Der Quad-Komplex

In Andratx wächst der Unmut über die Ausfahrten geländegängiger Vier- und Zweiräder

03.04.2014 | 01:00
Beliebt bei Urlaubern: Ausflugs-Quads unterwegs im Raum Andratx
Beliebt bei Urlaubern: Ausflugs-Quads unterwegs im Raum Andratx

Was des einen Spaß und auch Geschäft, ist des anderen Ärgernis. Quads und Motocross-Räder sind für viele ein Mordsgaudi – machen aber auch Krach, erschrecken unbescholtene Wanderer, beschädigen die Wege. Rund um Andratx sind sie besonders im Sommer zuhauf unterwegs. Jetzt regt sich dagegen Widerstand.

„Salvem Andratx" (Rettet Andratx), eine Internet-Plattform, die mit der Umweltschutzorganisation Gob kooperiert, hat nun das Rathaus dazu aufgefordert, den Verkehr dieser Gefährte zu „regulieren" und auf Forst- und Feldwegen ganz zu verbieten. „Die Wanderer fühlen sich regelrecht bedroht", sagt Ana Jiménez, Sprecherin der Bürgerinitiative. „Die Quads und Motorräder rasen und rattern hier durch die Landschaft, bremsen plötzlich scharf, beschleunigen wieder, drehen Pirouetten."

Dass sei weder dem Landschaftsgenuss noch dem Wegenetz zuträglich. Quads und Motorräder würden tiefe Spuren hinterlassen, den Wegrand zerstören, Begrenzungsmauern beschädigen und die Erosion verstärken. Die Finca-Besitzer, so Ana Jiménez, müssten deswegen jetzt mehr als früher investieren, um die Wege instand zu halten.

Einer der Anwohner ist Gabriel Ensenyat, der im Gebiet von Coll de Sa Gramola ein Anwesen sein Eigen nennt und Vorsitzender einer Eigentümer-Initiative ist. Er spricht von einem regelrechten Quad-Boom. „Vor fünf Jahren sah ich diese Gruppen allenfalls ein- bis zweimal im ganzen Sommer, jetzt dröhnt es mindestens zweimal pro Woche." Mitunter seien sogar Großgruppen von 15 Quads unterwegs. „Den Krach hält man dann im Kopf nicht mehr aus."

Die Gelände-Motorräder gehören in der Regel Privatleuten. Die Querfeldein-Gefährte hingegen werden vor allem von Ausflugsfirmen im Raum Santa Ponça und Peguera vermietet. Bei den Verleihfirmen kann man die ganze Aufregung nicht verstehen: „Alles, was wir machen, ist völlig legal, ich zahle für meine zehn Quads pünktlich die Kfz-Steuer", sagt der Deutsche Eckbert Waldleben, der schon seit zehn Jahren die Firma „Quad.Mallorca.com" mit Sitz in Costa de la Calma betreibt.

„Die winken freundlich"
Seine Touren starten in Andratx. „Mit Finca-Besitzern haben wir überhaupt keine Probleme, sie winken uns sogar freundlich zu," sagt er. Anfeindungen habe er nie verspürt, und von Anzeigen wisse er nichts. Damit nichts und niemand zu Schaden komme, seien die Quad-Fahrer ohnehin immer langsam unterwegs. Er wolle den Urlaubern etwas andere, abenteuerlichere Touren bieten, was auch wunderbar funktioniere. „In diesem Jahr haben wir sechs bis sieben dieser Ausflüge angeboten." Man sei darüber hinaus inzwischen so gut integriert, „dass zuweilen sogar Mitglieder der Polizei mitfahren". Kurzum: Der Protest der Umweltschützer sei ein ungerechtfertigter und undifferenzierter „Rundumschlag".

Zumindest was die Quads betrifft, ist die Gesetzeslage klar, wie auch Toni Muñoz vom Gob eingesteht: „Auf Mallorca ist es nicht verboten, mit diesen Dingern durch die Wälder zu fahren." Selbst im Hochsommer nicht, wenn das Waldbrandrisiko durch möglichen Funkenflug steigt. In dieser Hinsicht, so der Umweltschützer, solle man sich Katalonien zum Vorbild nehmen, wo Quads und Geländemotorräder auf Forstwegen nicht erlaubt seien.

Wenig Hoffnung auf Besserung
Auf den Balearen ist lediglich das Verlassen der Wege im Gebirge verboten. Eine schärfere Reglementierung wäre Aufgabe des Umweltministeriums. Ana Jiménez von „Salvem Andratx" macht sich da aber wenig Illusionen. Überhaupt findet sie, dass ihr Anliegen auch im Rathaus nur wenig ernst genommen wird. „Es gibt keine demokratische Kultur in diesem Land", beklagt sie sich, „zumindest wenn keine Wahlen anstehen, werden die Bürger von den Lokalpolitikern hier wie Minder­jährige behandelt".

Llorenç Suau, Bürgermeister von Andratx (Volkspartei, PP), weiß von dem Problem. Das könne so nicht weitergehen, sagt er, etwas unbestimmt, der MZ. Allerdings möge er es auch nicht, „wenn zu viel verboten wird". Deshalb will er es dabei belassen, dass seine Ortspolizei, die über zwei Geländemotorräder verfügt, „genauer kontrolliert". Gegen die Quad-­Exkursionen an sich habe er nichts, wenn nicht über die Stränge geschlagen wird. Es wird also voraussichtlich weiter dröhnen, in den Bergen von Andratx.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 3. April (Nummer 726) lesen Sie außerdem:

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