22. Februar 2021
22.02.2021
Mallorca Zeitung

Wie eine Odyssee einen deutschen Basketballer nach Mallorca verschlug

Palmas Zweitligist hat deutsche Verstärkung bekommen. Justin Raffington hofft, dass er bleiben kann

22.02.2021 | 01:00
Vielleicht schafft Justin Raffington mit Palma den Schritt in die erste Liga.

Es gibt nicht allzu viele deutsche Basketballer, die im Ausland spielen. Justin Raffington ist einer davon. „So habe ich nach der Karriere wenigstens noch Sprachen gelernt", sagt der Hamburger. Der 29-Jährige ist seit Anfang Februar beim Zweitligisten "Palmer Alma Mediterránea Palma". Der Center hat in Deutschland von 2016 bis 2019 für die Hamburg Towers gespielt. Danach begann für ihn eine Odyssee.

Was hat Sie nach Palma verschlagen?
Diese Saison ist ziemlich verrückt für mich. Im August war ich in Frankreich. Dort wurde ich rausgeworfen, da das Team nicht mit meiner Leistung zufrieden war. Letztlich war das wohl das Beste, was mir passieren konnte. Nach einer Woche in der Heimat bin ich nach La Coruña gekommen. Dort ist mein Vertrag nach wenigen Monaten ausgelaufen, und ich war schon auf dem Weg zum Flughafen, als sich ein Spieler verletzt hat und ich doch noch länger bleiben durfte. Als der dann wieder fit war, musste ich gehen. Dann kam das Angebot aus Palma, wo ich schnell zugesagt habe.

Warum sehen Sie den Rauswurf in Frankreich so positiv?
Das persönliche Umfeld gefällt mir in Spanien einfach viel besser als in Frankreich. Ich bin mit der gesamten Situation dort nicht klargekommen. Hier fühle ich mich wohler. Jetzt bleibe ich hoffentlich bis zum Saisonende. Diese kurzen Verträge waren für mich neu. Sonst war ich es gewohnt, immer eine ganze Saison zu bleiben. So ist das Geschäft aber nun mal.

Sie sind in den vergangenen zwei Jahren fünf Mal umgezogen. Warum fällt es Ihnen so schwer, irgendwo anzukommen?
Im Basketball gibt es viele positive Dinge, aber auch Schattenseiten. Das ist eine davon. Einerseits ist es cool, dass man viele verschiedene Orte sieht und dort leben kann. Aber es ist nervig, wenn man immer aus der Tasche lebt. So kann man sich kein Umfeld, keinen Freundeskreis aufbauen. Für mich ist es wichtig, dass ich Leute abseits des Basketballs habe, damit ich mal Abstand vom Sport bekomme. Das ist in wenigen Monaten aber schwierig. Es ist ein Söldnerleben und kein Wunschkonzert.

Können Sie so eine Familie gründen?
Ich habe Brüder und meine Mutter. Familie im Sinne von Freundin habe ich nicht. Ich sehe es bei Mitspielern, die verheiratet sind und Kinder haben. Sie müssen immer die Familie mit rumschleppen. Mir fällt es durch das ewige Umziehen schwer, eine langfristige Beziehung aufzubauen.

Wie läuft die Vereinssuche ab?
Es ist nicht so, dass ich irgendwo hingehe und vorspiele. Ich habe meinen Agenten, der sich darum kümmert. Er ist die Schnittstelle, wenn Teams Spieler suchen. Er leitet dann die Anfragen an mich weiter und sagt mir, was sie anbieten. Dann muss ich für mich die Entscheidung treffen. Will ich an einem schönen Ort sein? Will ich viel Geld verdienen? Will ich viel Spielzeit haben? Das sind alles Faktoren. Oftmals kann man nicht alles gleichzeitig haben.

Wie viele Angebote kommen da? Nimmt man das erstbeste?
Man weiß nie genau, was passiert. In der Zwischenzeit bin ich in der Heimat, und meine Freunde fragen, wie lange ich da bin. Das kann ich nie beantworten. Als ich von La Coruña weg bin, wollte ich eben nicht das erstbeste nehmen. Ich habe zwei Angebote ausgeschlagen und wäre damit klargekommen, wenn ich erst nächste Saison wieder gespielt hätte.

