15. Februar 2019
15.02.2019

Mallorcas beste Ringerin: Zierlich, aber kräftig

Im Job kümmert sich Graciela Sánchez um Kranke. In ihrer Freizeit haut sie lieber andere auf die Matte. Die 23-Jährige aus Palma ist spanische Meisterin

15.02.2019 | 01:00
Graciela Sánchez trainiert fast nur mit Männern.

Ein Kampf gegen Graciela Sánchez hat so seine Vorteile. Die Aussichten auf einen Sieg gegen die spanische Meisterin im Freistilringen sind zwar gering, aber immerhin kann die ausgebildete Krankenschwester aus Palma danach die Blessuren versorgen. Erst mit 17 Jahren hat die heute 23-Jährige mit dem Ringen angefangen. Dennoch hat sie in der kurzen Zeit bereits drei Mal die spanische Meisterschaft gewonnen und vertritt Spanien bei internationalen Turnieren. Ihr Ziel: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Sportlich begabt war Graciela Sánchez schon immer. Sie startete in der Jugend mit Schwimmen und brachte es zur spanischen Meisterin im 50-Meter-Streckentauchen mit Flossen. „Beim Schwimmen habe ich mich aber nicht wohlgefühlt", sagt die 23-Jährige. „Es gab innerhalb des Teams keine gute Atmosphäre." Beim Ringen war das anders. Über ihren Freund, der ebenfalls auf hohem Niveau ringt, kam sie zu der Randsportart. „Ich mochte, dass man mit dem ganzen Körper und der ganzen Kraft dabei sein muss." Der enge Kontakt bei den Kämpfen mit den anderen Sportlern störte sie nicht. „Ich habe früher mit meinem Bruder Taekwondo gemacht und bin das gewohnt. Zudem ist beim Ringen Schlagen und Treten verboten, somit bleibt es fair", sagt sie.

Was als Hobby begann, steigert sich schnell zum Leistungssport. „Meine Eltern dachten am Anfang, das wäre nur so eine Phase." Mittlerweile trainiert Sánchez sechs Mal die Woche und richtet ihr ganzes Leben nach dem Ringen aus. „Da ich nebenbei noch arbeiten muss, kann ich nicht wie andere Profisportler zwei Einheiten pro Tag absolvieren. Daher muss ich das Training auf die Woche aufteilen. Wenn ich im Krankenhaus Spätschicht habe, muss ich immer jemand zum Tauschen suchen, damit ich zum Ringen kann", sagt sie.

Ihr Einsatz machte sich schnell bezahlt. 2014 begann sie mit den Wettkämpfen. Bei ihrer ersten spanischen Meisterschaft holte sie den dritten Platz in der Altersklasse U23. Seit 2016 gewinnt sie das jährliche Turnier. „Die balearische Ringerschule ist die beste Spaniens", erklärt sie ihren schnellen Aufstieg. „Zwei meiner Trainer haben schon bei Olympia gekämpft."

Sánchez guckt sich jeden Tag im Spiegel an. Weniger für die Strandfigur, sondern mehr für das Kampfgewicht. Früher ist sie in der Kategorie 53 Kilogramm angetreten. Da ihr normales Gewicht höher liegt, musste sie für die Wettkämpfe immer sieben Kilogramm abnehmen. „Der Körper gewöhnt sich daran, aber mental ist es kaum auszuhalten. Nach zweimonatiger Diät war ich bei den Wettkämpfen immer entkräftet." Mittlerweile kämpft Sánchez in der 57-Kilogramm-Klasse. „Ich muss zwar weiter auf meine Ernährung achten, aber nicht mehr hungern." Was die 23-Jährige mit ihrer Kraft anstellen kann, zeigt sie im Fitnessstudio. 60 Kilogramm stemmt sie auf der Bank, 100 Kilogramm mit Kniebeugen – fast das Doppelte ihres eigenen Gewichts.

Auf nationaler Ebene geht Sánchez die Konkurrenz aus. Auf Mallorca trainiert sie fast nur mit Männern. „Wir haben eine weitere Frau im Club. Die kämpft aber in einer anderen Gewichtsklasse." International sieht es für die 23-Jährige weniger rosig aus. Bei der WM im Vorjahr war gegen eine Chinesin in der ersten Runde Schluss. Auch bei der EM scheiterte sie im ersten Kampf an einer Weißrussin. „In anderen Ländern könnte ich vom Ringen leben. In Spanien bekomme ich von den Balearen eine kleine Förderung, die hinten und vorne nicht reicht." Und die an die Leistungen aus dem Vorjahr gekoppelt ist: Kämpft Sánchez schlecht, wird der Geldhahn zugedreht.

Daher muss die Mallorquinerin selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. 2017 machte Graciela Sánchez ihren Abschluss als Krankenschwester. Von der Intensivstation im Krankenhaus Son Espases wechselte sie mittlerweile zur Clinica Rotger. Gerne würde sie als Rettungsassistentin im Krankenwagen mitfahren. „Die Stellen dafür sind aber knapp." Bleibt die Hoffnung auf die sportliche Karriere. Der Traum heißt Olympia. Dafür muss sie bei der WM in diesem Jahr unter die besten fünf kommen oder das Finale eines der Vorbereitungsturniere erreichen. „Meine Trainer haben das auch geschafft", zeigt sie sich optimistisch.

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