13. November 2014
13.11.2014
40 Años
WAS SCHWIMMT DENN DA?

Segelqualle: Zur Hälfte vom Winde verweht

Die Natur bringt schon seltsame Wesen hervor: Die „Velella velella" besteht aus einer Kolonie von spezialisierten Polypen – und hat eine clevere Überlebensstrategie

24.11.2014 | 17:11
Die „Velella velella" (li. v. oben) besteht aus vielen einzelnen Polypen

Das ist doch mal eine sympathische Qualle: Im Gegensatz zu der artverwandten und hochgiftigen Portugiesischen Galeere sind die kleinen blauen Tentakel der Velella velella (nach dem lateinischen velum, also Segel) für den Menschen ungefährlich. Streng genommen ist das Tier auch gar keine einzelne Qualle, sondern besteht aus einer Kolonie von kleinen Polypen, die jeweils spezielle Aufgaben übernommen haben: fressen, fortpflanzen und verteidigen.

Die zu Deutsch nach dem Schutzheiligen der Fischer auch „Sankt-Peters-Schifflein" genannten Segelquallen leben auf der ­Wasseroberfläche und können sich nicht aus eigener Kraft fortbewegen. Stattdessen nutzen sie dazu – wie der Name schon sagt – den Wind. Auf einem ovalen und bis zu vier Zentimeter langen „Floß" aus kleinen Luftkammern sitzt ein dreieckiges Segel aus dünnen, luftgefüllten Knorpelröhrchen.

Dieses Segel sitzt von der Längsachse aus betrachtet in einem 40-Grad-Winkel zum Floß und ermöglicht den Quallen schon bei leichtem Wind Geschwindigkeiten von bis zu 6,2 Meter pro Minute – wenn es richtig bläst, können die Tierchen so mehrere Kilometer pro Tag zurücklegen. Steuern allerdings können sie nicht – bei auflandigem Wind werden an den Stränden der Insel deshalb oft tausende Exemplare angespült und färben das Ufer vorübergehend blau.

Damit nicht alle Tiere eines Schwarms so kläglich enden, hat sich Mutter Natur eine raffinierte Taktik einfallen lassen: Bei jeweils etwa der Hälfte der riesigen Schwärme ist das Segel nach rechts ausgerichtet, bei der anderen nach links – wenn der Wind lange aus einer Richtung bläst, wird so nur die eine Hälfte der Tierchen an Land gespült.

Auf der Unterseite der Floßscheibe sitzt ein zentraler ­Fresspolyp, kreisförmig darum angeordnet befinden sich die Geschlechts­polypen und ein weiterer Ring von tentakelartigen Fangpolypen, mit denen die Velella velella ihre aus Zooplankton bestehende Nahrung aus dem Wasser fischt.

Die Fortpflanzung ist denkbar unromantisch: Die Geschlechts­polypen an der Unterseite des Floßes erzeugen unzählige mikroskopisch kleine männliche und weibliche Medusen. Wenn sie geschlechtsreif sind, sinken sie auf den Meeresboden ab, wo sie ihr einziges Ei und den Samen abgeben. Sobald die Befruchtung stattgefunden hat bildet sich ein neuer kleiner Polyp, der dank eines Öltropfens im Inneren wieder an die Wasseroberfläche steigt. Durch diese Art der ungeschlechtlichen Vermehrung können riesige Schwärme entstehen, die sich über Kilometer hinziehen – trifft man sie auf offener See, wirkt es auf den ersten Blick, als sei die Wasseroberfläche von Millionen kleiner Luftbläschen überzogen.

Die tiefblaue, manchmal auch ins violette tendierende Farbe von Schwimmscheibe und Tentakeln hat die Segelqualle übrigens Pigmenten zu verdanken: Sie dienen als Schutz vor der ständigen Sonneneinstrahlung, der sie auf ihren Segelreisen über die Meere ausgesetzt sind.

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