Was hat den Ausschlag für Palma gegeben?
Ich hatte über einen Kollegen, mit dem ich in den USA studiert und gespielt habe, schon eine Verbindung zum Team gehabt. Pablo ­Bertone, der in der vergangenen Saison hier gespielt hat. Ich hatte ihn schon besucht und kannte das Umfeld. Zum anderen: Palma. Was soll man dazu noch mehr sagen? Es gibt wesentlich schlimmere Orte. Wie ich in das Team reinpasse, hat auch dafür gesprochen.

Sucht man gerade in Corona-Zeiten nicht eher die Nähe zur Heimat?
Ich war das schon gewohnt. Ich bin mit 15 Jahren ausgezogen, um auf ein Basketballinternat in die Nähe von Ulm zu gehen. Ich war fünf Jahre am College in den USA. Mit der Profikarriere bin ich fast immer weg von der Heimat gewesen. Das ist normal, wenn man Weihnachten nicht mit der Familie ist. Es ist normal, dass man in der Regel nicht mehr als ­einen Tag am Stück frei hat. Die ganzen sozialen Kontakte legt man auf den Sommer.

Die Saison ist im Mai schon zu Ende. Bleiben Sie für die drei Monate direkt im Hotel?
Das Team hat mir eine Wohnung gesucht. Das ist in der Regel immer so, dass die Vereine sich um die Spieler kümmern. Du wirst vom Flughafen abgeholt und bekommst am nächsten Tag Wohnungs- und Autoschlüssel in die Hand gedrückt. In dem Punkt geht es uns gut.

Als Zweitligaprofi wird man sicherlich nicht reich. Muss man da einen Plan B in der Tasche haben?
Auf jeden Fall. Ich habe mein Studium „International Business und Marketing" abgeschlossen. Wenn ich heute mit dem Basketball ­aufhören würde, wüsste ich aber nicht, was ich morgen machen soll. Ich will noch ein paar Jahre spielen und mache mir daher keine Sorgen. Dumm und dämlich verdient man sich nicht. Ich bin schon ein paar Jahre im Geschäft. Ich wäre nicht verhungert, wenn ich bis Sommer keinen Verein gefunden hätte.

In den sozialen Netzwerken posen Sie professionell. Modeln Sie nebenher?
Das waren Gefallen für Freunde gewesen, die Klamottenmarken haben. Eine Freundin von mir hat eine Modelagentur. So habe ich in ­Berlin auch schon einen Werbeclip mit ­Giannis Antetokounmpo gedreht, der in der NBA zum besten Spieler gewählt wurde. Das ist aber nichts, was ich aktiv suche.

Ihre längste Zeit hatten Sie in Hamburg. Sie haben geholfen, das Team aus dem Nichts in die Bundesliga zu führen. Nach dem Aufstieg wurden Sie vor die Tür gesetzt. Fehlt ­Ihnen da die Wertschätzung?
Letztendlich ist es ein Geschäft. Klar war ich enttäuscht, aber ich habe ein gutes Verhältnis zum ganzen Team und zur sportlichen Leitung. Ich bin mir sicher, dass ich früher oder später dort noch mal spielen werde. Es ist mein Wunsch, dass ich dort meine Karriere beende.

Sie werden bald 30 Jahre alt und haben den Durchbruch in Ihrer Karriere noch nicht geschafft. Haben Sie noch den Traum von der ersten Liga?
Das wird nie weggehen. Es ist schwierig, sich durchzusetzen. Da gehört Glück dazu, die Chance zu bekommen. Die Bundesliga wird von den Amerikanern dominiert. Es gibt zwar die Ausländerregelung, wonach die halbe Mannschaft Deutsche sein müssen, aber dennoch spielen meist die US-Amerikaner. Ich fühle mich gerade besser als mit 25. Ich habe vor zwei Jahren mit Yoga angefangen. Ich bin beweglicher. Vorher war ich steif wie ein Stock und mir tat der Körper nach dem Training weh. Das endete mit Knieproblemen, einem Kreuzbandriss, Bandscheibenvorfall. Das ist alles weg. Mir geht es besser als je zuvor. Daher habe ich die Hoffnung, dass es irgendwann noch mit der ersten Liga klappt. Wenn nicht, dann geht aber die Welt nicht unter.

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