Mallorquiner in Hollywood: Mit Horrorhaien zum Erfolg

"47 Meters Down", ein Hai-Thriller, avancierte in den USA zum Kassenschlager. Mit ausgedacht hat ihn sich der Mallorquiner Ernest Riera.

07.08.2017 | 02:30
Gefangen am Meeresgrund, umringt von Haifischen und der Sauerstoff wird knapp – das ist die Ausgangslage in „47 Meters Down?.

Es ist ein Stoff, der Angst und Schrecken einjagt. In dem gerade angelaufenen Kinofilm „47 Meters Down" (span. Titel: „A 47 metros") wollen die Schwestern Lisa (Mandy Moore) und Kate (Claire Holt) während ihres Urlaubs aus einem Tauchkäfig heraus Haie beobachten. Doch das Seil, das den Käfig mit dem Boot verbindet, reißt und die Frauen sinken mit dem Käfig auf den Meeresgrund. Umgeben von Weißen Haien beginnt der Überlebenskampf unter Wasser: Der Sauerstoff wird knapp und der Funkkontakt zum Boot ist unterbrochen. Um an neue Pressluftflaschen und ein Ersatzseil heranzukommen, die in der Nähe des Käfigs herabgelassen werden, verlässt Kate den Käfig und wird von einem Hai angegriffen, gepackt und mitgerissen. Lisa bleibt allein im Käfig zurück und versucht sich zu befreien, um nach ihrer Schwester zu suchen ?

„87 Minuten lang geht der Zuschauer mit ihnen durch die emotionale Hölle", sagt der Mallorquiner Ernest Riera (40), der seit 16 Jahren in London lebt und gemeinsam mit Regisseur Johannes Roberts das Drehbuch schrieb. Die beiden waren auch schon in den Horrorfilmen „F" (2010) oder „The Other Side of the Door" (2016) ein Team. So erfolgreich wie „47 Meters Down" aber war noch keiner: Allein in den USA hat der Film schon über 42 Millionen US-Dollar eingespielt – und das bei Produktionskosten von etwa 5 Millionen Euro.

Herr Riera, wie wird man zu einem auch in Hollywood erfolgreichen Drehbuchschreiber?
Ich hatte schon als Kind eine rege Fantasie und dachte mir den ganzen Tag fantastische Geschichten aus. Mit vier Jahren bekam ich eine kleine Rolle in einem Film, da wurde meine Liebe zum Kino geweckt.

Zunächst machten Sie einen Abschluss als Jurist.
Stimmt, doch ein Job bei der Kinozeitschrift „Temps moderns", die inzwischen eingestellt wurde, brachte mich zu meiner echten Leidenschaft zurück. Ich beschloss, nach London zu ziehen und Film zu studieren, unter anderem an der Universität von Westminster. Es dauerte mehrere Jahre, bis ich meinen Master als Drehbuchautor in der Tasche hatte, weil ich mich als Praktikant ständig in verschiedenen Kinofilmen einspannen ließ. In London lernte ich auch Johannes Roberts kennen. Wir merkten schon bei unserem ersten Filmprojekt „F", dass wir als Drehbuch-Duo zusammen funktionieren. Von Johannes stammt meist die Grundidee zum Film, die wir gemeinsam weiterentwickeln. Steht das Konzept, schreiben wir einen ersten Textentwurf. Bis ein Drehbuch fertig ist, vergehen viele Monate, in denen wir im Büro in London, aber auch auf Ibiza oder auf Mallorca an Handlung und Dialogen weiterarbeiten.

Was fasziniert Sie so an Horrorfilmen?
Horror ist eine schwierige Gattung, weil Angst kulturspezifisch ist und sich die Ängste der Menschen ständig verändern. Sie können auch politischer Natur sein, dank Donald Trump wird es bald gute neue Horrorfilme geben. Das Kino spielt ja seit seinen Anfängen mit den Ängsten der Zuschauer, nur die Art und Weise wie das passiert, wird immer subtiler.

Der Hai als Ungeheuer – bedienen Sie da nicht eher ein Klischee?
Johannes und ich sind große Hai-Fans, wir wollten die Haie in ihrem natürlichen Lebensraum zeigen,in der Tiefe des Meeres, in der Dunkelheit, wo die Menschen nicht an der Spitze der Nahrungskette stehen. Es ging nicht darum, den Hai als Monster darzustellen, das die Menschen verfolgt und tötet. Für uns handelt der Film von zwei Frauen, die einen großen Irrtum begehen. Sie lassen sich zu einem Ort bringen, wo sie nicht hingehen sollten und bezahlen dafür mit den Folgen, die dieses Abenteuer mit sich bringt.

Das Böse wohnt also auch im Menschen?
Ich denke, wir brauchen mehr Filme, die uns helfen zu verstehen, dass wir die Erde nicht beherrschen, sondern sie auf friedliche Weise mit allen anderen Spezies teilen sollten. Schon seit einiger Zeit habe ich die Idee zu einem Film, in dem die Tiere die Helden und die Menschen die Bösewichte sind, ähnlich wie in „Planet der Affen". In meiner Geschichte verbünden sich aber alle Spezies dieser Welt, um die Menschheit zu eliminieren. Weil wir Menschen mit unserer Habgier wie ein Krebsgeschwür für den Planeten sind. Dieser furchteinflößende Gedanke war wohl schon in meinem Unterbewusstsein, als ich an dem Drehbuch zu „47 Meters Down" schrieb.

„87 Minuten emotionale Spannung", wie funktioniert das?
Der Film spielt 70 Minuten unter Wasser, wir entführen die Zuschauer mit der Kamera in die Tiefe des Meeres, zeigen ihnen die Geheimnisse der Unterwasserwelt und bringen sie ganz nah an die jagenden Weißen Haie heran. Es geht auch um die Einsamkeit von zwei Menschen in einer Grenzsituation, in der ihnen niemand zur Hilfe kommt. Der Zuschauer fühlt diese Angst und ist in ständiger Anspannung, ob sich das Unheil erfüllt.

Was waren die technischen Herausforderungen?
Wir mussten eine Möglichkeit finden, den Ton direkt unter Wasser aufzunehmen, um ihn authentisch in den Kinosaal zu bekommen. Das hat dank einer akustischen Mehrfachverbindung in den Beatmungsgeräten der Frauen auch geklappt.

Berufliche Zukunftspläne?
Nach „47 Meters Down" haben wir viele tolle Angebote bekommen, es ist aber noch offen, was als Nächstes kommt. Johannes arbeitet seit geraumer Zeit an Teil 2 von „The Strangers" und es gibt das Drehbuch zu Stephen Kings „Herzen in Atlantis", das verfilmt werden soll. Ich bin jedem gutem Thema gegenüber aufgeschlossen.

Hat Kino einen Auftrag jenseits von Unterhaltung?
Alles ist Filmindustrie, die kommerziellen Streifen ebenso wie die mit mehr künstlerischem Anspruch. Interessant finde ich, dass man auch für Unterhaltungsfilme interessante Konzepte
entwickeln kann. Weil die Massenkultur mit ihren Werten uns etwas über die Gesellschaft beibringt, in der wir leben.

Wohin führt Sie Ihr eigenes Lebensdrehbuch?
Da halte ich es mit Oscar Wilde: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

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