Air Berlin ist nicht wiederzuerkennen

Die angeschlagene Airline schrumpft drastisch, vermietet 40 Flieger an die Lufthansa-Gruppe und will 1.200 Mitarbeiter entlassen. Flugplan weiter gültig

10.10.2016 | 14:53
Air Berlin.

Die Spekulationen haben ein Ende: Die Fluggesellschaft Air Berlin hat die Berichte über eine radikale Verschlankung des Unternehmens sowie einen damit einhergehenden massiven Stellenabbau am Mittwochabend (28.9.) bestätigt. Um den „vorhandenen Kapazitätsüberhang im Bereich der Flotte sowie des Personals" ausgleichen zu können, beabsichtige man, bis zu 40 Airbus-Flugzeuge an die Lufthansa-Gruppe zu vermieten.

Den Deal bestätigte auch die Lufthansa am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung. Die Rede ist von einer „Absichtserklärung zur Übernahme auf Wet-Lease-Basis durch die Konzern­gesellschaften Eurowings und Austrian Airlines". Das heißt, dass auch Piloten und Bordpersonal übernommen werden. Die Vereinbarung werde mit dem Sommerflugplan am 26. März 2017 beginnen. „Eurowings würde mit diesem Schritt die Kapazitäten erheblich ausbauen und ihre Position im europäischen Point-to-Point-Verkehr signifikant stärken", heißt es. Gemeint ist damit der Kampf gegen Billigflieger wie Ryanair und Easyjet, die stark an Marktanteilen gewonnen haben. Auf Mallorca hat Eurowings ohnehin eine Heimatbasis geplant.

Air Berlin steckt in einer desolaten finanziellen Lage. Die mit fast einer Milliarde Euro verschuldete zweitgrößte deutsche Fluglinie wird seit Jahren von ihrer arabischen Großaktionärin Etihad mit Millionenspritzen in der Luft gehalten. Die jetzige Radikalverschlankung bezeichnet Air-Berlin-Chef Stefan Pichler in der Pressemitteilung als „strategische Neuausrichtung": „Unsere zukünftige Positionierung steht jetzt fest: Als fokussierter Netzwerk-Carrier mit klarer Positionierung fliegen wir von unseren beiden Drehkreuzen aus in ertragreichere Märkte. Eine schlankere, dynamische und stärkere Air Berlin ist zukunftsfähig."

Auf der Strecke bleiben voraussichtlich 1.200 Mitarbeiter. Die Verkleinerung des operativen Geschäfts bedinge eine „strukturelle Anpassung der Personalkapazität", heißt es. Man werde unverzüglich Gespräche mit Vertretern der Betriebsräte aufnehmen, um bis Februar 2017 freiwillige und betriebsbedingte Kündigungen zu vereinbaren.

Kooperation mit Tuifly?

Noch unklar ist, was konkret mit dem Ferienfliegern, sprich den Mallorca-Flügen passiert. Die Rede ist von einer geplanten „Zusammenfassung des Touristikgeschäfts in einem eigenen Geschäftsbereich", für den Optionen geprüft würden. „Zu einzelnen Strecken können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen", so eine Air-Berlin-Sprecherin am Mittwochabend gegenüber der MZ. Der veröffentlichte Flugplan behalte bis auf Weiteres seine Gültigkeit.

Insidern zufolge geht es bei den Plänen um ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ferien­flieger Tuifly. Laut der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX will Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki in die Gesellschaft einbringen. Hinzu kämen 14 Maschinen der Tuifly samt Personal, die der Reisekonzern seit mehreren Jahren an Air Berlin vermietet hat.

Eurowings übernimmt Crew

Bei Eurowings unterdessen stehen die Zeichen auf Expansion. Derzeit umfasst die Flotte 90 Flugzeuge. Im Zuge der Vereinbarung mit Air Berlin, die die Kartellbehörde noch genehmigen muss, sollen 35 Maschinen hinzukommen, die künftig in den Farben der Eurowings fliegen. Weitere fünf Flugzeuge soll Austrian Airlines anmieten.

Da für die Übernahme ein Wet-Lease-Deal geplant ist, werden laut den Plänen Eurowings und Austrian Airlines nicht nur Flugzeuge von Air Berlin mieten, sondern jeweils auch Cockpit-Crew, Kabinenpersonal und Wartung. Die Flugzeuge passten ohnehin gut zur einheitlichen Airbus-Flotte von Eurowings, heißt es. Dabei handelt es sich um Airbus-Maschinen vom Typ A320 und vom Typ A319.

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