Niki-Pleite: Mallorca-Weihnachtsflüge sündhaft teuer oder ausverkauft

Viele deutsche Insel-Residenten wollen über die Feiertage nach Deutschland – und haben wegen der Insolvenz der Airline nun ein Problem. Denn es gibt so gut wie keine Verbindungen

18.12.2017 | 09:12
Nach "Sonderkonditionen" für Niki-Geschädigte sieht das nicht aus – zumindest nicht nach vorteilhaften

MZ-Leser Wolfgang S. staunte nicht schlecht, als er einen Ersatzflug für sein storniertes Niki-Ticket suchte. Er habe sich direkt am Donnerstagmorgen (14.12.) um einen neuen Flug nach Deutschland bemüht, um anschließend die angekündigten "Sonderkonditionen" bei den anderen Airlines zu beantragen, kommentiert er auf der MZ-Website. "Der Flug von Palma nach Frankfurt mit TUIfly am 22. Dezember wurde kurzfristig von 64,99 Euro auf 324,99 Euro angehoben", so der Leser. In einem Info-Fenster habe er erfahren, dass sich der Preis in den vergangenen Minuten geändert habe. "Das nenne ich mal 'Sonderkondition'. Bravo", so der Deutsche frustriert.

Während sich am Flughafen Mallorca-Urlauber den Kopf darüber zerbrechen, wie sie wieder zurück in die Heimat kommen und auf die angekündigten Rückholangebote hoffen, sorgt die Niki-Pleite auch bei vielen deutschen Mallorca-Residenten für Frust. Viele von ihnen wollten über Weihnachten in die Heimat fliegen – nicht zuletzt wegen der vergleichsweise niedrigen Flugpreise mit Niki. Die Insolvenz hat ihnen einen Strich durch ihre Reiserechnung gemacht.

Zwar kündigte Niki am Donnerstagnachmittag (14.12.) an, auch denjenigen Flugreisenden ihr Geld zurückzuerstatten, die nicht über einen Reiseveranstalter, sondern direkt auf der Niki-Homepage gebucht hatten. Doch selbst wer gewillt ist, einen neuen Flug zu kaufen, hat es schwer: Neun Tage vor Heiligabend gibt es für die Weihnachtsreisenden so gut wie keine Alternativen. Vor allem jene Residenten, die auf der Insel arbeiten und dadurch bei Flugdaten und -zeiten wenig flexibel sind, müssen in vielen Fällen wohl oder übel davon Abstand nehmen, ihre Liebsten in Deutschland an den Feiertagen in die Arme zu schließen.

MZ-Stichproben am Freitagvormittag (15.12.) sprechen eine eindeutige Sprache: Wer beispielsweise Ersatzflüge von Mallorca nach Deutschland vom 23. bis 27. Dezember sucht, wird schlicht nicht fündig. Ob Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt oder München – für keinen der Zielflughäfen gibt es zu diesen Daten von Mallorca aus Direktflüge. Eine einzige Verbindung besteht nach Düsseldorf, für 340 Euro. Dahinter die Nachricht: "Die Preise werden voraussichtlich in 5 Tagen steigen." Tatsächlich stieg der Ticketpreis bereits in 90 Minuten um 50 Euro an.

Schaut man sich die Statistiken der Flughafenbetreibergesellschaft Aena an, verwundert es nicht, dass das gesamte Mallorca-Deutschland-Flugnetz mit der Airberlin/Niki-Pleite komplett durcheinander gewirbelt wird. Von 9,2 Millionen Passagieren, die bis einschließlich November 2017 die Strecke flogen, sind 3,4 Millionen mit der Airberlin Group zwischen Insel und Bundesrepublik unterwegs gewesen – also mehr als ein Drittel aller Reisenden. Wer die Lücke in Zukunft auffüllen wird, ist unklar. Zwar kündigte Tui Fly an, zusätzliche Flüge anbieten zu wollen - wie viele und ab wann ist allerdings nicht bekannt. Kein Wunder, dass gerade um die ohnehin stark nachgefragten Weihnachtsfeiertage fast nichts mehr geht.

Niki gab zwar über die Presse bekannt, dass sämtliche Flüge ausfallen und dass die Passagiere ihr Geld erstattet bekommen. Doch eine informierende Mail an die Weihnachtsreisenden persönlich, die den Ausfall des gebuchten Flugs ankündigt, ging bisher nicht raus. Auch die Service-Hotline ist abgeschaltet und die Funktion zur Buchungsübersicht auf der Niki-Homepage deaktiviert. Und wer weiß - vielleicht sind die am Donnerstag (14.12.) angestoßenen Verhandlungen zu einem Schnellverkauf an die Interssenten Niki Lauda, an den Luftfahrtsanierer Hans Rudolf Wöhrl oder an den Reiseveranstalter Thomas Cook in den nächsten Tagen ja doch noch erfolgreich. /somo

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