bis zum Jahr 2021 auf 25 Prozent und bis zum Jahr 2027 auf 17 Prozent senken. Damit werden die bisherigen Ziele ehrgeiziger formuliert: Bislang hatte die balearische Landesregierung eine Marke von 20 Prozent bis zum Jahr 2027 angepeilt.

Eine Reihe von Auflagen soll zudem den Wasserkonsum senken. Dazu gehören Hähne und Brausen mit Durchflussbegrenzern, die nicht nur in Büros und öffentlichen Gebäuden, sondern auch in Hotels und Ferienwohnungen vorgeschrieben werden sollen. Geplant ist auch, dass öffentliche Parks nur noch mit Regen- oder aufbereitetem Wasser gegossen werden sollen und der Anbau einheimischer Pflanzen gefördert wird, die die Trockenheit gut ertragen. Speziell Besitzer von Landhäusern sollen zu Auflagen bei der Wasseraufbereitung verdonnert werden.

Eine eigene Erwähnung finden im Wasserwirtschaftsplan erstmals Mallorcas Sturz­bäche und Feuchtgebiete, speziell die Albufera an der Nordostküste. Das Vogelschutzgebiet ist durch vordringendes Meerwasser zunehmend versalzen. Damit es sich erholen kann, soll Zufluss von Quellwasser garantiert werden: Das überschüssige Wasser der Quelle Ses Fonts Ufanes, die bei starkem Regen im Wald von Campanet sprudelt und deren Wasser bis an die Nordostküste fließt, muss laut dem Plan für die Albufera vorbehalten sein.

Als Feuchtgebiet werden jedoch auch Bereiche in der Gemeinde Alcúdia definiert, die vor langer Zeit trockengelegt und zwischenzeitlich als Bauland ausgewiesen worden waren. Betreiber von Hotels und Geschäften haben angesichts eines befürchteten Wertverlusts ihrer Grundstücke dem balearischen Umweltministerium mit Klagen gedroht. Die Entscheidung sei willkürlich getroffen, Eingaben nicht berücksichtigt worden.

Das balearische Umweltministerium dagegen verweist auf eine umfassende Beteiligung der Betroffenen, man habe insgesamt 126 Eingaben berücksichtigt, die während der öffentlichen Auslegung eingegangen waren. Der Plan Hidrológico wird nun dem Wasserrat in Madrid vorgelegt, endgültig abgesegnet wird er dann vom spanischen Ministerrat.

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