Airbnb auf Mallorca: "Man wird die Realität anerkennen müssen"

Manager Arnaldo Muñoz feilscht mit der Landesregierung um einen Deal in der Ferienvermietung. Sein Angebot: Kooperation bei der Touristensteuer

04.02.2016 | 17:10
Global Player im Vermietungsgeschäft: Arnaldo Muñoz ist Country Manager bei Airbnb für Spanien.

Wer nach Mallorca reist, bucht ein Hotel, eine Finca – oder immer öfter eine Wohnung oder ein Zimmer über Vermittlungsportale wie Airbnb. Homesharing statt gewerbliche Vermietung heißt das Konzept, unter dem Airbnb rund 15.000 Unterkünfte pro Jahr auf den Balearen vermittelt. Der Konzern bringt damit die Landesregierung in Zugzwang, den Bereich der Ferienvermietung zu regulieren. Arnaldo Muñoz,
Countrymanager für Spanien und Portugal, steht für einen Deal bereit.

Herr Muñoz, wie läuft der Markt für Ferienvermietungen?
Schauen Sie, unser Unternehmen gab es 2008 noch gar nicht. Bis Jahres­ende erreichen wir die Zahl von mehr als 60 Millionen Nutzern, das ist etwa ein Prozent der Welt­bevölkerung. Wir erleben eine Revolution des Reisens, bei der die Menschen neue Erfahrungen suchen.

Der Gesetzgeber kann bei diesem Tempo nicht mithalten. Die Balearen-­Regierung will die Ferien­vermietung neu regulieren, es gibt aber noch keinen konkreten Vorschlag. Vermieten Ihre Kunden in der gesetzlichen Grauzone?
In gewisser Hinsicht ja. Was jetzt ein wichtiger Teil des globalen Tourismus­geschäfts ist, gab es vor sechs Jahren noch nicht. In Frankreich, Großbritannien oder Portugal hat man diese Realität anerkannt, und man wird es auch hier tun ­müssen.

Welches dieser Regelwerke sehen Sie als Modell für Mallorca?
Homesharing ist aus gesetzlicher Perspektive eine komplizierte Angelegenheit, und jedes neue Regelwerk ist besser als das vorherige. Das neueste haben wir in Frankreich. Es erlaubt den Gastgebern, ihre Hauptwohnung anzubieten, sie müssen aber nicht die Eigentümer sein. Es können einzelne Zimmer oder während einer Reise auch die komplette Wohnung angeboten werden. Ich halte das für das bislang beste Regelwerk, auch weil der bürokratische Aufwand gering gehalten wird.

Sie haben der Landesregierung angeboten, die geplante Touristen­steuer für sie einzutreiben.
In Amsterdam und in Paris besteht bereits diese Form der Zusammenarbeit. Zunächst muss aber die Politik Homesharing als Realität anerkennen. Auf dieser Basis ist eine Kooperation möglich, bei der dann auch unsere Gastgeber mitmachen.

Sozusagen ein Deal?
Ja. Wir kooperieren mit den Regierungen, und dazu sind wir auch im Fall von Mallorca bereit.

Sie ziehen die Abgabe ein und überweisen sie an die Regierung?
So verfahren wir in Paris und Amster­dam. Dort ist man sehr zufrieden – wegen der Einnahmen, vor allem aber wegen der Möglichkeit, über die Regulierung das Wachstum des Angebots mitzusteuern.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie sich mit der Landesregierung bald handelseinig werden?
Es gibt eine gute Zusammenarbeit.

Treffen Sie sich regelmäßig?
Das kommentieren wir nicht ­öffentlich. Entscheidend ist die Arbeit in der Sache.

Würden Sie noch von Home­sharing sprechen, wenn Kunden in Wohnungen landen, in denen gleich mehrere Zimmer dauerhaft vermietet werden?
70 Prozent aller Gastgeber von Airbnb haben nur eine Anzeige geschaltet. Auf der Basis von dieser Zielgruppe ist unser Unternehmen von null auf derzeit zwei Millionen Annoncen gewachsen. Die Airbnb-Erfahrung basiert nicht auf der gewerblichen Vermietung, sondern wird von Privatleuten getragen.

Setzen Sie das voraus oder wird das auch kontrolliert?
Bei Plattformen wie Airbnb kommt dem Nutzer eine entscheidende Kontrollfunktion zu. Die Technik und die Community regulieren das Angebot: Wenn der Gastgeber nicht die Erwartungen erfüllt, wird die Bewertung des Gastes zur Folge haben, dass das Angebot nicht mehr leicht aufzufinden ist.

Höhere Preise bei der Langzeitvermietung werden auch auf Modelle wie Airbnb zurückgeführt. Haben Sie Verständnis, wenn die Balearen-Regierung deswegen Ausnahmen etwa für Palma beschließen sollte?
Ich glaube nicht, dass wir eine Rolle beim Anstieg der Mietpreise spielen. Beispiel Ibiza: 5.000 Annoncen sind im gesamten Wohnungsmarkt vernachlässigbar, da spielt die Attraktivität des Standorts selbst eine viel größere Rolle.

Ich meinte nicht den Markt allgemein, sondern Auswirkungen an Standorten wie Palmas Altstadt.
Unsere Nutzer wollen in das Alltagsleben eintauchen und nicht von Urlaubern umringt sein. Die angebotenen Wohnungen sind deswegen im Stadtgebiet sehr viel stärker verteilt als die Hotels. Wir ermöglichen den Nutzern, bislang weitgehend unbekannte Teile der Insel zu entdecken. Wir tragen dazu bei, Urlauber besser zu verteilen und Orte an Tourismuseinkünften teilhaben zu lassen, die bislang leer ausgingen.

Glauben Sie wirklich, dass Urlauber lieber in Sa Pobla oder Manacor absteigen, fern der Strände und der Balearen-Hauptstadt?
Ja, denn die Nutzer sind auf der Suche nach Erlebnissen, sei es auf dem Land oder in der Gastronomie. Just die Orte, die touristisch wenig erschlossen sind, werden bei Airbnb am meisten nachgefragt.

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