Besuch im Tierkrankenhaus auf Mallorca

Wenn der Haustierarzt nicht mehr weiter weiß, schickt er die Patienten häufig ins Hospital Canis. Hier kämpfen Spezialisten um das Leben von Unfallopfern, behandeln Krebs und andere Härtefälle. Herrchens und Frauchens letzte Hoffnung

28.09.2017 | 19:15
Zweibeiner und Vierbeiner: Im Wartesaal des Hospital Canis auf Mallorca sind meist beide nervös. Von hier aus gehen sechs Sprechzimmer ab.

Chuli, Kira, Pepi, Lola – es ist eine niedlich klingende Namensliste, die im Warte­bereich vom Hospital Veterinari Canis auf Mallorca aufgerufen wird. Ein kleiner English Pointer mit Halskrause wirkt eher hyperaktiv als krank, aufgeregt schnuppert er an jedem Bein, das an ihm vorbeiläuft. Und das sind einige. In Palmas Tierkrankenhaus ist immer viel los.

„Er hat ein Geschwür am Ohr", sagt der Besitzer. „Unser Haustierarzt hat uns hierhin geschickt, weil er nicht mehr weiterwusste." Der Pointer zieht an seiner Leine, als sich die große gläserne Eingangstür öffnet und ein zotteliger Deutscher Schäferhund hereinkommt – oder besser: von seinem Herrchen angefleht wird, doch bitte hereinzukommen. Er humpelt, trotzdem hält er mit aller Kraft dagegen, als Herrchen zu ziehen beginnt.

Krankenhäuser mag halt niemand gerne", sagt Pedro Pujol. Seit 1980 ist er hier Tierarzt, seit 1985 sogar einer der Eigentümer der privaten Einrichtung. Schon seit den 60er-Jahren gibt es die Clínica Veterinaria Canis in der Nähe von Palmas Paseo Marítimo. Im Februar 2014 eröffnete Pujol mit seinem Kollegen Luis Riera zusätzlich das nagelneue Hospital in der Nähe des Ocimax. „Die Nachfrage stieg immer weiter an, und am alten Standort hatten wir keine Möglichkeit, uns zu vergrößern." Also kaufte man ein Grundstück und ließ das neue Gebäude speziell nach den Vorstellungen der Spezialisten bauen. Nun ist das Hospital Canis neben dem Mitbewerber Aragó Hospital im Carrer Son Morro in Palma das zweite große Tierkrankenhaus auf Mallorca.

Durchschnittlich 70 vierbeinige Patienten werden täglich im Canis Hospital behandelt. „Manchmal sind es auch mehr als 100", so Pujol. Neben 15 Arzthelfern und Rezeptionisten arbeiten hier 20 fest angestellte Tierärzte, hinzu kommen fünf externe Spezialisten. Alle sind auf Bellos und Miezes Wohl aus – Katzen und Hunde stehen im Vordergrund, 24 Stunden am Tag. „Wir geben auch Standardimpfungen. Aber eigentlich kommen vor allem die komplizierten Fälle zu uns", so Pujol. Diejenigen, bei denen die Haustierärzte nicht mehr weiterwissen.

So wie bei Xisco. Der kleine Yorkshire Terrier ist kaum zu sehen unter der riesigen Halterung des Computertomografen. Nur etwas hellbraunes Fell schaut aus der Maschine hervor. Immer wieder hatte Xisco in den vergangenen Monaten Gleichgewichtsstörungen. Warum, weiß niemand. Derzeit schläft Xisco tief und fest. „Ohne Narkose geht hier gar nichts. Man kann den Tieren ja nicht sagen, dass sie stillhalten sollen", erklärt Tierarzt Miguel Omaña. Die anestesia sei bei fast jedem Eingriff notwendig.

Konzentriert schaut Omaña auf den Bildschirm vor sich, auf dem Live-Aufnahmen von Xiscos Gehirn zu sehen sind. „Da könnte etwas sein. Das sieht nach einem Tumor aus", sagt Omaña nach nur wenigen Minuten. Moderne Technik sei in der Tiermedizin sehr wichtig, ohne sie könne man kaum eine Diagnose stellen. „Der Hund kann ja nicht sagen, wo es genau drückt oder wie es ihm geht." Durch verschiedene Tests grenzt der Tierarzt seine Diagnose immer weiter ein.

Auch Unfalltiere werden häufig ins Hospital Canis gebracht. So wie die sandfarbene Katze, die in einem Röntgenraum hinter den sechs Sprechzimmern auf einer Trage liegt. Sie blutet am Bauch. „Innere Verletzungen", murmelt eine der Helferinnen. „Sie wurde angefahren gefunden. Mal sehen, ob sie durchkommt."

Möglich ist es – für Innere Medizin arbeitet am Tierkrankenhaus eine Tierärztin mit speziellem EU-Diplom, auch ein Onkologe, ein Ethologe, ein Kardiologe und eine Dermatologin weisen die Zertifikate vor, die sie europaweit als Spezialisten auszeichnen. „Früher mussten wir Härtefälle teilweise nach Barcelona schicken, heute können wir sie hier genauso gut behandeln", so Leiter Pedro Pujol. Immer mehr Menschen brächten ihre Tiere ins Krankenhaus und scheuten auch die teils hohen Kosten nicht. „Wobei es immer schon diejenigen gab, die bis zum Ende kämpften, und es auch heute noch die gibt, die schnell aufgeben." Aufgeben, das bedeutet einschläfern. Denn anders als Menschen lässt man Tiere nicht bis zum bitteren Ende leiden. „Ich sehe das positiv. Es ist hart, aber letztlich erlösen wir die Tiere ja", so Pujol.

Er zieht sich die Gummihandschuhe über und mustert seinen nächsten Patienten, der vor ihm in einem der vier OP-Säle liegt. Es ist der zottelige Schäferhund, der sich kurz zuvor in der Eingangshalle so sträubte, fast, als hätte er geahnt, was auf ihn zukommt. Jetzt ist auch er in tiefer Narkose. „Vermutlich hat er Krebs im Bein. Wir entnehmen ihm nun ein Stück Knochen, um zu untersuchen, wie schlimm es um ihn steht", so Pujol. Dann muss Herrchen bestimmen, ob es weitergeht. „Natürlich fällt diese Entscheidung schwer, hier fließen täglich Tränen", weiß der Leiter. Immer wieder fragten die Tierhalter, was die Ärzte an ihrer Stelle tun würden. „Aber wir geben nur Empfehlungen. Die Entscheidung muss der Besitzer allein treffen."

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