Regisseur Heinrich Breloer über Glück und Ärger im Osten von Mallorca

02.09.2009 | 19:47
Kreativ-Werkstatt Mallorca: Heinrich Breloer verbringt den Sommer in einem Haus in Es Carritxo.
Kreativ-Werkstatt Mallorca: Heinrich Breloer verbringt den Sommer in einem Haus in Es Carritxo.

Sieben Wochen Sommerglück Mallorca. Ein altes Bauernhaus in den Hügeln von Es Carritxo. Hier erholt sich Heinrich Breloer (67) von seinem Buddenbrook-Marathon. „Das ist eine besonders lange Auszeit, die ich in diesem Jahr brauche. Kino ist Hochleistungssport." Dass der Autor und Regisseur („Buddenbrooks", „Speer und Er", „Die Manns") diesmal in Es Carritxo kreative Kraft tankt, statt wie in den vergangenen Jahren am Berg von Randa, ist eher Zufall. Und wie ist der Eindruck vom Insel-Osten? Der Hamburger Hügel gefällt. Auch wenn das richtige Thema für seine nächste Kino- oder Fernsehverfilmung noch nicht an die Holztür des Bauernhauses geklopft hat. „Ich sitze jeden Tag auf der Terrasse, lese mich durch verschiedene Stoffe und warte gespannt, welches Thema mich findet", sagt Heinrich Breloer, der seit 30 Jahren nach Mallorca kommt.

Das Glück, den Sommer mit seiner Frau auf der Insel zu verbringen, ist in diesem Jahr besonders groß. Und der Lieblingsstrand Es Trenc, sein „Mini-Bahamas", gottlob quallenfrei. „Wir fahren schon am Morgen zum Strand, ganz früh, bevor die Urlauber kommen. Ich lasse mich dann absinken, mit meiner kleinen Taucherbrille, bleibe unter Wasser und verschwinde für einen Moment aus der Welt." Den Alarmknopf ausschalten, nennt Heinrich Breloer das. Danach wird am Strand gefrühstückt.

Auf dem Hin- und Rückweg zum Auto löst sich der morgendliche Friede für fünf Minuten in Missfallen auf. Seit Jahren stehen in Ses Covetes mehrere Bauruinen am Strand herum und verschandeln die Kulisse. „Ich fordere eine Abwrackprämie für diese hässlichen Ruinen! Sollen sie doch einen Fonds auflegen, der vorerst die Kosten deckt. Wenn der Schuldige gefunden ist, dann holt man sich das Geld zurück. Gibt es keinen König, der ein Machtwort spricht: Weg mit dem Schrott von meinem Strand!" Wenn Heinrich Breloer durch die Hitze-Gasse mit den Skelett-Bauten geht, hört er es von allen Seiten flüstern: Was für eine unfähige Regierung. Sie geben Millionen für den Straßenbau und ihren Kreisverkehr aus, aber am beliebtesten Strand Mallorcas fehlen Parkplätze, Toiletten, Duschen und akzeptable Zugangswege. „Es Trenc ist in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher geworden, jetzt fehlt ein Gesamtkonzept für den Strand. Stellen Sie sich mal vor, ein Badeort wie Travemünde würde sich so verhalten." Das Geschäft mit dem Tourismus sei ein harter Wettbewerb, das würde auch Mallorca in diesem Jahr zum ersten Mal zu spüren bekommen. „Nach außen tragen die Mallorquiner die Maske der Bestürzung, innerlich wurschteln sie mit ihrer mañana-Mentalität weiter, so lange wie´s geht." Doch auch touristische Zugvögel könnten mal den Standort wechseln, glaubt Heinrich Breloer. In diesem Sommer hat er bei einigen Residenten ein kleines, böses Schmunzeln über den Rückgang der Touristen beobachtet. „Viele denken, dass die Mallorquiner aufwachen müssen. Im freien Wettbewerb muss man der Konkurrenz einen Schritt voraus sein. In Ses Covetes ist man mehrere Schritte zurück."

Seine sieben Wochen Sommerglück hat Heinrich Breloer trotzdem genossen. Und im nächsten Jahr möchte er in die Gegend zurückkommen. „Das kulinarische Angebot ist im Osten sehr gut und der Hamburger Hügel nur spärlich bebaut, das gefällt mir." Tagsüber weht immer ein leichter Wind über die Terrasse hinterm Haus, nachts funkeln die Sterne hell und klar. „So wie ich sie im hellen Umfeld von Köln niemals sehen könnte", sagt Heinrich Breloer. So sitzt er in der Nacht besonders gern auf der Dachterrasse und schaut staunend auf den wunderbaren Nachthimmel. „Wenn man das auf sich wirken lässt, die Unendlichkeit des Alls, dann tapse ich sehr bescheiden wieder herunter, trinke noch einen Schluck Wein und gehe ins Bett." Die Ruhe Mallorcas tut gut, er hört in diesen Wochen kein Radio und lässt den Fernseher dunkel. „Ich lese nur Zeitung und Bücher."

Und welche Bücher hat der Regisseur gelesen, welche Themen angedacht? „Das wird nicht verraten. Wiedersehen macht Freude – aber nicht in diesem Fall! Wenn du einen Stoff gefunden hast, gehe damit nicht zu früh an die Öffentlichkeit", weiß Heinrich Breloer aus eigener Erfahrung. Ob es ein politisches Dokudrama fürs Fernsehen oder ein literarisches Epos fürs Kino wird, hängt ganz vom Stoff ab. „Für das richtige Thema muss man tief in sich graben, tief und gründlich. Denn im Persönlichen findet man das Allgemeine." Das Thema sollte in jedem Fall in Beziehung zur Gegenwart stehen, so wie die 2008 neu verfilmte Geschichte der Buddenbrooks, in der aktuelle Wirtschaftsprobleme gespiegelt werden.

„Ich überlege diesmal sehr genau, was ich als nächstes mache, ich werde ja nur noch eine überschaubare Anzahl von Filmen drehen." Heinrich Breloer will sich Zeit lassen, mehrere Stoffe durchspielen und erforschen. Im September fliegt er zunächst nach Los Angeles, wo eine Woche lang neue deutsche Filme vorgestellt werden, darunter auch die Buddenbrooks. Ein paar Wochen später wird die Thomas-Mann-Familiensaga dann in Tokio präsentiert.

Und was wird aus dem Roman „Mallorca, ein Jahr"? Ist eine Fortsetzung geplant? „Ich weiß noch nicht, wie sich der Held weiterentwickelt haben könnte", sagt Heinrich Breloer. Es waren damals sonnige Jahre, die er im Roman erzählt habe. Heute gibt es auch bittere Erfahrungen auf der Insel. Mallorca hat zwei Gesichter. Die Schönheit der Insel, die Leichtigkeit des Lebensgefühls und die Gefährdung dieses Glücks. Es sind eine Menge skrupeloser Abenteurer und Geschäftemacher auf der Insel unterwegs. Und eine Menge schriller Leute, die eine Fahne von Vulgarität hinter sich herziehen. So märchenhaft wie in „Mallorca, ein Jahr" könnte es in einer Fortsetzung nicht mehr zugehen.


In der Printausgabe lesen Sie außerdem

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