Pedro Geromel: Und in der Abwehr ein Ladenhüter

Real Mallorca muss den 1,5-Mio-Spieler loswerden. Aber keiner will ihn

31.08.2013 | 12:59
Pedro Geromel wurde dem Inselclub vom 1. FC Köln untergejubelt.
Pedro Geromel wurde dem Inselclub vom 1. FC Köln untergejubelt.

Immer wieder spannend, auch bei Real Mallorca: Das Ende der Transfer­frist im Weltfußball naht. Ab Samstagabend (31.8.) um Punkt 24 Uhr geht nichts mehr in Sachen Ein- und Verkauf von Spielern. Das heißt für den Inselclub: Diejenigen, die bis dahin nicht verkauft werden konnten, werden zumindest die Hinrunde mit dem Club bestreiten müssen. Der Verein muss all diese Spieler bezahlen. Und dabei geht es nicht um Peanuts. Im Kader tummeln sich so hoch dotierte Spieler wie Alejandro Alfaro, Antonio López und Pedro Geromel.

Vor allem der im Sommer 2012 aus Köln hinzugekommene Abwehrspieler Geromel bereitet Real Mallorca Kopfzerbrechen. Denn der Brasilianer gehörte in der vergangenen Saison zu den Spielern, die durch zahlreiche Unsicherheiten in der Defensive am Abstieg nicht ganz schuldlos waren. Laut Vertrag stehen ihm dennoch etwa 1,5 Millionen Euro pro Saison zu.

Ein solcher Betrag ist für den Zweitligisten Mallorca nicht zu stemmen. Aus der Pressestelle heißt es, man dürfe nur zehn Millionen Euro an Spielergehältern in der Zweiten Liga ausgeben. Da passt ein solches Millionengehalt nicht hinein. Zumal der Brasilianer nicht einmal Stammspieler ist, sondern den desaströsen Liga-Auftakt von der Bank aus verfolgte.

Das Problem an Pedro Geromel ist aber nicht nur das hohe Gehalt, sondern auch der eigenartige Vertrag, der zwischen dem 1. FC Köln und Real Mallorca geschlossen wurde. Der Verteidiger ist an den Inselclub nur ausgeliehen. Köln hatte im Sommer 2012 das gleiche Problem wie nun Mallorca: Der Club war abgestiegen und konnte sich Geromel in der Zweiten Liga nicht mehr leisten. Auch in Köln hatte der Brasilianer zahlreiche Gegentore verschuldet. Er war sozusagen ein Ladenhüter, der in einschlägigen Foren mit Häme überschüttet wurde: „Ich wundere mich, warum sich überhaupt ein Verein auf dieser Welt für Geromel interessiert", hieß es dort etwa. Seine Berater trugen den Spieler Real Mallorca an. Sportdirektor Llorenç Serra Ferrer biss an.

Hinter vorgehaltener Hand spricht man in Köln davon, dass die Clubverantwortlichen über den Deal erleichtert waren. Da der Inselclub die vier Millionen Euro, die Köln für den Spieler bei einem Verkauf wollte, nicht zahlen konnte, einigte man sich auf ein auch unter Fußball-Insidern als „ungewöhnlich" bezeichnetes Leihgeschäft. Geromels Vertrag in Köln wurde bis 2016 verlängert. Zugleich wurde vereinbart, dass der Spieler bis 2015 an Mallorca ausgeliehen wird, und dass der Inselclub das komplette Gehalt des Spielers plus eine jährliche Leihgebühr von einer halben Million Euro zahlt, ohne dabei ein Kaufrecht zu besitzen. Zusätzlich behielt sich Köln das Recht vor, den Spieler nach jeder Saison ins Rheinland zurückzuholen oder – sofern ein attraktives Angebot vorliegt – an einen anderen Club zu verkaufen. Ganz ohne die Zustimmung von Real Mallorca.

Außerdem verkaufte der 1. FC Köln zehn Prozent der Transferrechte an einen privaten deutschen Investor namens Franz Josef Wernze sowie weitere 40 Prozent an die Agentur von Geromel. Alle spekulierten darauf, dass der Spieler seinen Wert in der spanischen Primera División nach seiner Talfahrt in Köln wieder deutlich steigern würde und so mit ordentlich Gewinn wieder verkauft werden könnte.

Dieser Plan ist mit dem Absturz von Real Mallorca in die Liga Adelante gescheitert. Zwei Abstiege in zwei Jahren sind nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für einen Abwehrspieler. Real Mallorca und der 1. FC Köln haben also ein teures Problem. Trotzdem besteht beim Inselclub Hoffnung: „Geromel hat uns signalisiert, dass er wohl vor Ende der Wechselfrist einen anderen Club finden wird", heißt es aus der Pressestelle des Inselclubs zuversichtlich. Sollte es doch nicht dazu kommen, überlegt man bei Real Mallorca zwei Alternativen: Entweder Geromel ist bereit, sein Gehalt deutlich zu senken und zu bleiben, oder er muss mit einer Entlassung mit Abfindung rechnen. Ob eine solche Entlassung allerdings rechtlich überhaupt möglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Es bleibt also spannend.

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