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Mallorca Zeitung

"Getränke im Brunnen gekühlt": Wie sich die Menschen auf Mallorca früher gegen die Hitze gewappnet haben

Im Sommer der Hitze zu entfliehen, ist selbst in der modernen Welt nicht einfach. Wie aber machten es die Menschen früher? Eine Mallorquinerin erzählt aus ihrer Kindheit

Eine Tradition, die sich erhalten hat: „prendre la fresca“ in einem Dorf auf Mallorca. | FOTO: ARCHIV

Die Sommer in der Inselmitte können ziemlich unbarmherzig sein. Mittags, wenn die Sonne niederprallt, kein Lüftchen weht und die Luftfeuchtigkeit hoch ist, kommt jeder Schritt durch die Straßen von Dörfern wie Petra oder Sineu einem Spaziergang durch eine Sauna gleich. Hier werden im Sommer oft die höchsten Temperaturen auf der Insel gemessen.

Heutzutage haben natürlich die meisten Häuser Klimaanlagen und Kühlschränke. Aber Ende der 50er-Jahre war es noch anders, erinnert sich etwa Margalida. Die 68-Jährige hat ihr ganzes Leben in einem Dorf in der Inselmitte gewohnt. „Gegen die Mittagshitze blieb uns im Haus damals nichts anderes übrig, als zu lüften“, erinnert sie sich. „Wir haben am Vordereingang und am Eingang zum Hof die Glastüren offen gelassen und die Fensterläden verschlossen. So kam ein wenig frische Luft ins Haus.“

Draußen sitzen, wenn die Hitze nachlässt

Nachmittags, wenn die Sonne nicht mehr so drückte, sei ihr Opa häufig rausgegangen, habe sich allein oder mit Bekannten unter einen Baum gesetzt. Andere setzten sich in den frühen Abendstunden in Grüppchen vor eine Haustür. Dieser Brauch, der prendre la fresca heißt, wird auch heute noch gern gepflegt.

Um kühle Getränke zu genießen, hängte man einen Korb in den hauseigenen Brunnen. „Er baumelte nur ein paar Zentimeter über der Wasseroberfläche“, erzählt Margalida. „Da drin waren etwa Wasser, Orangensaft oder auch Milch, die mit Zimt und Zucker gesüßt war.“ Die Getränke habe man am Nachmittag oder Abend mit Keksen eingenommen, an Feiertagen mit einem Stück Kuchen. Wenn Anisschnaps im Haus war, wurde dieser mit dem kühlen Wasser aus dem Brunnen vermischt und etwa den Gästen angeboten, die zu Besuch kamen.

Eis wurde damals auch schon gegessen. Ein Eismann ging sonntags durchs Dorf. Er kühlte seine Ware mit einem riesigen Eisblock. „Aber ein Eis zu essen, das war ein Luxus, den wir uns damals ein oder zwei Mal im Jahr leisten konnten.“

Ein Strohhut als Sonnenschutz

Ein tägliches Bad gab es nicht. „Ich kann es mir heute kaum noch vorstellen, wie man so gelebt hat, aber wenn die Leute am Abend etwa von der Arbeit auf dem Feld wiederkamen, haben sie sich nur die Füße gewaschen. Und am nächsten Tag ging es wieder um fünf Uhr morgens raus.“ Dort war der einzige Schutz vor der Sonne ein Strohhut. „Die Menschen haben damals alle wahnsinnig geschwitzt.“

Zumal es den Gepflogenheiten entsprechend auch nicht üblich war, sich leicht zu kleiden. „Gerade wenn wir sonntags in die Kirche gingen, mussten wir als Mädchen Arme und Beine bedecken. Mein Großvater trug dann immer einen weißen Anzug, der aber auch nicht verhinderte, dass er wie ein Schwein schwitzte.“ Die einzige Abhilfe in der Situation seien Fächer gewesen. „Wenn wir aus der Kirche rauskamen, durften wir aber immerhin die Jäckchen ausziehen.“

Männer konnten oberkörperfrei herumlaufen

Ansonsten sei die Kleiderordnung recht unausgeglichen gewesen. „Wenn eine Frau Haut gezeigt hat, galt sie schnell als Flittchen“, erinnert sie sich. „Bei den Männern war das natürlich anders. Die konnten oberkörperfrei und mit kurzen Hosen rumlaufen.“

Die Familien, die etwas mehr Geld hatte, besaßen ein Häuschen in den Küstenorten, wo sie den Sommer verbrachten. Andere machten einen einzigen Ausflug an die Küste während der heißen Monate. „Von der Inselmitte aus ging es nach Son Real in der Bucht von Alcúdia, meistens im August, wenn die Feigenernte beendet war. Dort verbrachte man dann ein oder zwei Tage, sprang ins Meer und schlief draußen in der Natur.“

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